Exchange Mitbewerber

Exchange ist nicht das einzige Programm, welches sich ein Messaging System nennt. Neben Microsoft bestellen auch andere Firmen das Feld und bieten mehr oder weniger leistungsfähige Produkte an und preisen Sie sogar als Exchange-Killer oder besser, größer, stärker, einfacher billiger. Versuchen wir mal eine Abschätzung.

Wenn Sie meinen, dass sie den Exchange Killer gefunden haben, dann können Sie mich gerne darauf hinweisen. (->Kontakt). Dies hier ist übrigens meine ganz persönliche Ansicht und soll keine Auf- oder Abwertung eines Programms darstellen. Zudem dürften durch permanente Weiterentwicklungen auch hier die ein oder anderen Informationen veraltet sein.

Grundwissen

Zuerst müssen die Funktionen jedes Systems bekannt sein, damit wir nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Gerade hier wird gerne der ewige Kampf zwischen angeblich "richtigen" Mailservern a la SENDMAIL und den Produkten von Microsoft ausgetragen, der aber jeder Grundlage entbehrt. Sendmail ist sicher ein guter Mailserver aber der Einsatzbereich ist komplett unterschiedlich zu Exchange. Exchange ist zwar auch ein bisschen Mailserver, aber viel mehr Informationsablage und Drehscheibe. Doch zu den einzelnen Komponenten in Kürze:

Es reicht also nicht, einfach Exchange durch einen POP3/IMAP4/SMTP-Server zu ersetzen und Outlook dann gegen diesen Server zu konfigurieren. Letztlich muss jeder selbst wissen, welche Leistung das System erbringen muss. Exchange als Relay Server für einen Provider ist genauso falsch eingesetzt, wie ein Sendmail in einer Umgebung, die mit Outlook auf Regeln, Ansichten und Workflow setzt.

Oft habe ich das Gefühl, dass es bei Diskussionen nicht unbedingt um die Funktion geht, sondern oft subjektiv die Meinung vorherrscht, dass alles besser sei, solange es nicht von Microsoft kommt und nicht Exchange drin ist. Ich kann damit leben.

MAPI-Alternativen ?

Es gibt daher einige Produkte, die Exchange gerne ersetzen möchten, ohne die Funktionen von Outlook allzu stark zu beschneiden. Da die Produkte sehr schwer natürlich einen Exchange Server komplett nachbilden können, bestehen Sie meist aus einem Server im Hintergrund und einer weiteren Komponente zur Einbindung in Outlook. (Siehe auch MAPI-Profile)

So gibt es Produkte, die die Daten von Outlook im Hintergrund in eine SQL-Datenbank ablegen. Da diese Server aber schwerlich das "Format" der Daten verstehen, sind Funktionen wie serverbasierte Regeln oder ein Zugriff ohne Outlook, z.B.: per OWA oder ActiveSync etc. sehr schwer möglich. Auch der Empfang von Nachrichten müsste der Server selbständig erledigen und als "Mail" in die Datenbank ablegen. Da auch das sehr schwer ist, belassen es viele Systeme dabei, dass Outlook die Mails z.B. per POP3 von einem Mailserver abholt und nur die Ablage zentral erfolgt. Andere Systeme erwarten sogar noch, dass Outlook seine Daten in einer lokalen PST-Datei ablegt und nur gemeinsame Daten zentral gespeichert werden.

Sie sehen schon, dass Outlook und Exchange Funktionen bieten, die anderen Produkten noch fehlt. Vergleichen Sie daher selbst genau, was Sie erwarten und benötigen. Die Liste von alternativen Produkten ist nicht vollständig:

Sie sehen also, dass es schon jede Menge andere Mailserver gibt, die sich Outlook und Outlook Web Access als Maßstab nehmen und auf einer anderen Datenbank und einem anderen Betriebssystem etwas ähnliches aufbauen. Allerdings ist es nicht damit getan, Outlook einen Untersatz zur Speicherung von Daten anzubieten. Wenn Outlook eine Mail in den "Postausgang" legt, dann muss der Server diese dort abholen und zustellen und umgekehrt auch eingehende Mails wieder in das Postfach ablegen.

Für Exchange gibt es seit längerem die VSAPI-Schnittstelle, die auch Virenscans im Postfachspeicher erlaubt. Hier stellt sich mir auch die Frage, ob es schon Virenscanner gibt, die ein Datenfeld einer SQL-Datenbank als Mail auf Viren hin überprüfen und reinigen kann.

