Teams SBA  -Telefonie ohne WAN

Teams gibt es nur als Cloud-Lösung. Das stellt besondere Anforderungen an die Verfügbarkeit bei der Nutzung von Telefonie mit Teams Selbst mit einem lokalen Gateway und Direct Routing bedeutet ein Ausfall von Teams oder des Internet Links eine schwerwiegende Störung. Bei Skype for Business gab es dazu extra die SBA - Survivable Branch Appliance, mit der beim Ausfall der WAN-Verbindung ein Notbetrieb möglich ist. Diese Seite beschreibt Lösungen mit Teams, SBCs und passenden Endgeräten.

Keine Teams SBA

Schon Skype for Business hatte die Anforderung, dass ein WAN-Ausfall die Telefonie-Funktion nicht stören sollte. Ohne Cloud wollte man als Firma aber nicht in jeden Standort einen Skype for Business Standard Server oder sogar Enterprise Pool aufbauen. Das lohnt sich erst bei mehreren Clients und jeder Pool braucht ja dann auch wieder eine Veröffentlichung der WebDienste und idealerweise auch einen Edge-Server. Daher war es "üblich", wenn eine kleinere Niederlassung über den Pool der Zentrale mit bedient wird.

Technisch konnte man schon damals vor Ort ein TK-Gateway oder einen SBC platzieren, damit eine Kopplung zu einer lokalen Telefonanlage oder einem Amtskopf möglich war. Nur ohne WAN-Verbindung konnten die Anwender natürlich auch nicht mehr telefonieren. Daher hat Microsoft für diesen Sonderfall die Funktion SBA - Survivable Branch Appliance / SBS Survivable Branch Server" vorgesehen. Ein kleiner Windows Server, der von den als "Failover-Lösung" eine klar umrissene Funktion bereitgestellt hat, nämlich eingehende und ausgehende Telefonate. Präsenz, ResponseGroups, Konferenzen etc. waren nicht möglich.

Nun haben wir Teams und der frühere "Frondend/Standard Server" wird nun durch Office 365 bereit gestellt. Die WAN-Verbindung ist nun eine Internet-Verbindung und wenn ich keine Rufnummern von Microsoft nutze, dann habe ich weiterhin irgendwo in dem Bild einen SBC. Wenn nun das Teams Backend oder die Internet-Leitung gestört ist, ist das mit dem Verlust aller Teams-Funktionen und damit auch der Telefonfunktion gleichzusetzen. Das ist schon ein etwas ungutes Gefühl der Abhängigkeit. Wobei dies beim früheren analogen Telefon mit einer einzigen Ortsvermittlungsstelle natürlich auch so war und niemanden gestört hat. Heute gibt es ja immer noch Mobiltelefone.

Aber auch ohne Teams SBA sind Konfigurationen möglich, die eine Basis-Telefonie in solche einer Situation ermöglichen.

Ausgangssituation

Wenn ich heute per Direct Routing telefoniere, dann nutze ich folgende Wege:

Mein Teams Client kommuniziert mit dem Teams Backend über Internet und auch der SBA spricht mit dem Teams-Backend. Wenn ich Direct Routing und Media Bypass eingerichtet habe, dann bleibt die Audio-Kommunikation (RTP) im LAN. Sie sehen aber sofort, dass ein Ausfall der Internet-Verbindung die Signalisierung unterbricht und damit keine Verbindungen mehr aufgebaut werden können. Rein technisch könnte das Endgerät natürlich direkt mit dem SBC sprechen und telefonieren. Die beiden Endpunkte müssten nur entsprechend ausgestattet sein. Der Microsoft Teams Client kann dies aber nicht.

SIP-Fallback

Aber wir haben bei Net at Work dennoch diskutiert, wie so eine Notfallfunktion denn aussehen könnte. Wir haben schon zu Zeiten von Lync und Skype for Business über solche Konfigurationen nachgedacht, als noch Telefone von "SNOM" zertifiziert waren. Die SNOM-Telefone konnten sich nämlich nicht nur per SIP an Lync/Skype anmelden sondern über zusätzliche Konten im Telefone auch noch mit SIP-Vermittlungsstellen arbeiten. Damals waren aber Gateways von Audiocodes, Sonus/NET etc. noch reine Gateways und haben Endgeräte nur sehr rudimentär unterstützt.

Aber schon damals konnte man natürlich eine klassische SIP-Vermittlung, z.B. Asterisk, FreePBX u.a., zusätzlich betreiben. Mit einer passenden Konfiguration konnten dann eingehende Anrufe über das Gateway zu Skype geroutet werden. Wenn Skype aber nicht verfügbar ist, kann das Gateway den Fehler/Timeout abfangen und den Anruf an einen anderen Proxy weiter reichen. Mittlerweile können sogar Session Border Controller mit einigen Einschränkungen als Gegenstelle für SIP-Telefone dienen. Sie können natürlich so nicht die Funktion einer vollwertigen VoIP-Vermittlungsstelle abbilden aber für einen Notbetrieb kann es schon ausreichend sein, Anrufe zu tätigen und anzunehmen.

