Teams Essentials

Anfang Dez 2021 hat Microsoft noch ein weiteres Lizenzmodell für Teams gestartet. Anscheinend gibt es Firmen, die weder bei der Enterprise-Version (E3/E5) noch bei den Microsoft Business-Versionen zugreifen aber mit der stark eingeschränkten kostenlosen Version (Microsoft Teams ist kostenlos) nicht auskommen und Teams for Home/Teams for Live nur für Familien ist. Nun gibt es auch noch ein "Teams für Kleinunternehmen. Was ist drin und wie grenzen sich die Produkte von einander ab?

Beachten Sie dazu auch Teams Lizenzierung.

Funktionsübersicht

Microsoft stellt auf ihren Marketing-Seiten die verschiedenen Produkte recht lesbar nebeneinander auf und unterscheidet auch für "Privat"-Nutzung und Firmennutzung. Interessant ist hier natürlich nur die Firmennutzung, denn die Personal/Family-Versionen sind per Vertrag von der gewerblichen Nutzung ausgeschlossen. Die aus meiner Sicht wichtige Aspekte sind:

Funktion Microsoft Teams ist kostenlos Essentials Microsoft 365 F1/F3
Office 365 F3
Microsoft 365 Business Basic
Microsoft 365 Business Standard
Enterprise/Academic/Government

Preis

0€

3,40€

1,90€/6,70€
3,40€

4,20€/10,20€

19€

Maximale Lizenzen pro Tenant

?

?

unlimited

300

unlimited

Anzahl der Meetingteilnehmer

100

300

1000+ Large Meetings

1000+ Large Meetings

1000+ Large Meetings

Anzahl der Meetings

unlimited

unlimited

unlimited

unlimited

unlimited

Maximale Dauer eines Meetings

60 Min

30 Stunden

 

 

 

Cloudspeicher pro Benutzer (OneDrive)

5 GB

10 GB

2 GB

1 TB

1 TB

Kanäle und Chats

Ja

Nein

Ja

Ja

Ja

Teams Aufzeichnung
Teams Transcript
Breakout Rooms
Whiteboard
Translation

?

Nein

Ja

Ja

Ja

Weitere Funktionen

 

Support

2 GB Exchange Postfach (F3)
Office 365 ProPlus (Standard-Plan)
50 GB Exchange Postfach
Office 365 ProPlus (Standard-Plan)
100 GB Exchange Postfach
Office 365 ProPlus (E3/E5)

Anmeldung mit

Microsoft Konto (LiveID/Passport) u.a.

AzureAD oder Microsoft Konto (LiveID/Passport) u.a.

AzureAD

AzureAD

AzureAD

Wenn Sie Teams Essentials über die Microsoft Webseite direkt selbst beantragen, dann melden sich ihre Anwender mit einem Microsoft Consumer Account an. Es gibt aber auch mit Teams Essentials die Option, dass ein AzureAD-Konto im Hintergrund genutzt wird und damit such ein Betrieb mit ihrer lokalen AD-Domain und ADSync möglich ist. Für den Fall müssen Sie aber Teams Essentials über einen CSP (Cloud Solution Partner) wie z.B. NetatWork kaufen.

Microsoft Modern Work Plan Comparison
https://go.Microsoft.com/fwlink/?linkid=2139145

Teams Kalender und Exchange

Microsoft Teams kann auch den Kalender des Benutzers anzeigen und Einladungen für geplante Termine versenden. Bei Teams Essentials ist allerdings kein Exchange Postfach enthalten. Der Kalender muss daher z.B. durch einen lokalen Exchange Server oder anderes System bereitgestellt werden. Wenn ein Benutzer einen Termin in Teams Essentials plant, dann sendet der User über Teams die Einladungen in die Welt Wenn ihr primäres Postfach in fremdes System ist, dann sollten Sie es dennoch ermöglichen, dass Termineinladungen an ihr Postfach auch in dem Teams-Kalender ankommen.

