SfBOnline Ende

Am 1.8.2021 wird Skype for Business Online abgeschaltet. Das schreibt zumindest Microsoft aber ich denke, das ist nicht dir ganze Wahrheit. Ich mutmaße mal, was da wirklich passiert.

Die Ankündigung

Teams ist eine viel leistungsfähigere Plattform als Skype for Business und alle Vorgänger. Die Geschichte der "Präsenz/InstantMessaging" Plattform startet schon mit dem "Exchange 5.5 Chat Server" und mit dem Jahrhundertwechsel kam der Exchange 2000 Conference Service dazu. Der ein oder andere Admin kennt dann vielleicht noch den "Live Communication Server 2003 oder 2005", der durch den Office Communication Server 2007 abgelöst wurde. Mit OCS2007R2 konnte man dann das erste mal sogar "Telefonieren". Warum das Produkt umbenannt als "Lync 2010" und "Lync 2013" weiterentwickelt wurde, lasse ich lieber im Dunkeln. Der aktuelle Name "Skype for Business 2015" bzw. "Skype for Business 2019" möchte wohl von der Bekanntheit des Produkts "Skype" (Zukauf von Microsoft im Jahr 2011 für damals 8,5 Mrd US$) profitieren.

Aber nun gibt es seit vielen Jahren schon Microsoft Teams aus der Cloud und da ist es nur logisch, dass ein Hersteller nicht zwei Produkte dauerhaft nebeneinander betreiben will, die konkurrierende Funktionen haben. Allerdings profitiert Microsoft Teams von seiner sehr jungen Geschichte und muss keine Altlasten betrachten. Microsoft Teams nutzt aktuelle Web-Technologien, JavaScript, WebRTC, ist auf vielen Plattformen verfügbar und kombiniert noch einen beständigen Chat und Teams und Kanäle zur optimierten Zusammenarbeit.

Da kann das einfache Skype for Business Online einfach nicht mehr mithalten. Wer sich den Versionswechsel von "Skype for Business 2015" auf "Skype for Business 2019" anschaut, wird auch erkennen, dass sich nicht mehr viel verändert hat. Die Musik spielt in Microsoft Teams und der Betrieb der alten, mit Mühe in die Cloud portierte schon fast 20 Jahren Softwarebasis macht einfach keinen Sinn.

Das Ende von Skype for Business Online wurde am 30. Juli 2019, also über 2 Jahre vorab schon angekündigt und Teams hat in der Zeit viele Funktionen übernommen.

Bei Net at Work telefonieren wir seit Oktober 2019 mit Teams und die lokale Serverinstallation wurde zurückgebaut. Wir beantworten gerne ihr Frage.

Die Roadmap für Skype for Business Online und Microsoft Teams ist eindeutig.

Aber auch für Skype for Business 2015 und 2019 gibt es schon "Aussagen" zum Supportzeitraum. Allerdings gibt es noch keine "Abschaltungsmeldung", wie dies am 30.7.2019 für Skype for Business Online passiert ist. Microsoft wird wohl genau hinschauen, wer und viel viele Firmen und Anwender noch mit Skype for Business OnPremises arbeiten und dann die weitere Entwicklung planen.

Persönlich denke ich, dass Skype for Business OnPremises auch nach 2025 in der ein oder anderen Form genutzt werden kann. Vielleicht müssen Sie dann auch die OnPremises-Version "abonnieren" statt kaufen. Aber das kennen wir von vielen anderen OnPremises-Produkten und Herstellern schon länger.

Was könnte passieren?

Ich glaube aber nicht, dass Microsoft am 1.8.2021 nun direkt die Skype for Business Online Server abschaltet. Sicher wird man verhindern, dass Anwender weiter mit dem Skype for Business Client aktive arbeiten. Aber diese Veränderung gibt es schon lange. Seit dem 1. Sep 2019 wurden neue Tenants schon direkt mit der Betriebsart "TeamsOnly" konfiguriert und kamen so gar nicht mehr in Versuchung, mit der alten Software zu arbeiten. Selbst Tenants, die noch Skype for Business Online nutzen konnten wurden aber es nicht genutzt haben, wurden in der Vergangenheit schon auf "Teams Only" umgestellt.

