UserVoice

Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie sich Microsoft neu erfindet. Während meiner 30 Jahre IT-Erfahrung habe ich Novell wachsen und verschwinden gesehen, GroupWise und Notes dürften die nächsten sein aber irgendwie passt sich Microsoft neuen Anforderungen recht schnell an. Erst hält man ihnen vor, sie hätten das Internet verschlafen um dann zumindest mit dem Internet Explorer schnell den Wechsel von MSN zu starten. Der interessanteste Ansatz ist aus meiner Sicht die neue Offenheit.

Es geht um Kommunikation!

Als das MVP Programm in den 90er Jahren gestartet wurde, da habe ich einen Grund dabei gesehen, dass die Produkt-Teams, die in Redmond das Programm entwickeln ein direktes Feedback on der "Front" wünschen. Sie können sich sicher noch alle an die Zeiten erinnern, zu denen man als Anwender weder wusste, was dir da drüber machen noch einen Weg hatte, Probleme und Feedback zu übermitteln.

Sicher konnten die großen Firmen mit ihren Support-Verträgen und dedizierten Ansprechpartnern ihre Einschätzungen einfacher abkippen als der kleine Small Business Administrator. Aber deswegen war er nicht unwichtiger. Das dürfte damals auch Microsoft gemerkt haben und über das MVP-Programm hatten zumindest ein paar Hundert und später tausend Leute die Möglichkeit, direkt in Redmond oder andere Plattformen mit den Entwicklern ins Gespräch zu kommen. Das hat zumindest mir das Gefühl gegeben, auch etwas bewegen zu können und die anonyme

Aber auch MVPs stellen nur eine Teilmenge der Nutzerschar dar und so gibt es sicher weitere Menschen, die weder in einer großen Firma mit direktem Kontakt zu Microsoft arbeiten noch MVP sind. Auch deren Feedback und Mitarbeit wird geschätzt und Microsoft hat entsprechende Kanäle. Sie als Anwender und Administrator müssen diese nur auch wahrnehmen. Ich gebe ihnen gerne ein paar Beispiele aber letztlich hängt es von ihnen ab, diese auch zu nutzen.

UserVoice - Wünsche kanalisieren

Zuerst möchte ich eine Lanze für "UserVoice" brechen, da viele Menschen diese Plattform anscheinend gar nicht kennen. Unsere Welt ändert sich sehr schnell und auch eine Microsoft mit all den Entwicklern, Produkt-Planern etc. kann nicht alle Trends sofort erkennen. Vor allem sitzen Sie nicht neben dem Anwender und schauen ihm auf die Finger. Aber der Anwender ärgert sich immer wieder über bestimmte Dinge und hofft auf eine Lösung. UserVoice bringt diese beiden Gruppen zusammen, indem der Anwender seine Wünsche und Anforderungen kanalisiert an Microsoft melden kann und auch Vorschläge anderer Personen bewerten kann.

Microsoft auf der anderen Seite sieht, welche Probleme wie intensiv diskutiert oder gewünscht werden und kann diese dann die eigene Produktplanung mit aufnehmen. Das funktioniert natürlich um so besser, je mehr Personen mitmachen und die Wünsche auf einer breiten Basis beruhen. Nicht dass wenige Personen ihre Interessen durchsetzen.

Microsoft schaut sich diese Wünsche an und beobachtet natürlich auch, für welche Wünsche wie häufig abgestimmt wird. Die Anwender bekommen direkt ein Feedback da Microsoft einen Status anlegen kann. Sie können auch danach filtern. Hier mal eine Status von Teams vom 12. Nov 2018

Wie agil so einen Plattform ist, sehen Sie daran, dass 254 Vorschläge schon umgesetzt wurden und an 83 Funktionen gearbeitet wird. 8 werden gerade getestet und 121 betrachtet. Für 29 Einträge wird mehr Feedback angefordert und gerade mal 33 Dinge wurden mit Begründung abgelehnt.

Mittlerweile ist der Link sogar in der ein oder anderen Office-Anwendung angekommen. Wenn Sie in Outlook 365 z.B.: auf "Hilfe" gehen, dann gibt es dort prominent eine Funktion "Feature vorschlagen"

Der Klick auf diesen Link führt über eine Umleitungsseite https://go.microsoft.com/fwlink/?LinkId=691751 direkt auf auf https://outlook.uservoice.com/forums/322590-outlook-2016-for-windows 

Für immer mehr Produkte gibt es ein UserVoice, was Sie am Hostnamen sehr gut erkennen. Hier mal ein paar Beispiele. Selbst wenn Sie nicht selbst eigene Vorschläge mit einbringen wollen, können Sie ja bestehende Vorschläge anschauen und dafür mit abstimmen.

Vielleicht werfen Sie einfach mal die Suchmaschine ihrer Wahl an und suchen nach "UserVoice" und den Produktnamen ihrer Wahl. So einen direkten Rückkanal hat nicht jeder Hersteller. Bleibt nur die Frage, wann Microsoft auch UserVoice übernimmt.