Ein Tenant, der allerdings nur die Teams Essentials Lizenz hat, ist allerdings im Funktionsumfang beschränkt. Das bemerken nicht nur die Anwender, wenn Sie keine Microsoft 365 Apps haben und OneDrive und Exchange-Funktionen stark limitiert sind. Auch der Administrator wird an der ein oder anderen Stelle eingeschränkt. Folgende Einschränkungen sind mir aufgefallen.

  • Kein HCW
    Der Versuch im April 2026 eine lokale Exchange Umgebung  mittels HCW zu verbinden ist direkt nach der Anmeldung am Tenant daran gescheitert, dass HCW ein "Get-OrgnizationConfig" nicht aufrufen konnte. Das Commandlet gab es aber auch in der Exchange Online PowerShell (3.9.2) nicht
  • Kein Set-User <user> -PermanentlyClearPreviousMailbox
    Auf der Seite Doppelpostfach mit Exchange Online habe ich den Fall beschrieben, dass ein Benutzer durch Fehler im Provisioning in Exchange Online ein Postfach bekommen hat, obwohl es auch ein lokales Postfach gibt. Im Laufe der Korrektur müssen in Exchange Online die falschen Exchange-Felder gelöscht werden. Genau der Parameter "-PermanentlyClearPreviousMailbox" scheint aber bei Tenants mit Teams Essentials nicht vorhanden zu sein

Allerdings kann Microsoft dies natürlich jederzeit wieder ändern und muss nicht mehr gelten.

Einschätzung

Die "Essentials"-Pakete ordnen sich von dem Funktionsumfang etwas über den "Free"-Versionen an, indem sie etwas mehr Speicher und insbesondere längere Meeting erlauben. Allerdings ist der Abstand zu Microsoft 365 Business Basic (ca. 80ct) doch sehr klein und auch die Office 365 F3-Lizenz oder Microsoft 365 F1 ist preislich nahe dran. Wenn Essentials nun "die kleinen Firmen" als Zielgruppe haben, dann sprechen wir auch über eher niedrige Benutzerzahlen. Ich bin nicht sicher, ob eine Firma mit 10 oder weniger Anwender sich dann an den 8€/Monat stört, um doch wieder viele Funktionen nicht zu haben. Wenn ich schon auf Word/Excel/PowerPoint als Windows Applikation verzichten kann, weil ich z.B. LibreOffice o.ä. nutze oder Microsoft Office nur im Browser/Android/IOS nutze, dann würd ich dennoch eher eine "Microsoft 365 Business Basic" nutzen.

Es wird schon gemunkelt, dass diese Angebot die Firmen gewinnen soll, die heute mit Zoom arbeiten und gar nicht mehr Funktionen wünschen. So könnte man auch das Fehlen von Chat und Teams mit Kanälen interpretieren, was es bei einer reinen Meeting-Plattform wie Zoom auch nicht gibt. So überfordert man nicht die Anwender und muss sich auch erst einmal keine Gedanken über Compliance und Governance für Daten machen.

Vielleicht ist das "Essentials"-Angebot auch nur ein Trittbrett, um die Free-User, die an ihre Grenzen stoßen, mit einer kleinere Stufe ins Abonnement-Modell zu bringen. Wohlwissend, dass Sie ein absehbarer Zeit den nächsten Schritt zu Microsoft 365 Business Basic oder Standard gehen werden.

Für Fachhändler und Berater wird es nur weiter kompliziert, weil es noch mehr Lizenzpakete vom gleichen Hersteller gibt. Beim Mobilfunk kann ich es ja versehen, wenn die verschiedenen "White Label Reseller" sich bei der Telekom, Vodafone oder O2 eindecken und eigene Pakete schnüren. Aber beim "Office/Microsoft 365"-Angebot von Microsoft habe ich so meine Argumentationsprobleme. Vielleicht hat es aber auch etwas mit dem Begriff "Essentials" zu tun, den ich bisher immer von abgespeckten Vollversionen kenne (Essentials Server, Security Essentials)

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