Ontrack PowerControls 2.0

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ACHTUNG: Aktuellere Version verfügbar.

Aufgrund der bisherigen Tests mit dem Vorgänger "PowerControls 1.1" konnte ich auch die Nachfolgeversion 2.0 schon als BETA testen.

Einsatzbereich

Der Einsatzbereich hat sich wie bei der Version 1.1 nicht geändert. Die primären Ziele sind:

  • Desaster Minimierung
    Extrahieren von Inhalten aus einem nach einem Defekt nur teilweise erhaltenen oder defekten Datenbanken.
  • Einzelelementwiederherstellung
    Extrahieren von Inhalten aus vorhandenen Exchange Datenbanken ohne Exchange Installation als alternative zu einem Single Mailbox Backup und Restore.
  • Migration
    Übertragung von Informationen aus einer alten Datenbank auf einen neuen Server oder über den Umweg einer PST-Datei in ein beliebiges Mailsystem, welches Informationen von Outlook importieren kann.
  • Archivierung
    Die Leistung, auch alte Datensicherungsbänder mit dem ExtractWizard einzulesen und mit PowerControls zu öffnen lässt natürlich auch die Hersteller von Archivsoftware aufhorchen. Ist somit doch sehr schnell ein Import uralter Sicherungen in die aktuelle Archivdatenbank möglich

Damit ist PowerControls ein leistungsfähiges Desaster Werkzeug um möglichst viele Inhalte einer defekten Datenbank zu lesen und zudem eine Alternative zu dem zeitraubenden Single Mailbox Backup. All dies soll Power Controls können, ohne dass ein Exchange Server auf dem System vorhanden ist und obwohl das Installationspaket von PowerControls mit knapp 4 MByte schon lächerlich klein ist.

Neuerungen

Im Vergleich zur Vorversion PowerControls 1.1 verspricht Ontrack eine ganze Menge neuer Funktionen, die die Qualität der restaurierten Daten merklich steigern sollte und vermisste Funktionen liefert. Dazu gehören:

  • Unterstützung der Transaktionsprotokolle
    Sollten Sie nicht nur die Datenbanken haben, sondern auch die dazu gehörigen Transaktionsprotokolle, dann kann PowerControl 2.0 diese mit einlesen und verwenden. Dies besser die Qualität der Quelldaten
  • Unterstützung von weiteren Bandformaten
    Bisher konnte PowerControls nur Bänder von NTBackup oder BackupExec restaurieren. In der Version 2.0 werden auch ArcServe und Legato Bänder einlesbar.
  • Unterstützung der Outlook 2003 PST-Dateien als Export
    Damit fällt die 2 GB-Grenze der bisherigen PST-Dateien, wenn umfangreiche Informationen zu exportieren sind.
  • Viele kleine Verbesserungen
    Die Liste weiterer Verbesserungen ist lange. Änderungen und Verbesserungen am Programm, der Suchfunktion, Voransicht fallen darunter.

Alles in allem gute Gründe sich Power Controls 2.0 wieder anzuschauen. Gerade die lange gültige Beschränkung auf BackupExec und NTBACKUP ist nun gefallen. Die Vielzahl der ArcServe Anwender hat nun ebenfalls ein effektives Werkzeug.

Besonders zu erwähnen ist die Unterstützung von Transaktionsprotokollen. Ein Onlinebackup sichert systembedingt immer nur eine inkonsistente Datenbank, die den Status "Dirty Shutdown" hat. Erst eine Berücksichtigung der dazugehörigen Transaktionsdateien führt zu einer konsistenten Datenbank und demnach gültigen exportierbaren Informationen. PowerControls 1.1 war aufgrund seiner Möglichkeit, inkonsistente Datenbanken zu lesen ein wichtiges Produkt für das Desaster Recovery, aber PowerControls 2.0 verbessert nun die Qualität der exportierten Daten. Dies ist besonders wichtig, wenn ein Online Backup als Quelle für die Wiederherstellung einer einzelnen Nachricht (Single Item Recovery) genutzt werden soll.

TestUmfeld

Ganz modern habe ich Power Controls gleich auf der aktuellsten Version von Windows und Exchange ausprobiert. Ein Windows 2003 Server, auf dem Exchange 2003 installiert war. Hier wurde ein Backup mit NTBACKUP in einer Datei durchgeführt und auch ein Test an einer "heruntergefahrenen" Datenbank durchgeführt.

