UMTS und andere Datenwege

Natürlich muss jeder PDA eine Verbindung "zum Internet" aufbauen. Und sinnvoll ist dies nur mit paketvermittelnden Netzwerken, wie GPRS und UMTS diese darstellen. Konnte man in den Anfangszeiten der Mobilkommunikation gerade mal per GSM eine "analoge" Modemverbindung mit bis zu 9600 bit/s herstellen, so wurde schnell klar, dass "Daten über Sprachkanäle" nicht langfristig zum Erfolg führen kann. Sprachkanäle kosten auch Bandbreite, wenn eigentlich nichts übertragen wird. Der erste Schritt war dabei dann GPRS, welche nur dann gesendet hat, wenn auch Daten zu übertragen waren. Als kleiner Nebeneffekt war die Bandbreite nicht auf 9600 bit/s beschränkt, sondern Teilnehmer einer Funkzelle haben sich die Bandbreite geteilt. So konnte man auch schon mal mehr erreichen. Auch für die Abrechnung wurde nun nicht mehr nach einem Zeittakt sondern nach Volumen abgerechnet. Siehe auch GPRS-Kosten

ByteMobile und DHCP
Mehrere Anwender (auch ich) mit einer UMTS-Karte und dem T-Mobile Wen n' Walk Manager 3.0 haben Probleme mit der Netzwerkkommunikation über WiFi und Kabel. Mit der UMTS-Software kommt ein Dienst "Byte Mobile" hinzu, welcher angeblich die Kommunikation durch "Kompression" optimiert. Allerdings bekomme ich z.B. dann keine DHCP-Adresse mehr beim Einsatz von WiFi oder der Ethernet-Karte. Im Programmverzeichnis befindet sich ein Byte Mobile uninstaller, der nur diese Komponente entfernt. Beim nächsten Start des Kommunikationszentrums kommt dann eine Warnung, die man einmal bestätigt. Ich verzichte gerne auf die Kompression per UMTS, wenn ich ansonsten wieder arbeiten kann. Vielleicht ist das Problem mit der nächsten Version ja gelöst.

UMTS und Proxy
Sehr viele Anbieter tragen einen Access Point ein (T-mobile: "internet.t-mobile") der aber eine HTTP-Proxy ist und die übertragenen Daten optimiert. (Vermutlich nicht bei SSL-Verbindungen). Ein Wechsel auf einen anderen AP (T-Mobile: "ca.t-mobile") umgeht den Proxy.

Alles Einsparungen, die aber die hiesigen Provider nicht davon abgehalten hat, aus meiner Sicht exorbitant hohe Gebühren zu verlangen und selbst heute (Ende 2007) Die Preismodelle alles andere als kundenfreundlich sind. Es ist schon klar erkennbar, dass alle Anbieter ihre Kunden zu "hohen Grundgebühren" drängen wollen. Wie sonst sind Preis von 19cent/10kByte zu erklären. Auf die einzelnen Cents kommt es bei der Grundgebühr auch gar nicht an. Kritisch ist der "Overtraffic".

Performance, Durchsatz und Laufzeit

Wenn Sie mobile Dienste nutzen, dann lassen Sie sich bitte nicht von Durchsatzwerten im Bereich von Megabit täuschen. Auch die mit den aktuellsten Karten erreichbaren 3,6 Megabit sind nur im optimalsten Fall zu erreichen, da die Bandbreite eben pro Funkzelle beschränkt ist. So kann es passieren, dass Sie "auf dem flachen Land" sogar bessere Werte erreichen, als in der Großstadt, wo viele Consultants schon deswegen eine UMTS-Karte im Notebook haben, weil Sie sich nicht immer ans Kundennetzwerk anschließen dürfen.

Aber selbst wenn der "Durchsatz" zu stimmen scheint, hängt es immer vom verwendeten Protokoll ab. Wenn Sie z.B. Outlook per RPC/HTTP replizieren, dann ist der Durchsatz nicht wirklich wichtig, da ja eh nach Volumen abgerechnet wird und Mails dann eben etwas länger dauern. Mehr als ISDN (64kbit) ist eigentlich immer drin.

Wenn Sie im Internet nach Informationen suchen, dann ist die mobile Übertragung natürlich immer noch langsamer als ein durchschnittlicher DSL-Anschluss. Das macht sich schon bemerkbar. Man lernt dann Seiten schätzen, die "dünn" sind, also nicht mit massenhaft Flash oder gar Hintergrundmusik o.ä. aufwarten. Umso nerviger sind natürlich Seiten, die viel Werbung oder Popups mitbringen. Letztlich ist das alles ihr Datenvolumen.