SharedPST

Eine besondere Abwandlung von Servern sind Produkte für kleinere Firmen, die einfach Outlook und PST-Dateien nutzen und durch durch Zusatztreiber die gemeinsame Nutzung solcher PST-Dateien erlauben. Entweder liegen diese Dateien dazu auf einem Dateiserver oder ein Outlook im Netzwerk dient als "Server". Siehe auch SharedPST

Auch Microsoft hatte mit Outlook 2000 eine ähnliche Funktion mit den "NetFoldern" im Angebot, welche aber mangels Stabilität und Zielgruppe entfallen sind. Das alte Microsoft Mail wurde schon früher demontiert.

Nachteilig bei all diesen Lösungen sind Beschränkungen von PST-Dateien (keine Transaktionsorientierte Datenbank, 2 GB Größe, keine online Sicherung etc.). Aber für kleine Bürogemeinschaften sind diese Faktoren zumindest anfänglich zu vernachlässigen. Weiterhin fehlt ein zentraler Server, der z.B. Nachrichten annimmt oder abholt und versendet, oder Regeln ohne Zutun des Anwenders umsetzt. Aber auch dies ist in Bürogemeinschaften weniger von Belang, wenn die Anwender ihre Nachrichten selbst per POP3 aus dem Internet holen. Wobei solch ein Server durchaus auch möglich wäre. Nur ist dann der Kostenvorteile zu einem ausgewachsenen Server nicht mehr weit, wenn auch diese Systeme wollen geplant, gepflegt und gewartet werden.

Webbasierte Systeme

Aufgrund der Schwäche der POP3 oder IMAP4 Clients, welche zwar wunderbar mit Mails umgehen können, aber jede zusätzliche Erweiterung mangels Standard nicht unterstützen können, versuchen viele Anbieter eine "Browserumgebung" anzubieten, welche dann vergleichbare Funktionen zu Outlook anbieten soll. Der Ansatz hat Charme, da damit die Abhängigkeit von Windows und die Installation zusätzlicher Software auf den Clients entfällt, solange ein kompatibler Browser installiert ist. Ein Browser ist aber heute schon fast überall Standard. So nett dies ist, so scheitern einige Funktionen schon an Beschränkungen der Browseroberfläche. Drag and Drop aus anderen Anwendungen ist ebenso wenige nutzbar, wie ein einfacher Zugriff auf Dateien zum Anhängen. Viele Dinge sind doch wieder nur über Formulare abzubilden. Auch das Konvertieren von umfangreichem HTML-Code mit Skripten und Applets benötigt zügige Systeme und ein sehr aktuellen Browser. ein offline Betrieb ist, mal abgesehen von lokalen Caches, nicht sehr effektiv möglich. Allerdings ist das alles auch gerade ein Aspekt für den Einsatz in Provider Umgebungen. So bieten ganz natürlich T-Online (WebMail), HotMail, GMX, Web.DE, als auch Strato und Puretec einen Zugriff auf das Postfach per Browser. Bei den kostenfreien Diensten kann man als Anbieter gleich noch Werbung mit einblenden.

Web Gateway

Die meisten professionellen Mailsystem haben heute auch die Möglichkeit, einen Zugriff per Webbrowser zu erlauben. Für all die Mailsysteme, die aber keine Webunterstützung anbieten, gibt (oder gab) es Zusatzprogramme, die als Gateway zwischen dem Mailsystem und dem Browser agieren. Die nehmen die Webanfrage des Clients an und fragen ihrerseits per POP3, IMAP4, MAPI, CMC oder anderer "älterer" Schnittstellen die Mailbox ab.

Allerdings wird der Markt für diese Produkte immer kleiner, da immer mehr Hersteller ihre Produkte entsprechend erweitern.

Novell Suse Open-Exchange

Open Exchange und Open-Xchange sind meines Wissens zwei unterschiedliche Produkte