Ein zweites Testfeld betraf das Recovery von Bändern mit Arcserve. Mit etwas Unterstützung konnte ich ein ArcServe Band einer namhaften Firma mit Power Controls lesen und die Inhalte einer ArcServe 2000 Online Sicherung.

Alle Bilder auf dieser Seite dienen zum einfacheren Verständnis und wurden von einem Server ohne produktive Daten gezogen. Natürlich wurden alle Tests auch mit größeren Datenbanken durchgeführt.

Installation

Die Installation von PowerControls 2.0 ist unspektakulär. Nach Eingabe des Namens und Auswahl des umfangs wird die Software in C:\Programme\Ontrack\PowerControls installiert und drei Einträge im Startmenü hinterlegt. Mit unter 4 Megabyte ist der Speicherbedarf zu vernachlässigen.


Dateilisting Programmverzeichnis

Startmenü

Der Aufruf ist denkbar einfach. Es stehen neben einem updatemodul nur zwei Programme zu Wahl:

  • ExtractWizard
    Dieser dient dazu, aus einer Backupdatei (*.BKF, *.CFO *.0) oder einem Bandlaufwerk die Exchange Sicherungssätze in lesbare Dateien zu holen.
    Speziell die ArcServe Anwender müssen nun erst ArcServe Stoppen und die Windows Bandgerätetreiber installieren.
  • PowerControls
    Dies ist das eigentliche Programm, welches die wieder hergestellten oder noch vorhandenen Datenbanken öffnet und die Inhalte in PST-Dateien oder einen bestehenden Exchange Server überträgt.

Vom Band extrahieren

Nehmen wir an, Sie sichern ihren Server täglich "online" auf ein Band und ein Anwender löscht eine Nachricht. Im klassischen Fall brauchen Sie nun einen Exchange Server in einem Testfeld, und ein zweites Bandlaufwerk und Backupsoftware, um diese Datenbank zurückzusichern, zu starten und die gelöschten Inhalte zu extrahieren.

In diesem Fall hilft ihnen der ExtractWizard weiter, der aus einem Band oder Backupdatei die Daten einer Onlinesicherung wieder herstellen kann. Sie benötigen natürlich entsprechend Speicherplatz, aber die Rückholung der Daten kann auf dem laufenden Exchange Server erfolgen.

Der Assistent führt sie durch die Wiederherstellung, liest da Band und den Katalog ein und zeigt die verfügbaren Sitzungen und Dateien grafisch an:

Neuerungen hierbei sind, dass auch ArcServe und Legato Formate eingelesen werden können. Der Bandkatalog kann für eine spätere Verwendung gespeichert werden. Auch sonst hat Ontrack viele kleine Dinge verbessert, wie z.B. dass die Größen angezeigt werden, bessere Status und Fehlermeldungen etc. Dies ist alles sehr lobenswert aber letztlich zählt nur, dass die Informationen wieder hergestellt werden und es eben so schnell geht, wie es möglich ist.

Nach der Angabe des Zielordners, der natürlich NICHT der produktive Exchange Speicherordner sein darf, startet die Rückholung der Daten.

Ein StatusBericht am Ende fasst die Aktion zur Dokumentation noch einmal zusammen

Ab nun haben wir eine Rücksicherung der EDB und STM-Dateien samt Protokolldateien. Sollten sie Exchange 5.5 oder Exchange 2000 SP1 oder älter haben. finden Sie sogar noch die PAT-Dateien. Eine Kontrolle der zurück gesicherten Datenbank mit ESEUTIL -k <Datenbankname> ergab das gewohnte Bild eines Online Backups, dass die CRC-Summen der Datenbank korrekt waren, aber sie natürlich im Status "Dirty Shutdown" sind.

Eigentlich würde uns auch hierbei nichts hindern, diese einfach einem Exchange Server unterzuschieben und nach einem ISINTEG -FIX (Ex5.x) oder dem Kreuz bei "Darf durch Wiederherstellung überschrieben werden" (E200x) online zu nehmen. So einfach war es dann doch nicht, aber dies ist auch nicht der Einsatzzweck des Extractwizard.

öffnen der Datenbank mit PowerControls

Viel wichtiger ist es, die Dateien mit PowerControls selbst zu öffnen. Hier muss sich zeigen, dass PowerControls die Datenbanken lesen kann und die Inhalte exportiert. Sie können dazu den Assistenten benutzen oder den Assistenten abbrechen und von Hand die entsprechenden Dateien öffnen.