Ich gehe davon aus, dass zum 1.8.2021 die verbliebenen Tenants auf "Teams Only" umgestellt werden und alle anderen Interop-Betriebsarten entfallen. Anwender, die bisher noch mit dem Skype for Business Client gearbeitet haben, bekommen die bekannte Meldung, wie die "TeamsOnly"-Benutzer heute schon sehen.

Allerdings dürfte dann der "Skype for Business starten"-Button noch wegfallen. Aber selbst, wenn er bleibt, sehen die Anwender nur noch den Skype for Business Client in seiner Basisfunktion als "Konferenz-Client". Aber Microsoft muss noch ein paar andere Fälle abdecken, die von Teams alleine noch nicht bedient werden, z.B.

  • 3PIP Phones müssen sich ja weiter anmelden können
  • Hybrid-Konfiguration mit OnPremises Servern
  • Federation mit anderen Skype for Business Kunden

Schauen wir und die drei Punkte mal an

3PIP-Phones

Es gibt ganz viele "schöne" Teams-Telefone. Aber deshalb müssen Sie ihre Skype for Business-zertifizierten Telefone nicht wegwerfen. Telefon-Hardware wird nicht auf 3 oder 5 Jahre abgeschrieben, sondern häufig länger genutzt. Zumindest ist diese Denkweise immer noch in vielen Köpfen vorhanden. Microsoft hat die auch bemerkt und schon 2020 eine Aussage dazu veröffentlicht:

We also realize that being able to use existing hardware can provide important cost savings when moving to a new phone system. Today, we are announcing extended support for Skype for Business (3PIP) phones beyond 2023, so you can continue to use your existing Skype for Business phones as you move to Teams. Additionally, we will be supporting core calling features on SIP phones from Cisco, Yealink, Polycom, and others with Teams. Support for SIP phones will be available in the first half of 2021.
https://www.microsoft.com/en-us/microsoft-365/blog/2020/08/03/take-communnext-level-microsoft-teams/
Teams und SIP-Telefone

Der Support für "Skype for Business Telefone" wird sogar über das Jahr 2023 hinaus ausgedehnt, wenngleich sonst noch kein festes Endedatum genannt wurde. Es wurde aber sogar eine Möglichkeit versprochen, klassische SIP-Telefone ab Anfang 2021 mit Teams zu verbinden. Damit können die 3PIP-Telefone auch nach dem 31.7.2021, dem offiziellen Endedatum für Skype for Business Online, sich weiter an der Cloud anmelden.

Als Migrationspfad steht dann ein SIP-Zugang für die Bereiche bereit, die wirklich "nur ein Telefon" brauchen und nicht mit einem "Teams Telefon" arbeiten können.

Hybrid-Bereitstellung

Solange Skype for Business 2015/2019 OnPremises genutzt wird und auch im Support ist, muss es einen Hybridmode mit der Clou geben. Nur so kann ein Teil der Anwender schon in Teams arbeiten während andere Anwender weiterhin auf dem lokalen Server betrieben werden. Es ist zumindest die Basis für einen Migration von Skype for Business OnPremises zu Teams in die Cloud

Ich bin kein Freund dieser "Koexistenz", da die Interop-Einschränkungen bei Instant Messaging und die parallelen Meeting-Plattformen mit unterschiedlichen parallelen Clients jeden Anwender zur Verzweiflung bringen. Hybrid mit SfB Online war deutlich einfacher bei den "Use-Cases"

Dennoch wird Microsoft den Hybrid-Mode nicht abschalten und dazu muss auf der anderen Seite "irgendetwas" betrieben werden, was einem Skype for Business Edge-Server samt SIP-Kommunikation entspricht. Vielleicht täusche ich mich und Microsoft hat tatsächlich für Teams parallel einen neuen SIP-Stack eingebaut. Aber seit über 4 Jahren gibt es schon den Hybrid Mode. Wenn keine Benutzer mit Buddy-Listen und keine Online-Konferenzen mehr betrieben werden müssen, würde ich nicht viel Zeit dort einplanen sondern die bestehenden Diensten etwas ertüchtigen.