Natürlich gibt es auch schon ein PowerBI Modul, mit dem eine Produktgruppe die Werte in UserVoice auswerten kann.

Feedback auf den Microsoft Webseiten

Auf fast allen Webseiten von Microsoft gibt es unten einen "Feedback-Bereich". Wenn Sie hier ein Feedback hinterlassen, dann landet das wohl tatsächlich beim Autor der Seite, der dieses Feedback dann auch einbinden kann. Ich schreibe auch immer meine Mailadresse dazu, und das ein oder andere Mal wurde ich sogar direkt angeschrieben, weil etwas unklar war.

Selbst die kleine Frage "Is this page helpful" unten rechts ist nur ein Klick entfernt und hilft Microsoft die schlechten Seiten bevorzugt zu verbessern.

Feedback in Microsoft Produkten

Immer mehr Programme enthalten selbst eine Feedback-Möglichkeit. Sie kennen dies sicher von länger von Windows selbst, welches bei einem Fehler diesen an Microsoft senden kann. Wenn ich das Feedback aus Redmond dazu richtig verstanden habe, dann schaut sich diese Traces niemand manuell an. Automatisierte Prozesse werten die Meldungen aus und identifizieren die Stelle im Code, an der was passiert ist. Die Information landet dann beim Entwickler als Hinweis. Da es natürlich mehr Fehler gibt, als Entwickler dieses lösen können, gilt hier das Mengenprinzip: Die Stelle, an der die meisten Fehler auftreten und daher die meisten zahlenden Anwender stören, werden priorisiert gelöst. Es lohnt sich also, wen Sie Fehler immer wieder melden.

Anders ist es bei Produkten wie dem Exchange Hybrid Configuration Wizard, welcher verschiedene Aktionen durchführt. Hier kann immer mal wieder etwas schief gehen. Mittlerweile ist der Fehler aber eher beim Kunden als bei Microsoft zu suchen. Oder drücken wir es anders aus: Der HCW war noch nicht auf den bei ihnen vorliegenden Sonderfall vorbereitet. Auch hier profitieren Sie und Microsoft, wenn Sie die Fehlerberichte zurück senden. Hier geht es sogar sehr viel schneller, wenn ich den Aussagen glauben darf. Die Einrichtung eines Exchange Hybrid Mode ist natürlich vordringliches Ziel von Microsoft, wenn Kunden in die Office 365 Cloud migrieren wollen. Daher landen diese Berichte sehr schnell bei den Verantwortlichen für den HCW und werden in den Code eingebaut. Es ist mir selbst schon mehrfach passiert, dass ich einen Fehler beim HCW hatte, der ohne Änderungen bei einem späteren Aufruf nicht mehr aufgetreten ist. Hier ist es wichtig, dass die den HCW den UpdateCheck beim Start auch wirklich durchführen lassen.

Editieren auf docs.microsoft.com

Noch ein Ort, an dem Sie als normaler Anwender mitwirken können, ist die Dokumentation auf https://docs.microsoft.com. Wenn Sie die Seiten genau anschauen, dann sollte ihnen oben rechts ein "Edit"-Button auffallen der genau das macht, was er beschreibt. Sie können damit diese Seite editieren.

Das geht natürlich nicht einfach so direkt im Browser. Microsoft verwaltet die komplette Dokumentation auf GITHUB und mit einem entsprechenden Konto können Sie kleinere Fehler direkt im MD-Editor von Github editieren. Wer größere Änderungen machen möchte, kann sich das Repository einfach Clonen und dann lokal den Inhalt bearbeiten.

Ihre Änderungen können Sie dann wieder zu Microsoft einstellen, so dass Microsoft diese einem Review unterziehen kann und ggfls. einfach übernimmt. Auch eine Dokumentation ist letztlich nicht anders zu behandeln als ein Sourcecode.

Feedback für Entwickler

Von meinen Entwicklern habe ich kurz nach der Erstveröffentlichung noch den Kommentar bekommen, dass ich den wichtigen Kommunikationskanal: GitHub vergessen habe

Gerade bei den Entwicklerthemen ist das wahrscheinlich der wichtigste Kanal. Feedback zu TypeScript, .NET (Core), C#, Visual Studio Code, PowerShell oder auch dem SharePoint Framework landet so direkt als Issue beim jeweiligen Projekt und wird entsprechend auch von den jeweiligen Entwicklern bearbeitet. Im Gegensatz zu den anderen Kanälen ist das dann auch transparent, da man genau sehen kann, wer welche Code-Änderung durchführt und diese dann in der Regel auch beim Issue vermerkt werden.

Auch das oben angesprochene „Feedback auf den Microsoft Webseiten“ ist am Ende nur ein Issue in GitHub, da es ja Verbesserungsvorschläge für die Doku sind.

Bei Windows gibt es zusätzlich noch den Feedback-Hub, den man auch als Nicht-Insider benutzen kann. Seit dem Debakel um das letzte Windows Update ist aber zumindest deutlich geworden, dass sich die Bug-Reports darin niemand wirklich genau anguckt…

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