BToE - Better together over Ethernet

Unter dem Stichwort "Better Together over Ethernet" wurden im Juni 2013 einige Pressemeldungen veröffentlicht, die eine engere Anbindung von Lync-Telefonen zum PC erlauben. Diese Seite möchte die Zusammenhänge etwas näher beleuchten:

Worum geht es ?

Wer bislang ein Telefon auf dem Tischen haben wollte, konnten aus drei Varianten wählen:

  • Losgelöstes Lync Telefon oder Anlagentelefon
    Sie konnten einfach ein Telefon ihrer bestehenden Anlage weiter nutzen oder eines der günstigen SIP-Telefone einsetzen, die sich auch an Lync anmelden können. Eine Kopplung mit dem PC und entsprechende Integrationsfunktionen sind hier nicht vorhanden.
  • Anlagentelefon mit RCC
    Wer weiter auf die klassische TK-Technik setzt, kann über die Funktion RemoteCallControl bzw. RCC mit Lync eine serverseitige Kopplung erreichen. Ein Anruf auf das Anlagentelefon wird auch dem Lync Client mitgeteilt und der Anwender kann am PC auch annehmen. Auch eine Anwahl vom PC per Outlook wird über den RCC-Service an die TK-Anlage gemeldet, die dann den Anruf ans Anlagentelefon durchstellt: Das ist aber alles andere als einfach, günstig und integriert.
  • Lync Telefon mit USB
    Schon länger gibt es mit den Telefonen Polycom CX600, Aastra 6525ip, HP 4120 drei Vertreter der Lync-Telefone, die auch per USB mit dem PC verbunden werden können, So erfolgt ein Kopplung am Desktop und eine sehr gute Integration zwischen Lync Client und Telefon. Aber die Geräteauswahl ist entsprechend beschränkt.

Diese "Lösungen" sind natürlich nicht mehr ausreichend und die ursprüngliche Erwartung, dass alle Personen zukünftig nur noch mit Headset und PC telefonieren, lässt zwar auf vielen aber nicht allen Arbeitsplätzen umsetzen. Neue Lösungen werden nachgefragt.

Erwünschte Funktion

Sicher können Sie auf dem Telefon auch eine "Nummer" wählen, wie das bei einem Telefon üblich ist, aber in Verbindung mit Lync und einem PC sind mehr Funktionen möglich.

  • Click to Dial
    Sie klicken auf dem PC auf eine Rufnummer oder einen Kontakteintrag und Lync sagt dem Telefon, dass es die hinterlegte Nummer oder SIP-Adresse wählen soll. Sie sparen sich also die Übernahme durch manuelle Eingabe der Rufnummer.
  • Call Transfer
    Viele Anwender können die Funktion ein Gespräch am Telefon zu einem anderen Teilnehmer weiter zu vermitteln. Am Telefon müssen Sie dazu aber die Nummer des anderen Gesprächspartners eingeben und oft wissen Sie gar nicht, ob dieser Verfügbar ist. Mit "Call Transfer" können Sie auf ihrem PC den Ruf verwalten und das Gespräch vermitteln. Sie sehen dank Lync natürlich vorher schon, ob das Ziel verfügbar ist.
  • Ad hoc Conferencing
    Für viele Anwender ist das Telefon das primäre Audiogerät. Zwar haben die meisten Anwender im PC oft auch eine Soundkarte aber dies ist nur zweite Wahl. Auch ein Headset hilft nur bedingt, wenn mehrere Personen im Raum der Konferenz beiwohnen sollen. Die Freisprechfunktion moderner Telefone sind sehr leistungsfähig. Über den Link kann auch bei einer Konferenz der Audioteil über das Telefon bedient werden. Sie sparen Sie die ansonsten erforderliche Einwahl in die Telefonkonferenz mit PIN und Namen.
  • Call Handover
    Wer am Telefon "spricht" kann in der Regel viele andere Funktionen nicht nutzen, z.B. Instant Messaging, PowerPoint anzeigen oder zum Teil nicht an einer Videokonferenz teilnehmen. In so einem Fall wäre es wünschenswert, wenn der Anwender sehr einfach das Gespräch doch wieder zum PC zurück geben könnte. Wobei sich die Nutzung eines "Telefons" neben einem PC mit Headset irgendwie suspekt erscheint.