In diese Richtung geht z.B. der Open-Exchange http://www.novell.com/coolsolutions/Open-Xchange/. Was ich davon bisher gesehen und gelesen habe, ist es natürlich wieder ein SMTP-Mailserver mit Zugriff per POP3/IMAP4, aber die Leistung des Systems wird erst bei der Nutzung über die Weboberfläche sichtbar und nutzbar. Es handelt sich dabei um eine kommerzielle Lösung, die trotz Linux nicht kostenfrei ist. Seit August 2004 ist aber auch der Code vom Hersteller Netline (http://www.netline-is.de) unter die GNU General Public License (GPL) gestellt worden. Der Suse Linux Open-Xchange Server (SLOX) (http://www.suse.de/de/business/products/Open-Xchange) basiert hierauf. Auch wenn Suse ihr Produkt als Mitbewerber zu Exchange und GroupWise anpreist, kann ich dem nicht folgen, da es klassisch nur ein POP3/IMAP/HTTP-Server ist. Informationen über Replikation zwischen mehreren Systemen, Offlinebetrieb der Clients, Adressbücher etc. fehlen auf der Webseite. Verwundert bin ich über "Highlights" wie DHCP und SAMBA des Servers, der als komplette Box verkauft wird und einem Limit von 500 Benutzern ?. Mit einem Mailserver hat das nichts zu tun. Wohl eher mit einem vorinstallierten Unix als Datei und Druckserver und etwas SMTP-Mail dazu und ein nettes Webfrontend. (Stand 2003)

Für Open Exchange ist es natürlich "interessant, einen Migrationsweg von Exchange zu Open Exchange anzubieten. Das ist dahingehend relativ einfach, weil Exchange eine große Marktverbreitung hat und zudem recht gut dokumentierte APIs (Speziell der Webservice). In die Gegenrichtung, also von Open Exchange nach Exchange/Outlook wird es kniffliger, da es keine passenden fertigen "Tools" gibt. Die Mails liegen in OpenExchange auf einem dahinter quasi verborgenen IMAP4-Server. Damit ist eine Migration dieser Inhalte per IMAP4-Tools schon mal möglich. Zur serverseitigen Übernahme noch Kalendern, Kontakten o.ä. habe ich keine weiteren Informationen. Allerdings gibt es immer noch den Weg auf dem Client mit Outlook die Daten zu übertragen. Über ein kostenpflichtiges Modul kann Outlook quasi "native" auf Open Exchange zugreifen. Und natürlich kann Outlook auch andere Postfächer wie Exchange parallel einbinden. Der Anwender kann dann selbst "seine Ordner" einfach migrieren.

Kolab

Auch Kolab ist wohl ein "open Source" GroupWare Server, der sowohl Webbrowser aber auch Outlook Clients unterstützt. Sowohl der Kolab Server als auch der Kolab Clients sind "freie Software". Die Anbindung von Outlook erfolgt  über einen Connector, der jedoch nicht kostenfrei ist. Auch Support und Wartung wird wie üblich gegen Verträge angeboten. Das ganze System sieht sehr Open-Xchange ähnlich.

Es setzt auf OpenLDAP als Verzeichnisdienst, Postfix als Mailserver, Cyrus IMAP als IMAP4-Server, Apache als Webserver und ProFTP als FTP-Server auf. Leider konnte ich selbst Kolab noch nicht begutachten und mit Exchange vergleichen. Vielleicht ergibt sich später einmal die Möglichkeit.

Novell Evolution (Früher Ximian)

Ximian ist eine sehr interessante Firma, welche neben einem Outlook für Unix (welches per HTTP mit Exchange 2000 die Daten bearbeitet) auch eine Messaging Software entwickelt, die einige sehr leistungsfähige Funktionen bietet. Auch hier schaue ich sehr interessiert hin.

Leider konnte ich Ximian und den Exchange Connector noch nicht selbst testen. Suspekt ist mir aber die offizielle Installationsanleitung aus dem Internet unter http://www.novell.com/products/evolution/download.html:

  1. Open a terminal window.
  2. Using the su command, become superuser (root).
  3. Type the following command or cut and paste it into your terminal:
    wget -q -O - http://go.ximian.com |sh

Faktisch lade ich mir so ein ShellScript herunter und führe es blind aus. Ich habe eigentlich gedacht, dass die Linux Administratoren nicht den gleichen Fehler machen sollten wie viele Windows Administratoren in der Vergangenheit und "blind" installieren. Ich stelle mir grade vor, wenn jemand die Adresse http://go.ximian.com wirklich einmal per DNS-Spoofing oder Proxyumleitung umleitet.

Mittlerweile gibt es Evolution aber auch komplett als Paket für die verschiedenen Distributionen, so dass die Installation sehr viel einfacher geworden ist.

Sonstige SMTP/Websysteme

Auch andere Entwickler bauen auf verschiedenen Plattformen Systeme zur Zusammenarbeit. Leider hatte ich noch keine Zeit diese genauer zu betrachten.