Federation

Ein weiterer Punkt ist die Kommunikation zwischen Firmen über die "Federation". Natürlich können Firmen mit Skype for Business OnPremises miteinander ihren Präsenzstatus weiter austauschen, chatten und Besprechungen nutzen. In diesem Verbund darf Teams nicht fehlen, selbst wenn eine Firma schon zu 100% mit Office 365 und Microsoft Teams arbeitet. Schon daher wird Microsoft Teams auch über den 31.7.2021 hinaus aussehen "wie ein Skype for Business Service". Administratoren können und sollten daher auch zukünftig weiter die "_sipfederationtls._tcp.<domain>"-Einträge im DNS pflegen, damit sie auch von diesen Firmen weiter gefunden werden.

Aber natürlich wird Microsoft irgendwann den Schwenk in Teams vollziehen, und die Federation zwischen Firmen, die beide in Teams sind, native auszuführen. Es macht ja keinen Sinn, den Präsenzstatus zweimal durch ein "Team/SfBOnline"-Gateway zu schleusen. Aber das macht die Skype for Business Edge-Plattform als Federation-Endpunkt für andere OnPremises-Firmen nicht überflüssig.

SIPTrunk / OPCH / CCE

Mit Skype for Business Online gab es die Funktion OPCH (OnPremises Call Handling), d.h. Benutzer in Skype for Business Online konnten über eine lokale Skype for Business Installation und dort vorhandene Mediation Server sogar telefonieren. Das war vor allem vor der Zeit von "Direct Routing" mit Teams der klassische Weg. Einige Firmen habe auch die Lösung von Microsoft mittels CCE umgesetzt. Mit dem Wegfall von Skype for Business Online als Service wird auch OPCH und CCE obsolet. Beide funktionierten nie offiziell mit Microsoft Teams, auch wenn zumindest eingehende Anrufe teilweise durchgestellt wurden.

Hier müssen Sie aber aktiv werden und die Teilnehmer entweder zurück nach Skype for Business OnPremises verschieben oder sie routen die Rufnummern über Direct Routing zu Teams.

Cloud Voice Mail

Wer seine bisherigen Exchange 2016 Server lokal auf Exchange 2019 angehoben hat, hat im gleichen Schritt auch die UM-Rolle verloren. Sie konnten dann entweder eine 3rd-Party Software einsetzen oder die Voicemail der Cloud verwenden. Technisch ist Cloud Voice Mail ein SfB Federation-Call über die vorhandenen Edge-Server. Ich vermute, dass diese Funktion weiter bestehen bleibt, denn sonst wäre Exchange 2019 OnPremises plötzlich ganz ohne Voicemail.

Zwischenstand

Die Ankündigung des Ende von Skype for Business Online wird seine Wirkung sicher nicht verfehlen. Sie muss auch laut und deutlich bei all den Firmen ankommen, die schon Office 365 mit Skype for Business Online nutzen aber, warum auch immer ihre Anwender noch nicht in der Betriebsart "TeamsOnly" betreiben. Ich weiß, dass der Wechsel zu TeamsOnly gut geplant und durch Informationen und Schulungsmaßnahme der Mitarbeiter begleitet werden muss. Aber allzu lange sollten Sie damit nun wirklich nicht mehr warten, denn ich erwarte nicht, dass Microsoft das Ende von Skype for Business Online für Anmeldungen durch den Windows Desktop Client noch weiter hinausschiebt. Zwar hat Microsoft die Abschaltung der "Legacy Authentication" bei der Exchange Online Authentifizierung als auch die TLS 1.2 Erzwingung in der Vergangenheit verzögert aber Microsoft Teams ist etwas anderes. Jeder, der heute schon Skype for Business Online nutze, kann eigentlich problemlos auf Microsoft Teams umstellen.

Knifflig wird es nur im Hybrid-Betrieb, wenn es noch Skye for Business Benutzer auf selbst betriebenen Servern gibt. Die Koexistenz wird hier für den ein oder anderen derben Fluch auf den Fluren sorgen, z.B. weil einige Funktionen beim Chat nicht möglich sind oder sie genaugenommen zwei parallele Meeting-Plattformen betreiben.

Nehmen Sie das angekündigte Ende zum Anlass, sich über ihren weiteren Betrieb Klarheit zu verschaffen, hilfreichen Handreichungen und Informationen für Mitarbeiter bereit zu stellen und die Migrationsplanung voranzutreiben.

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