Die ein oder andere Funktion erscheint vielleicht nicht jedem wichtig aber wenn sie ein Tischtelefon nutzen, werden Sie diese Funktionen schätzen lernen. Oft ist es ja so, dass eine frühere Telefonanlage samt passendem anlagenspezifischen Softclient einen Teil der Funktionen bereit gestellt hat. Dann sollte eine auf Lync basierende Lösung nicht zurückstehen.

Der Link zwischen PC und Telefon

Eine serverseitige Lösung, wie Sie durch RCC bereit gestellt ist, hat das Problem, dass die entsprechende Software und Anpassungen im Backend aufwändig und teuer sind, zudem die TK-Technik manifestieren und natürlich zur Zuordnung zwischen Telefon und PC erforderlich ist. Wenn wir schon Lync auch für "Telefonie" einsetzen wollen, dann ist es betriebswirtschaftlich sinnvoller, auch entsprechende Telefone zu nutzen, die sich direkt an Lync anmelden können. Davon gibt es ja durchaus eine stattliche Auswahl, insbesondere SNOM und Polycom, die allesamt nicht nur per Ethernet mit Lync sprechen sondern in den meisten Fällen sogar eine PC-Buchse haben, d.h. der PC kann hinter das Telefon angeschlossen werden.

Bei "Better-Together" geht um den „Ersatz“ des USB-Kabels, welches bislang CX600, Aastra 6525ip, HP 4120 mit dem PC verbunden hat. Über die Verbindung vom PC zum Telefon gibt es eine direkte 1:1 Verbindung, die zudem "sicher" ist.

Warum sollte also diese Verbindung nicht der geeignete Übertragungsweg einer Kopplung zwischen PC und Telefon sein? Es gibt keine weiteren Kabel, man spart Netzwerkports und selbst Notebooks werden am Arbeitsplatz gerne per Kabel ins Netzwerk angebunden.

Für die Bettter-Together Funktion ist es nicht zwingend, dass der PC "hinter" dem Telefon hängt. Es ist durchaus möglich, dass die beiden Partner sich auch über LAN unterhalten. Es ist nur eine Frage, wie das Peering hergestellt wird.

Sonderfall Terminal Dienste

Ein weiteres Einsatzszenario sind Thin Client Umgebungen oder VDI-Umgebungen, bei denen der Anwender auf einem Thin Client seine Programm nutzt, die aber letztlich auf einem zentralen Server bereit gestellt werden. Die Bereitstellung kann über das klassische TerminalServer-Prinzip erfolgen (RDP/ICA) oder als virtuelle PCs (VDI), bei der jeder Benutzer seine eigene VM hat. Nicht alle Clients sind leistungsfähig genug, um mit dem VDI-Plugin die Audio und Video-Daten vorbei direkt anzuzeigen.

Es ist mit bestimmten Produkten zwar möglich, z.B. ein Headset am Thin Client virtuell an den USB-Anschluss des der jeweiligen Sitzung auf dem Server zu verbinden, aber dann wird ein RTP-Datenstrom wieder in TCP-gesicherte RDP/ICA-Daten gepackt, was ungünstig ist. Schwerwiegender ist aber die zusätzliche Last auf dem Server, der die RTP-Daten aus dem LAN aufnehmen, verpacken und versenden muss. Wenn viele Anwender auf dem gleichen Server dies machen, nimmt die Qualität sicher ab. Aber Thin Clients werden oft auch gerade für schwach angebundene Niederlassungen genutzt. Wenn dann zwei Mitarbeiter in der Niederlassung telefonieren oder eine SBA in der Niederlassung steht, dann bleiben die Audio-Daten gerade nicht lokal.

Mit der Better-Together-Lösung und einem entsprechenden verbundenen Telefon werden diese Probleme umgangen. Das Telefon ist ein vollwertiges Audioendgerät und RTP geht dann immer den optimalen Weg mit minimaler Bandbreite, da nichts doppelt eingepackt wird.