Internet Systeme

Immer wieder wird Exchange mit "Internet Mail Systemen" verglichen, die es zu zuhauf gibt und grob verallgemeinert aus einem Mailserver bestehen, die per SMTP Nachrichten annehmen und senden (und manchmal auf per POP3 abholen) und für die Anwender diese per POP3 oder IMAP4 erreichbar machen. Manchmal ist ein Adressbuchzugriff per LDAP möglich. Solche Programme gibt es für Windows, Linux und nahezu jedes andere Betriebssystem und teilweise schon auf DSL-Routern. Oftmals gibt es nette Weboberflächen als Zugabe für Administration und Datenzugriff. Aber meist ist die Funktion dann doch arg limitiert und nicht mit aktuellen Produkten zu vergleichen.

Sendmail, QMail

Beide Systeme sind klassische Mailserver und in der Funktion sehr gut, sehr leistungsfähig und nahezu für alles einzusetzen. Aber es sind "nur" Mailserver die Nachrichten in einer Verzeichnisstruktur ablegen. Der Zugriff auf diese erfolgt über getrennte Postfächer. Von Serverbasierten Regeln, Formulare, Ansichten, Adressbüchern, oder gar gemeinsamen Ordnern keine Spur. diese Produkte finden sich häufig dort, wo große Mengen an Nachrichten umgeschlagen oder verändert werden müssen. z.B. bei Providern, Universitäten aber auch zwischen dem Internet und Exchange als Relay.

Einen Mitbewerber mit Exchange kann ich hier nicht sehen, sondern eher die friedliche Koexistenz. Alle mir bekannten Installation mit Sendmail nutzen POP3/IMAP4 Clients mit einem passenden Serverprozess, welcher die Verzeichnisse von Sendmail erreicht und werden nach und nach auf Exchange migriert.

Groupware-Systeme

Aber neben den Internet Mail Systemen und webbasierten Groupware-Systeme gibt es neben Exchange noch weitere Messagingsysteme mit einem eigenen Client. Ein eigener Client erlaubt natürlich eine sehr leistungsfähige Benutzerführung und Funktionsvielfalt, aber ist automatisch Proprietär.

Exchange wird daher sehr häufig mit Notes oder GroupWise vergleichen, obwohl diese Produkte genau genommen nur sehr beschränkt vergleichbar sind. Klar erlauben auch diese den Austausch Nachrichten

Lotus Notes

Oft wird gerade Lotus Notes mit Exchange verglichen, obwohl diese beiden Systeme zwar die gleiche Basisfunktion bieten (Mail, Kalender, Aufgaben) aber im Kern komplett unterschiedlich sind. Sowohl die Datenbank, als auch die Verbindung von Servern als auch die komplette Workflow Funktionalität. Ich vermeide nun eine Bewertung was besser oder schlechter ist, denn jedes Produkt hat seine Stärken, aber ein Vergleich dieser Beiden Systeme kann nie passend sein, da es besser auf eine Bewertung für einen bestimmten Einsatzzweck werden sollte. Erst dann haben Sie auch Kaufkriterien.

Sowohl Exchange als auch Notes sind beide sehr leistungsfähige Produkte, die erst durch entsprechende "Anpassungen" ihre wahre Stärke ausspielen können. Natürlich ist ein Exchange Server mit Outlook mit wenig Konfiguration sehr leicht produktiv zu bringen, während beim Einsatz von Notes schon eine gutes Planung und auch etwas Entwicklung gewünscht wird. Während früher das Bild existierte, dass ein Notes Server erst durch 100 Tage Entwicklungsleistung und Programmieren richtig produktiv wird, galt für Exchange der Vorwurf, dass man es sowieso nicht gut programmieren kann. Das hat sich mit den aktuellen Notes und Exchange Versionen relativiert. Exchange 2000 ist eine gute Plattform für eigene Entwicklungen und Notes ist auch ohne viel Programmieraufwand gut einsetzbar.

Aber einen Vergleich beider Systeme ohne ein Anforderungsprofil eines Kunden ist nicht möglich. Und wenn, wie einige unserer Kunden, beide Systeme eingesetzt werden, dann bleibt zu sagen: Der Notes Connector von Exchange kann beide Welten recht gut verbinden.

Übrigens gibt es von Microsoft einen Notes Connector Service für Outlook 2002, damit Sie Outlook 2002 als Client an einem Notes Server betreiben können. So ist Notes als Serverplattform nutzbar, obwohl auf dem Arbeitsplatz vielleicht lieber mit Outlook gearbeitet wird. (Siehe MAPI Transportprovider)

Und wenn Sie möchten, können Sie wie einiger meiner Kunden auch das beste aus beiden Systemen verwenden. Exchange als Messaging und Kalenderanwendung und Notes für selbst entwickelte Datenbanken.

