Polycom CX500/600 -Telefone

Sicher ist ihnen nicht entgangen, dass die "Telefonie-Story" von OCS lange nicht so erfolgreich war, wie sich das der ein oder andere vorgestellt hat. Natürlich kann ein Telefon nicht den kompletten Funktionsumfang von OCS/Lync ausschöpfen, d.h. Desktop-Sharing und Dateitransfer macht keinen Sinn und auch Videokonferenzen sind nicht so einfach aber telefonieren kann schon deutlich besser werden-. Mit Lync hat Microsoft daher einige Hersteller um sich geschart, die Lync-kompatible Telefone zu akzeptablen Preisen anbieten. Einer davon ist Polycom, die schon länger in dem Bereich tätig sind. Und dank eines freundlichen Kunden durfte ich heute schon (Oktober 2010) die komplette Produktserie von Polycom genauer unter die Lupe nehmen. So sieht Weihnachten im Herbst aus: 

Ok, es sind alles nur Leihstellungen und Beta-Geräte aber einen ersten Eindruck konnte ich mir nun auch selbst verschaffen. Sie sehen, dass es sich dabei um die drei Polycom-Geräte handelt:

  • Polycom CX 500
    Das mittlere "einfache" Telefon, welches von Microsoft auch als "Common Area Phone" benannt wird. für einen günstigen Preis erhält man ein vollwertiges Telefon
  • Polycom CX 600
    Etwas leistungsfähiger ist das Telefon schon allein durch die getrennte Headset-Taste
  • Polycom CX 3000
    Diese "Konferenzspinne" ist natürlich das Sahnehäubchen der Polycom-Telefone und wird man später eher in Konferenzräumen sehen

Alle Telefone haben gemeinsam, dass Sie direkt an das Ethernet angeschlossen werden, d.h. keine Verbindung zum PC benötigen wie frühere "Speakerphones", die eher ein USB-Soundgerät mit Tastenfernsteuerung denn ein eigenständiges Telefon waren.

Anschluss und Konfiguration

Wie mit Telefonen nicht anders zu erwarten, ist Auspacken und Anschließen auch ohne Handbuch möglich. Wer ein Switch mit "Power over Ethernet" hat, muss sogar nur das LAN-Kabel und den Hörer einstecken. IP-Adresse bekommt das Telefon bei den meisten Firmen sicher per DHCP und die entsprechenden DNS-Einträge mit der per DHCP erhaltenen DNS-Domain helfen dem Telefon, den Lync-Server zu finden. Das Startlogo verweist noch auf den alten Namen "Communicator 2010 Phone Edition", aber ich denke das wird bis zum RTM durch ein Updatepaket sicher noch korrigiert. Es handelt sich auch um Beta-Geräte.

Das höherwertige CX600 hat auf der Rückseite nicht nur einen LAN-Anschluss und die USB-Verbindung zum Desktop sondern auch einen Port für den Anschluss eines und ein RG11-Buchse für ein Headset. Über eine 24Volt-Buchse kann das mitgelieferte Netzteil angeschlossen werden, wenn der Switch z.B.: kein Power over Ethernet (PoE) bereit stellt.

PC-Kopplung mit USB

Leider hat Microsoft keinen Weg vorgesehen, dass ein IP-Telefon mit dem Lync Client über das LAN oder den Lync-Server kommuniziert. Die Verbindung wird per USB-Kabel hergestellt. Das kann auch von Vorteil sein, da damit klar ist, welches Telefon "neben" dem PC steht und der Anwender so nicht sein Telefon "zuhause" unbeabsichtigt steuert. Die Installation der Treiber erfolgt ohne weitere Datenträger. Durch die Verbindung ändert sich aber auch die Anmeldung.