Technische Funktion

Der Lync Client konnte schon länger von Hause aus mit bestimmten Lync-Telefonen per USB kommunizieren. Anscheinend wird genau die Schnittstelle nun erweitert, damit Telefonhersteller einen passenden Treiber für sein Telefon mitliefern kann, welcher dem Lync Client ein USB-Telefon vorgaukelt. Der Treiber sorgt dann natürlich dafür, dass die Daten über das Ethernet gesendet werden. Das Telefone empfängt die Daten vom PC-Port und leitet sie nun nicht zum Haus-LAN weiter, sondern verwertet die Daten selbst. Auch der Rückweg ist entsprechend einfach. Das Telefon sendet die entsprechenden Daten einfach über das LAN zum PC. Ein explizites Pairing oder Kennworte sind nicht erforderlich. Die erforderliche direkte Kabelverbindung ist die Garantie dass nur das "nahestehende" Telefon gesteuert wird. Auch Anmeldedaten von Lync o.ä. kommen nie weiter als bis zum Telefon.

Angeblich baut der USB-Treiber auf dem VDI-Plug-In auf und spricht das "Third Party Plug-In Protocol  TPCP". Leider scheint der Zugang zu diesen Informationen aber nicht öffentlich zu sein sondern ist den Herstellen vorbehalten, die mit Microsoft eine entsprechende Partnerschaft pflegen.

Kompatible Telefone ?

Die Anzahl der Telefone ist aktuell noch überschaubar aber es könnten sehr schnell mehr werden, wenn immer mehr Hersteller VoIP-Telefone herstellen, die sich an Lync anmelden können und einen PC-Link für einen Computer bereit halten.

Telefon Links  

Polycom

Seit der UC-Version 5.x kann BToE mit den Polycom-Telefonen genutzt werden. Ich habe es nur mit dem VVX500 getestet aber die Funktion sollte mit jedem Telefon möglich sein, welches auf der UC-Firmware basiert.

Tech Tip: Polycom VVX How to Enable BToE
www.youtube.com/watch?v=cWZDcCxvc2A

 

Audiocodes

Die Audiocodes-Telefone haben ebenfalls eine BToE-Funktion. Hier muss auf dem Telefon ein Code ausgelesen und im Windows Client eingegeben werden, damit die Partnerschaft aufgebaut wird. Der Code enthält anscheinend die IP-Adresse des Telefons. Die Partnerschaft funktioniert auch, wenn Client und Telefon nicht im gleichen Subnetz sind.

 

YeaLink

Funktion ist vorhanden. Test steht noch aus

  • BTOE YeaLink

 

Snom 821
Snom 7xx

Aktuell führt Microsoft die Snom-Telefone (außer die Aries-basierten Telefone) nicht mehr auf der Kompatibilitätsliste. Bis Sommer 2015 standen Sie noch auf der Liste und es gab auch einen BToE-Treiber.

Preview Enhanced better together over Ethernet with Snom phones
http://www.youtube.com/watch?v=UUSB5aE089A
Snom UC Edition Enhanced Better Together Demo
http://www.youtube.com/watch?v=8SbWtMGADL0

 

Aktuell kenne ich keine weiteren Telefone, die sich an Lync/Skype für Business anmelden können und mit einem PC einen Link über Ethernet betreiben können.

Funktionen und Features

Ich habe mir eine kleine Checkliste für die verschiedenen Funktionen von BToE erstellt, die ich bei den verschiedenen Telefonen gerne mal wieder überprüfe. Was genau geht, ist natürlich von der Firmware des Telefons und der PC-Software abhängig, die permanent weiter entwickelt wird.

Diese Tabelle finden Sie auch auf den Seiten der BToE-Telefone wieder.

Feature Status

Pflicht: Anmelden am Telefon über PC

Diese Funktion ist außerordentlich wichtig, denn wenn der Anwendern am Telefon per "Extension/PIN" anmeldet, funktioniert die Integration in Exchange nicht. Die Eingabe von AD Anmeldedaten auf einer 10er-Tastatur macht keinen Spaß.

 

Pflicht: Telefon-Handset/Freisprechfunktion für PC Client

Wer nur das Telefon am Tisch hat und daher auf Headset o.ä. verzichtet, "telefoniert" natürlich über das Telefon. Das verbietet aber nicht, dass der Anwender dennoch mit dem Communicator auf dem PC arbeitet, um auch noch Video, Powerpoint, Desktop-Sharing etc zu nutzen. In dem Fall muss das Telefon quasi als verlängertes Audio-Device fungieren.