Zar versuchen Firmen wie T-Mobile mit ihrem "Speedmanager" die Performance zu verbessern. (Dabei wird der HTTP-Verkehr über einen Proxy geleitet, der Bilder komprimiert, was sogar ganz nett funktioniert) Allerdings wird Flash und Werbung davon nicht wirklich reduziert und bei Nutzung von SSL sieht der Proxy natürlich auch erst mal nichts.

Ganz bitter ist die UMTS-Erfahrung, um mal beim deutschen Pendant von "Experience" zu bleiben, wenn man per VPN oder RDP arbeiten will bzw. muss. Hier sind zwei Dinge wichtig:

  • Stabilität
    Viele VPNs können bei einem Verbindungsverlust nicht alleine die Verbindung wieder aufbauen. Besonders wenn man mit starker Authentifizierung (Tokens etc.) arbeitet. Leider passiert es doch besonders an den UMTS-Randbereichen häufiger, dass die Verbindung abbricht und die Funkkarte auf GPRS zurück schaltet. Das geht teilweise schon soweit, dass ich lieber mit etwas langsameren aber beständigem GPRS arbeite als per UMTS mich mit Abbrüchen abmühe
  • Roundtrip-Zeit
    Neben der Übertragungskapazität wird oft vergessen, dass die Roundtripzeit speziell für interaktive Daten sehr wichtig ist. Wenn ein Mausklick in einer RDP-Sitzung erst nach 0,5 Sek auch visuell gemeldet wird, dann ist das Arbeiten schon sehr zäh. Das gilt um so mehr, wenn die Pakete vielleicht unterschiedliche Wege nehmen

Am Beispiel einer UMTS/GPRS-Verbindung über T-Mobile in Erlangen (Nein ich bin nicht bei Siemens) bin ich schon erst einmal erschrocken, dass die Daten anscheinend erst am 12ten  Hop den Weg in das klassische Internet finden.

C:\>tracert www.netatwork.de

Routenverfolgung zu www.netatwork.de [80.66.20.19]  über maximal 30 Abschnitte:

  1   172 ms   160 ms   179 ms  172.28.20.1
  2   171 ms   163 ms   161 ms  172.28.8.5
  3   170 ms   213 ms   161 ms  10.111.28.71
  4   194 ms   184 ms   197 ms  10.111.28.80
  5   193 ms   183 ms   198 ms  192.168.2.1
  6   197 ms   215 ms   176 ms  10.111.28.65
  7   213 ms   177 ms   160 ms  10.111.28.9
  8   170 ms   180 ms   179 ms  10.111.28.165
  9   176 ms   180 ms   177 ms  172.28.4.161
 10   165 ms   160 ms   180 ms  172.28.218.1
 11   172 ms   161 ms   163 ms  217.6.49.1
 12   239 ms   158 ms   161 ms  f-ea5.F.DE.net.DTAG.DE [62.154.16.165]
 13   196 ms   163 ms   198 ms  core2.fra.qsc.de [212.202.214.221]
 14   185 ms   179 ms     *     core2.dus.qsc.de [213.148.134.126]
 15   178 ms   240 ms   176 ms  core1.osn.qsc.de [87.234.10.98]
 16   192 ms   195 ms   188 ms  port-87-234-10-173.dynamic.qsc.de [87.234.10.173]
 17   195 ms   180 ms   179 ms  ipctgw-eggenet.pad.qsc.de [213.148.131.62]
 18     *        *        *     Zeitüberschreitung der Anforderung.

Mache ich dann vergleichsweise mal einen PING mit 512 Byte Paketen, dann ist auch hier zu sehen, dass die Laufzeit schon relativ hoch ist.

C:\>ping 213.148.131.62 -l 512

Ping wird ausgeführt für 213.148.131.62 mit 512 Bytes Daten:

Antwort von 213.148.131.62: Bytes=512 Zeit=973ms TTL=49
Antwort von 213.148.131.62: Bytes=512 Zeit=392ms TTL=49
Antwort von 213.148.131.62: Bytes=512 Zeit=307ms TTL=49
Antwort von 213.148.131.62: Bytes=512 Zeit=307ms TTL=49

Ping-Statistik für 213.148.131.62:
    Pakete: Gesendet = 4, Empfangen = 4, Verloren = 0 (0% Verlust),
Ca. Zeitangaben in Millisek.:

Ich habe über so eine Verbindung versucht, einen virtuellen Server in den uSA (Microsoft eLearning) zu bedienen und habe letztlich beschlossen, diese Übung dann doch lieber mit meiner lokalen VM bzw. am Wochenende über DSL zu machen.