Es könnte also durchaus möglich sein, dass eine "Basisfunktion" intern bereit gestellt wird, wenn der Teams Client mit dem SBC direkt kommunizieren könnte. Das Bild zeigt die theoretischen Kommunikationswege.

Diese Funktion ist sogar heute schon möglich. Allerdings nicht mit dem Microsoft Teams Client. Sie könnte aber als "Backup" für ausgewählte Endstellen natürlich einfache SIP-Telefone an den SBC anbinden.

Sie müssen den SBC dann nur so konfigurieren, dass er eingehende Anrufe an eine Nebenstelle zu Teams sendet aber bei einem Fehler den Anruf auf die SIP-Endstelle umleitet. So bleibt das Telefon "stumm", wenn Teams funktioniert. Diese Funktion wird oft als "Alternate Routing". Diese Funktion des SBC wird auch gerne genutzt, um z.B. klassische Endgeräte (Fax, DECT, Türsprechstellen, Aufzugstelefone etc.) einzubinden, wenn es keine vollwertige PBX auf dem Gelände mehr gibt.

Sie können über den Weg natürlich auch auf ihrem Windows PC einen Softphone-Client installieren, der per SIP mit dem SBC spricht. Achten Sie aber darauf, dass sich der Teams Client und das Softphone nicht um die gleichen "TEL"-URIs und USB-Headsets streiten.

Allerdings wird natürlich die Konfiguration etwas aufwändiger, da sie nicht nur die "Basic-PBX" im SBC oder daneben aufgestellter Technik konfigurieren und pflegen müssen sondern auch die Endgeräte erfordern eine Provisionierung und Anmeldung.

Yealink Teams Device und SIP

Nur weil die Teams Client von Microsoft kein SIP zu einem SBC sprechen, ist das ja noch kein KO-Kriterium, dass es nicht andere Geräte gibt, die einen Teams-Client starten UND zugleich SIP sprechen können. Sie können ja z.B. ein Android-Tablet als "Telefon" missbrauchen, indem Sie es mit einem Headset oder Handset ausstatten und zusätzlich auch einen SIP-Client installieren. Es gibt aber noch drei namhafte Hersteller, die "Teams-Telefone" bereit stellen.

Bislang habe ich es nur bei den Telefonen von Yealink gefunden, dass die Telefone nicht nur den Teams-Client starten sondern im Hintergrund parallel auch noch einen SIP-Client nutzen können

Damit können dann zumindest die Anwender mit einem Yealink-Telefon auf dem Tisch nicht nur per Teams sondern auch über SIP telefonieren.

Die Firma Ribbon/Sonus hat mit Yealink dazu eigens eine Beschreibung für ihre SBCs veröffentlicht. Mit etwas Erfahrung können Sie das Telefon so auch an SBCs von Audiocodes und anderer Hersteller anbinden.

Teams Survivability

Zum heutigen Zeitpunkt (Feb 2020) gibt es aber keine "Teams SBA" von Microsoft, die sich nahtlos in das Teams Ecosystem integriert und vom Teams-Client nativ unterstützt wird.

Alle Ansätze einer "Survivability" mit Teams hinsichtlich Telefonie sind irgendwie "Bastellösungen", die auf SIP mit stark reduziertem Funktionsumfang aufbauen. Wenn das Teams Backend oder die Internetanbindung gestört ist, dann fehlt in Teams ja nicht nur die Telefonie sondern jegliche Funktion wie Presence, Chat, Kalender, Adressen, Teams und Kanäle.

Wir kommen also wieder an den Punkt, wo wir einmal über Wahrscheinlichkeiten eines Ausfalls von Komponenten nachdenken müssen. Wenn Sie nur eine ISDN-Leitung haben, dann kann die natürlich auch ausfallen. Ihr Carrier kann dann die Rufnummern vielleicht auf ein Mobiltelefon umleiten. Wenn Sie schon einen SIP-Trunk haben, dann ist das eine IP-Verbindung, die vermutlich die gleiche Ausfallwahrscheinlichkeit hat, wie ihre Internetanbindung. Hier geht es dann drum sich Gedanken über eine Backup-Leitung o.ä. zu machen. Wie wäre es den SBC und den SIP-Trunk gleich mit in die Cloud zu legen und damit lokal noch weniger Abhängigkeiten zu haben.

Die Diskussion und Betrachtung lässt sich fast beliebig ausdehnen. Sollte es von Microsoft irgendwann doch einmal eine "Teams SBA" geben, dann aktualisiere ich den Artikel natürlich.

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