VoIP-Routing

Microsoft Lync Server 2013 Dial Plan and Voice Routing Deep Dive
http://channel9.msdn.com/Events/TechEd/NorthAmerica/2013/OUC-B401

Wenn Sie den Office Communications Server auch für VoIP nutzen, dann kommen Begriffe wie "Routing", "Phone usage" und "Policy" zum tragen. Denn VoIP bedeutet nicht nur, dass Sie "telefonieren" können, sondern auch, dass Sie steuern können, welcher Benutzer über welches Gateway zum Telefonnetz geht und welche Berechtigungen er benutzen kann. Bei klassischen Telefonanlagen ist es eine Standardfunktion, dass jeder Teilnehmer mit Berechtigungen (Kein Amt, Halb, Amt, Voll-Amt, Ausland, Nur Notrufe etc.) versehen werden kann. Viele Firmen wollen ja z.B. steuern, dass Azubis eben nicht teure 0900er-Rufnummern oder ins Ausland anrufen dürfen. Bestimmte Teilnehmer sollen sogar nur ganz bestimmte Rufnummern erreichen während Sondernummern wie 110 und 112 natürlich von jedermann erreichbar sein müssen, auch wenn Sie ansonsten keine Amtsberechtigungen haben.

Solche Einstellungen sind natürlich auch mit OCS möglich, auch wenn sich die Zusammenhänge nicht immer sofort erschließen. Darüber möchte diese Seite aufklären.

Standortprofile sind nur Normalisierung der Rufnummer da !
Natürlich kann man einem user, der keine Amtsberechtigungen haben soll, ein Standortprofil mit "defekter" Normalisierung zuweisen, so dass keine funktionierende Rufnummer zu einem Gateway passt.
Das ist der falsche Weg !!.

Aber schauen wir uns die Komponenten einmal nacheinander an, die hier zusammen spielen.

Vorlagen "Phone usage"

Auf den globalen VoIP-Eigenschaften finde sich die Karteikarte "Phone usages", in welcher einfach nur Texte eingetragen werden können.

Im ersten Moment erschließt sich diese Funktion so erst einmal nicht. Ich habe ihnen daher ein paar "Beispiele" angelegt, die vielleicht auch bei ihnen sinnvoll sein könnten.

Vorlagen: Policy

Der nächste Schritt ist die Definition von Policies, in welchen die soeben erstellten "Phone usage"-Einträge zusammengefasst werden können. Hier gibt es seitens OCS immer eine "Default Policy". Sie können aber weitere Policies anlegen. Hier habe ich eine neue Richtlinie "Standarduser" angelegt, welche die vier "Phone usages"-Einstellungen enthält.

 Es gibt auch eine Richtlinie "Azubi", welcher nur die "Phone usage" für interne Anrufe und Notrufe enthält:

Beachten Sie hier auch den Wert des Feldes "Gobal Policy". Wenn die pro Benutzer unterschiedliche Policies anwenden wollen, dann müssen Sie die globale Richtlinie auf "User per user policy" setzen

Policies beim Benutzer

Damit sind wir nun beim Anwender angekommen, bei dem genau einer der angelegten Richtlinien zugewiesen werden kann. Da immer nur eine Richtlinie pro Anwender aktiv sein kann, müssen Sie natürlich die verschiedenen Kombinationen der "Phone usage" in Policies zusammen fassen.

Wenn das Feld "grau" ist, dann haben Sie beim vorherigen Schritt noch die globale Richtlinie aktiviert und nicht auf "per user" gestellt. Damit ist dem Benutzer eine passende Richtlinie zugewiesen worden.

VoIP-Leitwege und Filter

Erfahrene Exchange Administratoren können schon das Verfahren über Connectoren mit Adressräumen die Mails in Exchange über bestimmte Wege aus der Exchange Organisation hinaus zu leiten. Mit dem Office Communication Server gibt es eine vergleichbare Funktion, nur dass hier die Rufnummern herangezogen werden:

Beachten Sie, dass OCS normalerweise intern immer Rufnummern im E164-Format arbeiten.