GroupWise

Wie hieß die Firma noch mal ?. WordPerfect mit Office ehe Novell das GroupWise damals übernommen hat ?. Auch GroupWise hat mit jeder Version mächtig zugelegt. Die Zeiten eines permanent abstürzenden NetWare Servers aufgrund einiger GroupWise NLM sind vorbei und SMTP und POP3 und eine stabiler Datenbank hat nun auch schon Einzug gehalten. Schade, dass GroupWise lange Zeit gar nicht so richtig in die Novell Directory Services implementiert wurde. Auch ist die Bedienung der Anwendung nicht unbedingt eingängig für Windows Benutzer. Trotzdem gibt es eine breite installierte Basis von GroupWise Systemen, die auch bedeutend mehr leisten als ein POP3/IMAP4-Mailserver. Angefangen von gemeinsamen Ablagen, Server basierten Nachrichten und Regeln etc.  Trotzdem habe ich den Eindruck, dass GroupWise etwas verloren hat und viele Firmen zu einem anderen Produkt migrieren.

Natürlich muss man sich auch mal Gedanken über die Zukunft von GroupWise machen. Vor vielen Jahren galt das Produkt NetWare (hergestellt von der Firma "Novell") als das bessere Fileserver-OS Windows Server hatten viele Funktionen damals noch nicht, z.B. Undelete (Salvage ), Vererbung von Rechten, Quotas. Anders sieht es mit GroupWise aus, welches Novell selbst zugekauft hat (WordPerfect). Meine Erfahrungen mit GroupWise sind von 2005 aber damals war die GroupWise DB war keine "Datenbank" im klassischen Sinne sondern eher Verzeichnisstrukturen (eher wie MSMAIL und MHS). Und die GroupWise NLMs (Netware Loadable Modules = Dienste auf dem NetWare-Server) waren berüchtigt für Serverabstürze (daher besser auf einer 2-User NetWare4 Runtime aufgehoben, die kostenfrei war). Der GroupWise Client war eher "WordPerfect-Like" und war mit Office nur bedingt vergleichbar. Allerdings bot GroupWise Funktionen z.B. Dokumentlibraries etc., die Outlook so nicht angeboten hatte. Heute macht man das eher mit Sharepoint.

Maßgeblich für eine Entscheidung sind eher drei andere Faktoren (Stand 2008):

Insofern sollten Sie genau ihre Umgebung prüfen, ob sie Exchange noch mit GroupWise oder eher Open-Xchange vergleichen.

Oracle und andere Datenbanken

Auch Oracle, die eigentlich mehr aus dem Bereich der Datenbanken kommen, haben entsprechende Lösungen im Angebot. Jedes leistungsfähige Groupware System besteht neben dem Client natürlich auch aus einer Datenbank, die alle Daten zentral ablegt. Indizierung, schneller Zugriff, Zugriffskontrolle, Datensicherung, Archivierung und mehr sind Faktoren einer Datenbank.

Entsprechend bietet z.B. Oracle die Oracle Collaboration Suite an (Infos unter http://www.oracle.com/ip/deploy/cs/index.html) . Weiterführende Informationen habe ich dazu aber nicht. Bisher ist mir dieses Programm noch nicht begegnet.

Übrigens gibt es auch andere kleine Firmen, die für Outlook pfiffige Ideen einbringen. So kann Oaklodge mit einer Software dienen, die für Outlook einen "Storeprovider (siehe MAPI Storage Provider) anbietet, damit eine SQL-Datenbank zur Ablage von Dokumenten genutzt werden können. http://www.oaklodge.com/technology/sqlview/default.aspx

Samsung Contact

Auch von der Firma Samsung gibt es einen Mailserver, der mehr verspricht, also nur POP3/IMAP4 Server zu sein. Die Informationen auf http://samsungcontact.com/de/ bzw. http://www.samsungcontact.com/en/itpro/summary.php machten schon neugierig, aber sonst kenne ich davon noch nichts. Interessant ist, dass es einen MAPI-Client geben soll. Aber ob sich dahinter ein Exchange RPC-kompatibles Serversystem verbirgt, kann ich nicht sagen.

