Teams Dokumentkamera

Können Sie sie sich noch an die Videos zum Teams Room-System erinnern, bei denen eine zweite "Dokument-Kamera" ein Whiteboard anzeigt und die Person davor quasi "durchsichtig" wird?. Schon damals habe ich gefragt, ob und wann diese Funktion auch für den normalen Teams Client verfügbar wird. Ich hätte da durchaus ein paar Anwendungsfälle, z.B. eine zweite Kamera "FaceDown" auf meinem Schreibtisch zu richten, auf dem ich dann "klassisch" zeichne oder Papiervorlagen, Objekte o.ä. präsentiere. Am 11. Okt 2021 hat mir mein Client bei der Freigabe des Bildschirms ein neues Menü angezeigt.

Kamerainhalt freigeben

Wenn ich "Inhalt freigeben" in einem Meeting auswähle, dann sehe ich zusätzlich neben den Bildschirmen, einzelnen Fenstern, Whiteboard und PowerPoint live auch "Kamerainhalt.

Danach kommt eine Auswahl, was ich genau teilen will. Interessant finde ich hier nicht nur "Dokument" sondern auch Whiteboard und Video:

Die Vorauswahl wird in das nächste Bild übernommen aber kann hier auch wieder korrigiert werden.

Interessant sind hier natürlich mehrere Funktionen, die über Buttons oben rechts gesteuert werden können:

  • Sprecher überlagern
    Damit machen Sie den Sprecher quasi "Transparent". Wenn ich mich also vor einer Tafel hin und her bewege, dann merkt sich Teams die Informationen auf der Tafel und macht mich halb transparent. Wenn ich natürlich unsichtbar für die Kamera etwas schreibe, dann kann Sie nicht durch mit hindurch schauen. Aber ich bewege mich natürlich immer etwas. Das Prinzip funktioniert auch, wenn ich auf einem Papier etwas schreibe und meine Hand sich bewegt. Der Text ist dann weiter sichtbar.
  • Kanten einfassen
    Diese Funktion ist nützlich, wenn die Kamera nicht genau lotrecht auf dem Papier oder Whiteboard ist und daher eine Verzerrung abgebildet wird. Teams "findet" dann die Kanten und richtet das Bild entsprechend aus. Hier am Beispiel eines Whiteboard. Es ist schon erstaunlich, wie treffsicher Teams das Whiteboard hier findet, obwohl es mit Papier beklebt ist und die Ränder durch Halsbänder und Schilder verunstaltet sind

    Nachdem Teams dies erkannt hat, zoomt er passend an das Bild und richtet es aus. Ich habe dann noch auf dem Whiteboard ein "Test" geschrieben, was sie ebenfalls "durch" meine Hand sehen können.

    In der Einstellung "Whiteboard" wird das Bild natürlich auf "Zeichnung" optimiert. Die Detailtreue ist reduziert.
  • Drehen
    Die Funktion das Bild direkt in Teams in 90 Grad-Schritten zu drehen ermöglich es, die Breitband-Kameras auch um 90 Grad gedreht zu montieren und damit ein Flipchart besser zu erfassen. Wobei ich hier sehr vorsichtig seit würde, denn die meisten Betrachter haben nun mal einen Querformat-Monitor. Ein Hochformat-Bild wird verkleinert und hat an den Seiten entsprechend breite schwarze Bereiche.

Dennoch muss dann schon noch dafür sorgen, dass meine Kamera das Dokument auf dem Tisch oder das Whiteboard an der Wand auch gut erfassen kann. Insofern gelten die Hinweise zur Einrichtung mit dem Teams Room System auch für diese Desktop-Version.

Kamera

Und da kommen wir zur Achillesverse der Lösung, denn keine Software kann ein schlechtes Ausgangsbild verbessern. Das betrifft die Kamera-Qualität genauso wie die Beleuchtung und die Ausrichtung.

  • Auflösung / Zoom
    Je höher die Auflösung ist, desto besser kann die Kamera durch eine Ausschnittsvergrößerung noch passable Bilder liefern. Aber eine klassische Webcam hat schon einen sehr breiten Öffnungswinkel. Wenn Sie ein Whiteboards, Flipchart oder Tafel aufnehmen sollen, dann steht die Webcam ja doch eher ein paar Meter davon entfernt. Sie brauchen dazu auf jeden Fall das passende Stativ, damit nichts wackelt und ich empfehle einen optischen Zoom. Das kann eine HD-Kamera sein, die über einen HDMI-Grabber am USB-Ports erkannt wird oder Sie schauen sich mal nach besseren Digitalkameras um, die von Teams als Webcam erkannt werden.
  • Licht
    Eine zu dunkle Beleuchtung führt dazu, dass die Kamera die Blende aufmachen muss und darunter leidet die Tiefenschärfe. Bilder mit "Bokeh" sind bei Portrait-Fotografie schick aber hier Fehl am Platz. Sorgen Sie für eine helle, blendfreie und gleichmäßige Beleuchtung des Objekts
  • Fokus
    Einfache Webcams haben oft nur einen "FixFocus", der auf die Nähe abgestimmt ist aber auch mehrere Meter noch erstaunlich gut funktionieren kann. Wenn Sie nun einen Autofokus bevorzugen, dann kann das sogar die schlechtere Wahl sein, denn das Whiteboard hat einen festen Abstand aber der Sprecher davor ist ja näher an der Kamera. Hier ist es besser einen fest einstellbaren Fokus zu haben, d.h. entweder per Drehring ab Objektiv oder eine manuell auslösbare Fokussierung.
  • Spiegeln und Entzerren
    Teams versucht Kanten zu erkennen und entsprechend das Bild wieder "rechteckig" zu machen. Das funktioniert recht gut aber soll dennoch kein Freibrief sein, die Kamera komplett von der Seite auf das Objekt zu richten.

Generell gilt: Wenn das Rohmaterial schon schlecht ist, kann keine Software das Bild besser rechnen. Wenn Sie erreichen möchten, dass auch die Teams-Teilnehmer an der entfernten Stelle.

Einschätzung

Als ich das erste mal die Funktion der Teams Content Camera in einem Video gesehen habe, war ich schon elektrisiert ob der Möglichkeiten gerade im Schulbetrieb. Nun gibt es diese Möglichkeit und sie ist einfach einsetzbar. Allerdings nicht, ohne eine passende Kamera einzusetzen. Meine Versuche mit klassischen Webcams verschiedener Hersteller hat noch mit einem Whiteboard in der Nähe funktioniert aber da würde ich dann eher ein Monitor mit Digiziter (z.B. Lenovo M14t) oder ein Tablet verwenden und die Daten direkt digital erzeugen. Schulen haben ja auch entsprechende Smartboards oder Monitore mit Stift, die als Bildschirm mit Stifteingabe erkannt werden Mit einer passenden Digitalkamera samt Zoom-Objektiv und PC-Anbindung könnte ich mir aber gut vorstellen, dass so auch nicht digitale Flächen in ein Meeting eingebracht werden können.

Ein Sonderfall, der sicher eine interessante Lösung sein kann, ist eine Dokument-Kamera, die auf den Tische gerichtet und für die Aufnahme von Papier oder auch Objekten optimiert ist. Hier kann ich mir vorstellen, dass solche Dokumente mit einem statischen Fokus, heller Beleuchtung selbst als "analoges Zeichenbrett" funktionieren werden. Ein weiterer Anwendungsfall wäre die Präsentation von Objekten, die so ebenfalls aufgezeichnet werden können.

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