Sofern im gleichen Verzeichnis der EDB-Dateien auch entsprechende Protokolldateien liegen, sehen Sie kurz folgendes Fenster:

PowerControls durchläuft die Protokolldateien und ermittelt hieraus die während des Backups offenen Transaktionen. Diese fügt er aber nicht in die Datenbank ein, sondern in temporäre Dateien. Manchmal kann es vorkommen, dass die Protokolldateien nicht korrekt vorliegen. Dann sollten Sie alle *.LOG-Dateien löschen. PowerControls öffnet dann die Datenbank ohne diese Funktion. Allerdings könnten dann die letzten Änderungen der Datenbank zu einigen falsch exportierten Nachrichten führen. Als nächstes sehen Sie:

Und nun zeigt ihnen PowerControls die Datenbankinhalte an

Datenbank anzeigen

An der Oberfläche selbst hat sich bis auf kosmetische Änderungen auf den ersten Blick nicht viel getan. Wie bisher ist die EDB-Datei zu öffnen. Auch bei PowerControls 2.0 erfolgt keine Warnung, wenn die dazugehörige STM-Datei nicht vorhanden ist. Hier wäre eine kleine Warnung sicher angebracht.

Anhand des "Junk-E-Mail" Ordners erkennen sie sehr schnell, dass hier eine Exchange 2003 Datenbank geöffnet wird, was aber die Funktion zumindest bei meinen Tests nicht weiter behinderte. Auch die Sprachversion (Hier Deutsch) führt nicht zu weiteren Problemen

Die Datenbank für öffentliche Ordner ist genauso zu öffnen und zuzugreifen.

Schade ist hier, dass der Zugriff auf die vorhandenen Systemordner (IPM_NONPUBLIC) nicht möglich ist. Dort liegen z.B. Skripte, Frei/Belegt Zeiten und EventSinks vor. Allerdings handelt es sich dabei auch nicht um essentielle Daten. Sie können in der Regel einfach wieder neu erzeugt werden.

Suchen und Export der Inhalte

Bei der Suche fängt alles an und da hat PowerControls kräftig zugelegt. Die neue Suchmaske ist sehr viel umfangreicher und aussagekräftiger und enthält wahlweise auch einen Preview Funktion:

Export von Nachrichten

PowerControls kann die gewählten Informationen entweder über MAPI in eine PST-Datei oder direkt in das Postfach eines laufenden Exchange Servers exportieren. PowerControls kann zwar problemlos parallel auf einem laufenden Exchange Server installiert und genutzt werden, aber der Export funktioniert aktuell nur, wenn Outlook auf dem Server installiert ist. Das ist leider eine von Microsoft "Non supportet" Konfiguration. Der Export auf den Exchange Server selbst funktioniert aber problemlos. Wenn Sie daher Inhalte einer Datenbank unbedingt in PST-Dateien verschieben müssen, dann können Sie PowerControls auf einem Desktop installieren und über das LAN auf die zurückgeholten Datenbanken zugreifen.

ACHTUNG: Leider ist Windows und MAPI nicht immer einfach zu verstehen. Wenn Sie eine neuere Outlook Version installieren, dann addiert das Setup die Dienste nicht mehr in der Datei "C:\WINNT\system32\MAPISVC.INF" sondern in "C:\Program Files\Common Files\System\Mapi\1031\NT\MAPISVC.INF" ein. Somit kann PowerControls keinen PST-Dienst finden und quittiert die Aktion mit:

Abhilfe ist einfach. Fügen Sie einfach folgende Zeilen in die Datei C:\WINNT\system32\MAPISVC.INF ein:

[Services]
MSPST MS=Persönliche Ordner

[MSPST MS]
Providers=MSPST MSP
PR_SERVICE_DLL_NAME=mspst.dll
PR_SERVICE_INSTALL_ID={6485D262-C2AC-11D1-AD3E-10A0C911C9C0}
PR_SERVICE_SUPPORT_FILES=mspst.dll
PR_SERVICE_ENTRY_NAME=PSTServiceEntry
PR_RESOURCE_FLAGS=SERVICE_NO_PRIMARY_IDENTITY
 
[MSPST MSP]
34140102=4e495441f9bfb80100aa0037d96e0000
PR_PROVIDER_DLL_NAME=mspst.dll
PR_SERVICE_INSTALL_ID={6485D262-C2AC-11D1-AD3E-10A0C911C9C0}
PR_RESOURCE_TYPE=MAPI_STORE_PROVIDER
PR_RESOURCE_FLAGS=STATUS_DEFAULT_STORE
PR_DISPLAY_NAME=Persönliche Ordner
PR_PROVIDER_DISPLAY=Persönliche Ordner

Für den Export in einen Exchange Server installieren Sie am einfachsten die Exchange Administrator Komponenten um die notwendigen DLL's und Dienst zu erhalten.