 

Frage: Partnerschaft aufbauen

Wie finden sich Telefon und PC, wenn im gleichen LAN mehrere Telefone aktiv sind?. Einige Telefone erwarten, dass "ihr PC" auch am PC-Port des Telefons angeschlossen sind. Andere fordern den Anwender auf, einen Code auf dem PC einzugeben, welcher den Weg zum Telefon weist. Die Lösung muss einfach, verständlich und für den Einsatzzweck passend sein.

 

Kür: Wechselnde Benutzer/Abmelden bei PC-Abmelden

Gerade mit Wechselarbeitsplätzen und Docking Units sollte das Telefone sich automatisch abmelden, wenn der "Peering"-Partner einige Zeit nicht mehr erreichbar ist. Zumindest sollte diese Funktion einstellbar sein.

 

Kür: Handover

Der Windows Client kann sehr gut zwischen verschiedenen Headsets wechseln. Wenn das per BToE angebundene Telefone auch "nur" ein Headset ist, dann sollte man auch hier hin und her wechseln können. Interessant wird es, wenn die Verbindung am Telefone unabhängig vom PC angenommen oder aufgebaut wurde und dann das Gespräch zum PC umgezogen werden soll um die bessere Konferenzfunktion nutzen zu können.

 

Kür: PC PassThrough mit VLAN und 802.1x

Eigentlich alle Telefone haben neben dem Anschluss zum Netzwerk auch einen PC-Port, so dass ein Client "hinter dem Telefon" angeschlossen werden kann. Das spart Patchkabel, Switch-Ports aber stellt neue Herausforderungen an Netzwerke, die den Zugang z.B. per 802.1x regeln oder mit getrennten VLANs für Clients und Telefonen arbeiten. Der Link zum Telefon muss dann quasi "Tagged" sein und das Telefon seine Daten als auch die vom PC entsprechend "Untaggen".

 

Kür: Thin Client / Terminal Services

Oft kommen Telefone dort zum Einsatz, wo gar keine vollwertigen Computer stehen. Gemeint ist damit der Betrieb mittels TerminalServer, Citrix, Desktop Virtualisierung. In allen Fällen ist die ausführende Instanz in einem zentralen Rechenzentrum und zwischen Desktop-Client und Server werden nur Bildschirminhalte, Maus und Tastatur-Events übertragen. Hier stellt sich die Frage, wie die Software auf dem gemeinsamen Server sich mit dem Telefon "draußen" auf dem Arbeitsplatz verbinden kann.

Die Frage ist auch interessant, wenn PC und Telefon zwar am gleichen Ort aber in unterschiedlichen VLANs sind.

 

Kür: Buddylist-Synchronisierung

Die meisten Telefone haben Kurztasten für die schnelle Anwahl von bestimmten Zielen. Interessant ist es, wenn z.B. die Favoriten aus dem PC Communicator auch mit den Kurztasten synchronisiert werden. Wenn die Telefon-Tasten sogar eine Beschriftung (z.B. Audiocodes 440HD) haben oder im Display als Softkey erscheinen (Polycom VVX500), könnte auch der aktuelle Status abgebildet werden.

 

Kür: Boss/Admin- Support (Chef/Sek)

Gerade die Kombination von Vorzimmer und Führungskraft erwartet eine enge Integration. Wenn der Boss sein Vorzimmer als "Delegate" einrichtet, dann sollte das Telefon auch damit funktionieren, Anrufe zum Boss anders anzeigen, ein Vermitteln erlauben u.v.m. Siehe dazu auch ChefSek und Vermitteln.

 

Sicher fallen ihnen noch die ein oder anderen Punkte ein, die sie mit der Funktion BToE testen wollen.

Weitere Links

Better Together over Ethernet Lync user Group Colorado
https://skydrive.live.com/?cid=5c11935a4b9961bf&id=5C11935A4B9961BF%21109&authkey=!AIYJGKxeuLnJ59Y#cid=5C11935A4B9961BF&id=5C11935A4B9961BF%21110&authkey=%21AIYJGKxeuLnJ59Y