Statistik

Ob die Werte alle stimmen, die mir der T-Mobile web n' walk Manager anzeigt, kann ich nicht wirklich prüfen. Aber auch mal 160 Megabyte an einem Tag sind durchaus problemlos möglich. Die Tage ohne Aktivität sind ein deutliches Anzeigen für einen lokalen Internetzugang bei Kunden oder per DSL zu hause. Aber die Tage mit Ausschalt sind Kundentermine ohne Internet. Und da können Sie davon ausgehen, dass ich von morgens bis abends "online" bin und mein Outlook permanent im Cached Mode läuft und ich nebenbei noch im Internet recherchiere.

Und das zeigt dann doch wieder einmal, dass so viel Daten gar nicht übertragen werden. Auch ein Outlook auf einem Notebook kann mit 20.50 Megabyte/Tag durchaus hinkommen, so dass mit etwas Vorsicht auch ein 400/500 Megabyte Angebot eines Providers ausreichen könnte. Es zeigt auch, dass die 5 GB oder gar "Flat", die einige Provider anbieten, von den meisten Personen vermutlich nie ausgeschöpft werden. Leider veröffentlicht keiner der Anbieter aus verständlichen Gründen keine Statistiken.

Das linke Bild seit eine normale GPRS-Sitzung mit einem Download, der natürlich mehrere Streams nutzt und ein Wiederaufsetzen und ein Drosseln erlaubt (z.B. Free Download Manager http://www.freedownloadmanager.org).

Man kann allerdings auch über die Stränge schlagen. An einem Tag will mir die T-Mobile Software sagen, dass ich fast 10 GB in 9 Stunden übertragen haben soll.

UMTS 9GB

Besonders die 4 GB "versenden" in der Zeit von 9 Stunden würden 123KByte/Sek oder 1,2 MBit upstream. Das kann nur ein Anzeigefehler sein. Selbst der Download ist zwar theoretisch denkbar aber doch eher unwahrscheinlich. Zumal ich genau weiß, was ich an dem Tag gemacht habe.

Zwischenstand

Lästern ist leicht, aber seit dem ich meine UMTS-karte mit einem T-Mobile 5 GB Tarif habe, arbeitet man doch etwas anders. Da man problemlos "überall" online sein kann, muss man nicht mehr in Hotels nach WiFi Accesspoints (sie ebenfalls sehr teuer sind) suchen. Auch bei Kunden ist man nicht auf ein herumliegendes Netzwerkkabel angewiesen.

Aufgrund der Kostenstruktur kann ich auch problemlos größere Datenmengen übertragen und herunterladen. Allerdings sollten sie immer mit Abbrüchen rechnen, so das Downloadhelfer oder fehlertolerante Verfahren angebracht sind. Das gilt aktuell auch beim stationären Betrieb. Es muss also nicht immer der ICE-Tunnel zwischen Frankfurt und Kassel sein.

Interessant wird dies natürlich mittelfristig, wenn immer mehr Personen "mobil" online sind und die Datenfresser a la "TV over IP" auch per UMTS auf Mobiltelefone gestreamt werden. Aber selbst da sieht man ja, dass ein 6 Minuten Videos im Youtube (FLV) Format gerade mal 12 Megabyte verbraucht, was im Mittel 330kbit/s sind. Aber da bin ich mal zuversichtlich, dass die Mobilfunkbetreiber ihre Netze im Griff haben

Für mich ist UMTS nach wenigen Wochen schon unersetzbar geworden und unterm Strich spare ich mir auch die ein oder andere WiFi Anbindung, bei der schon ein Tag schnell mal so viel kosten kann, wie die halbe UMTS Grundgebühr eines 5 GB Vertrags.

Kleiner Nebeneffekt, die vielen kleinen Pausen unterwegs kann man nun auch wunderbar nutzen, um die ein oder andere News zu beantworten. Vielleicht haben Sie das auch schon gemerkt, dass Postings nicht mehr nur "gebündelt" kommen, wenn ich wieder "zuhause" bin.

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