Exchange4Linux

Auf der Webseite www.exchange4linux.org bzw. der Quelle auf http://sourceforge.net/projects/exchange4linux/ wird ebenfalls ein Server für Linux angeboten, der schon vom Namen her sich mit Exchange vergleichen will. Entwickelt und vertrieben wird das Ganze durch die Firma Neuberger & Hughes (http://www.n-h.com), die auch mit Easygate eine Komplettlösung für Firewall, Proxy, Mailserver, Router, VPN-Gegenstelle etc. anbietet. Man könnte nun versucht sein, auch dieses Produkt einfach mit "wieder nur POP3/IMAP" hinter Outlook abzutun und beim ersten Anblick sieht es auch so aus. Zumindest das Postfach wird per POP3 oder IMAP4 geöffnet und in einer PST-Datei lokal abgelegt. Allerdings gibt es eine Clienterweiterung für Outlook, die auf den exchange4linux-Server per HTTP zugreift und diese Informationen in Outlook einbindet. Für den Anwender scheint es tatsächlich so zu sein, dass eine Art "Exchange" auf dem Server werkelt. So sind gemeinsame Ordner ebenso möglich, wie der Zugriff auf andere Postfächer und Frei/Belegt-Zeiten werden ebenfalls per HTTP von Outlook auf den Server hochgeladen. Der Outlook Agent synchronisiert anscheinend einen lokalen Informationsspeicher (PST-Datei) mit Informationen auf dem Server.

Auch der Name könnte zu der irrigen Annahme verleiten, dass der Server eine RPC-Schnittstelle für Outlook bereitstellt. Das Funktionsdiagramm auf http://wiki.exchange4linux.org/e4lwiki/n-h.support.wiki/E4l30NewGeneralDesign zeigt aber sehr gut, dass der Mailserver ein normaler POP3/IMAP4 Dienst und erst  die Kombination von Postgres SQL mit einem Serverprozess und der Outlook Erweiterung eine gewisse Workgroup-Funktionalität bereit stellt.

Insofern kann ich auf den ersten Blick sagen, dass es sicher Kunden geben wird, die einen zentralen Service auf Basis eines Linux-Servers suchen und trotzdem etwas mehr als "nur" POP3/IMAP4 möchten. Dann ist dieses Produkt sicher einen Blick wert. Wer nur diese Funktionen von Exchange einsetzt, findet hier vielleicht eine günstige Alternative. Viele Firmen möchten heute nicht mehr die Funktion missen, die der Exchange Server selbst bietet, z.B.: die Nutzung mehrerer Server in einer Organisation mit gemeinsamen Adressbuch, der Möglichkeit öffentliche Ordner zu replizieren, dynamisches Routing von Nachrichten zwischen den Systemen und letztlich auch das Single Login und den Betrieb ganz ohne lokalen Informationsspeicher auf der Festplatte des Clients. Insofern sind die beiden Produkte nicht vergleichbar, sondern adressieren unterschiedliche Märkte.

Tobit David

Dann gibt es noch die Gruppe um Tobias Groten in Ahaus, die damals mit FaxWare als NLM sicher die Basis ihres heutigen Unternehmens gelegt haben und vielleicht etwas spät noch auf den Windows Zug aufgesprungen sind. Neben der Bereitstellung eines Faxservers gibt es mit David aber auch eine komplett integrierte Lösung, die neben einem eleganten Management der Faxe auch Mails und Anrufbeantworteraufnahmen für mehrere Mitarbeiter bereitstellt. Allerdings ist die Beschränkung der eine Server. Wenn es darum geht, mehrere Server an mehreren Standorten zu installieren, dann wird das wohl schneller eine Quälerei. der Schwerpunkt ist sicher ein zentraler Server, der möglichst viele Kommunikationsleistungen (Sprache, Fax, Mail) bietet und weniger ein Messaging Systeme wie Exchange oder Notes zu sein, bei dem mehrere Server verteilt Daten replizieren, Adressbücher synchronisieren etc.

Zusammenfassung

Es gibt im wesentlichen drei Klassen von Nachrichtensystemen, die zu unterscheiden sind:

Letztlich macht es keinen Sinn, die verschiedenen Produkte allgemein zu vergleichen, sondern sinnvoll ist nur die Bestimmung der Anforderungen eines Kunden und dann zu prüfen, welches System diese Wünsche und Pflichten zu einem akzeptablen Preis erfüllt.

Tags:Basics Wettbewerber Ximian Evolution  GroupWise Notes Open-Xchange David SendMail Postfix