In den globalen VoIP-Einstellungen müssen Sie unter "Routing" einstellen, über welchem Mediation Server diese Verbindungen geleitet werden. Als Filter kann hier die Telefonnummer genutzt werden (hier im Beispiel einfach ".*" für jede Nummer). Besser wäre hier ein "\+.*", um eine E164-Nummer zu erzwingen.

Der zweite Eintrag gibt das oder die Gateways an, welche für diese Verbindung genutzt werden können.

Aber der dritte Eintrag ist nun im Bezug auf die Berechtigungen bzw. "Phone usage" relevant. Hier können Sie eben genau die Optionen auswählen, die Sie ganz am Anfang konfiguriert haben.

VoIP Routen

Sie können also hier nicht nur abhängig von der Zielrufnummer die Gateways vorgeben, sondern die Benutzung noch einschränken.

Least Cost Routing und mehr

Das ist dann auch der heben, um z.B. über mehrere Regeln dann die Berechtigungen der Anwender zu steuern, z.B. in der Form (am Beispiel Paderborn)

Target Gateway Phone usage Beschreibung

+49525111\d

MedPB

Usage_DE_DEPBNotruf

Zugriff auf 110, 112 etc. erlauben.

+495251304\d{3]

MedPB

Usage_DE_DEPB304

Anrufe zu den klassischen Nebenstellen erlauben.

+495251\d*

MedPB

Usage_DE_DEPB

Ortsnetz Paderborn erreichbar machen

+49900\d*

MedPB

Usage_DE_DE900

Berechtigung für teure Dienstnummern.

+4917\d*

MedPB

Usage_DE_DEMobil

Anrufe in Mobilfunknetze erlauben

+49\d*

MedPB

Usage_DE
Usage_DEInternational
Usage_USInternational

Anrufe in das deutsche Festnetz zulassen

+1\d*

MedUSA

Usage_USNational
Usage_DEInternational

Anrufe in die uSA zulassen

+\d*

MedPB

Usage_DEInternational

Anrufe in die Welt aus Deutschland zulassen

+\d*

MedUSA

Usage_USInternational

Anrufe in die Welt aus Deutschland zulassen

Wird kein Leitweg gefunden, der auf die gewählte Rufnummer mit der erforderlichen Funktion zutrifft, dann ist die Gegenstelle nicht erreichbar. Über diese Konfigurationen kann man also z.B. verhindern, das bestimmte Personenkreise eine Amtsberechtigung erhalten.

Wobei sie schon genau überlegen wollen, ob sie z.B. den ersten Eintrag für die Notrufe "nur" für die PhoneUsage "Usage_Notruf" definieren und dafür sorgen, dass "Usage_Notruf" in allen Policies enthalten ist, oder ob Sie hier bei jedem Eintrage alle zutreffenden PhoneUsage-Einträge addieren. Der Eintrag, wie die internen Teilnehmer in Paderborn erreichbar sind kann ja für einen amerikanischen Anwender durchaus zutreffend sein. Warum sollte er mit einer "Usage_International" über das Gateway in den uSA und das TDM-Netz einen TK-Teilnehmer in Deutschland erreichen, wenn er intern per VoIP bis zum Gateway in Paderborn und dann da raus kommen kann.

Interessant wird dieses Routing natürlich, wenn eine Firma mehrere Gateways an verschiedenen Standorten verteilt betreibt und damit Telefonate über VoIP zu dem Gateway routet, welches am "billigsten" zum Ziel ist. Im Beispiele habe ich dazu das Gateway "MedUSA" eingebaut. Allerdings müssen Sie dann auch wieder sicherstellen, dass Funktionen wie "Clip no Screening" (Siehe auch Rufnummern) aktiv sind. Denn wenn ich aus Paderborn mit der +495251304613 über den Mediation Server in den uSA eine Rufnummer in den uSA anrufe, dann muss dort auch weiterhin meine deutsch Rufnummer als "Calling Line Indicator (CLIP) erscheinen und umgekehrt. Bei all dem "Least Cost Routing" muss aber immer noch eine korrekte Verrechnung der Leistung gewährleistet sein.

Sie sehen schon, dass bei vielen Standorten und unterschiedlichen "Phone usage" eine ordentliche Planung und ein Namenskonzept für die verschiedenen "Phone usage"

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