Ich muss mich dann nicht mehr explizit am Telefon per Extension und PIN anmelden, sondern der Lync Client steuert das für mich. Ein Klick auf "OK" meldet das Telefon ab und fragt mich nach dem Kennwort, um dies dann dem Telefon zu übergeben. Ab dem Moment kann ich mit dem PC aber problemlos das Telefon steuern, das Telefon zeigt mir meine nächsten Termine im Display an und über die Einstellungen kann ich steuern, wo es klingeln soll.

An dem Bild sehen Sie auch, dass mit der USB-Kopplung das Telefon eher in Richtung Polycom CX300 tendiert und eher als Speakerphone (Also Hörer, Display und und Tastatur) fungiert. Das stimmt aber nicht ganz, denn ohne Netzwerklink funktioniert es nicht.

CX3000

Ein ganz anderes Kaliber ist natürlich die CX3000 Konferenzspinne, die natürlich kein Telefon im klassischen Sinne ist. Natürlich kann man diese auch per USB mit einem PC koppeln, aber ich habe sie einfach mitten auf den Konferenzraum gestellt und einen eigenen Benutzer dazu angelegt. Genau wie der Konferenzraum heute schon ein Exchange "Raum-Postfach" hat, damit eine Terminplanung damit einfach möglich wird, nutzt das Telefon auch dieses Konto.

Die Bedienung geht sehr flott von der Hand und hier kommt die Funktion der Anmeldung per PIN natürlich voll zum Tragen. Wer es mag, kann das Besprechungsraumkonto auch einfach abmelden und sich mit seiner Extension anmelden.

CX7000

Im November 2011 soll das CX7000 eine weitere "bessere Konferenzerfahrung" mit bringen. Auf den ersten Blick sieht es wie ein PC aus und auch die Beschreibung deutet darauf hin, das dort ein Lync Client startet:

Enhance productivity by engaging in rich collaboration by easily sharing high quality content through the familiar Lync interface
Quelle: http://www.polycom.com/products/voice/conferencing_solutions/microsoft_optimized_conferencing/cx7000.html

Allerdings ist nirgendwo ein Windows Logo o.ä. zu sehen. Interessant kann natürlich das "drum herum" sein. So ist eine Kamera mit Servo abgebildet, die sicher höherwertig ist

Erster Eindruck

Über Design kann man streiten, weswegen ich damit gar nicht erst anfangen möchte. Aber ich finde die Hardware schon deutlich gelungener als das bekannte klotzige Tanjay, das Display kann bezüglich Helligkeit und Lesbarkeit voll überzeugen und die Soundqualität (HD Audio) ist natürlich beeindruckend. Da Software und "Innenleben" sowieso von Microsoft vorgegeben wird und auch Update von Microsoft kommen, ist eine gewisse Verwandtschaft zum Aasta 6721p/6725p nicht zu übersehen. Um so mehr können Sie ihre Entscheidung daher an der äußeren Form, der Haptik und dem Preis fest machen.

Das aktuelle Paket enthält das Telefon, Netzteil, Hörer zum Zusammenstecken aber mein Beta-Paket enthielt z.B. keine kleine Kurzanleitung. Die gibt es aber sehr wohl als Download. Da gerade in der Anfangszeit viele Administratoren vielleicht nicht genau die Lync-Dokumentation (und die MSXFAQ) lesen, wäre eine kurze Checkliste zur Installation ratsam.

Ich selbst werde vermutlich überhaupt kein Tisch-Telefon nutzen, da ich schon lange "Software only" mit einem passenden Headset telefoniere und der "Griff zum Hörer" schon lange der Vergangenheit angehört-. Aber ich sehe schon einen Bedarf für Telefone an den verschiedenen Plätzen und da ist die Welt mit Polycom (und Wettbewerbern) doch deutlich freundlicher. Es gibt nun endlich Telefone, auch wenn das der Philosophie von "Unified Communication" nicht ganz entspricht. Anscheinend sind viele Kunden aber noch nicht soweit den ganzen Schritt zu tun.

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