Nach dem die Nachricht oder die fraglichen Informationen gefunden wurden, muss man aktuell im Hauptfenster diese auswählen und per Frag and Drop auf das Ziel (Target) fallen lassen.

Anmerkungen zum praktischen Einsatz

PowerControls is ein Werkzeug für jeden Exchange Administrator, der in der misslichen Lage ist, einzelne Nachrichten wieder holen zu müssen oder aus einer korrupten Datenbank möglichst viele Informationen zu retten. In beiden Fällen ist der Einsatz von Power Controls unschlagbar.

Sie können ihre Datensicherung durchaus so konfigurieren, dass Sie PowerControls nicht braucht. Aber ein Single Mailbox Backup kostet Zeit und Geld und defekte Datenbanken ohne Backup sind leider häufiger der Fall als es sein sollte. Mit PowerControls ist es wie mit vielen anderen Programme, die z.B.: Partitionen verändern (PartitionMagic, PartitionExpert) oder bootunwillige Server reparieren (Ontrack EasyRecovery, OOBluecon, ERDComander, NTFSDOS) oder all die anderen nützlichen Helfer. Einmal gesehen und sie wollen es einfach nicht mehr hergeben.

Exchange ist relativ empfindlich, wenn die Datenbanken nicht mehr konsistent sind. Oft helfen dann nur harte Mittel wie ESEUTIL, um die Datenbank wieder zu mounten. PowerControl konnte bei meinem Tests auch teilweise fehlende Datenbanken (STM-Datei fehlt) und inkonsistente Datenbanken öffnen und zumindest einen Teil der Daten exportieren. Dies ist immer noch besser als die Datenbank als Totalverlust abzuschreiben

Aber auch ohne Desaster ist PowerControl ein Werkzeug, was andere Dinge überflüssig macht. Viele Firmen sichern neben dem Online Backup ihren Exchange Server zusätzlich per MAPI. Dies ist bislang der einfachste Weg, einzelne Elemente relativ schnell wieder rücksichern zu können. Backupprogramme wie BackupExec, ArcServe und andere unterstützen dieses Verfahren. Auch Exmerge ist das Single Mailbox Backup des kleinen Mannes. Allerdings bedeutet solch ein Backup auch einen erheblichen Bandverbrauch, weil die Datenmenge zunimmt und durch die langsame Performance das Band immer wieder startet und stoppt. Daher wird dieses Verfahren oft nur einmal im Monat durchgeführt. Mit PowerControl ist nun jedes Onlinebackup auch eine mögliche Quelle für die Wiederherstellung einzelner Elemente.

Lizenz und Kaufen

Wenn sie Power Controls kaufen wollen, dann können Sie das über das Ontrack Shopsystem tun. Alternativ können Sie die Software natürlich auch über ihren Händler oder Net at Work kaufen. Support gibt es da auch. Vielleicht können wir ihre Datenbank ja doch noch retten.

Power Controls 2.0 gibt es in folgenden Varianten

  • Standard Edition bis 100 Mailboxen (ca. 1150 €)
  • Business bis 250 Mailboxen (ca. 1750€)
  • Enterprise nach Anzahl der Mailboxen.
    Die Preise variieren je nach Anzahl der Mailboxen bis auf wenige Euro/pro Mailbox.
  • Zusätzlich benötigen Sie für ihre Backupsoftware ArcServe, BackupExec, Legato eine Lizenz um das Band direkt zu lesen. Nur Windows NT Backup wird in der Basisversion unterstützt. (ca. 500 €)

Das bisherige Feedback von Kunden zeigt, das der Preis angemessen ist. Je je schon seinem Chef erklären musste, dass ein Nachricht nicht mehr zu retten ist oder wer sich einfach ein Single Mailbox Backup sparen will, kommt um PowerControls nicht herum.

Schnell bei der Hand haben Sie PowerControl immer, wenn Sie Zugriff auf das Internet haben. Der Download und der Kauf über das Ontrack Shopsystem ist schnell erfolgt und selbst die Testversion ist ausreichend um die Funktion und den Erfolg vorab zu prüfen.