Notfallsystem

Die meisten Firmen haben Exchange oder ein anderes Mailsystem und immer mehr nutzen Skype für Business als zweite "schnelle" Kommunikationsplattform. Könnte man damit nicht ein Notrufsystem für eine Firma aufbauen? Diverse "alte" Telefonanlagen haben solche Funktionen ja auch als Zusatzkomponenten und wenn ich eine klassische TK-Technik ablösen will, dann könnte dies eine Anforderung sein. Diese Seite behandelt nur teilweise die Anforderungen an eine Personen Notruf Anlage (PNA)

Was ist ein Notruf

Es gibt ganz viele Überlegungen, wo ein Notruf sinn macht. Sie kenne sicher die Sprachdurchsagen im Kaufhaus und auch in öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es "Durchsage-Systeme", über die eine Leitstelle im Falle eines Problems sehr einfach alle Personen ansprechen kann, die sich im beschallten Raum befinden. Warum sollte jemand aber noch so eine Technik planen, installieren und betreuen, wenn heute doch fast jeder ein Smartphone hat und man auch per SMS, WhatsApp oder eine andere App. Die gibt es sogar schon

Sehr schnell werden Sie aber sehen, dass dazu die Anwender so eine App installiert haben müssen und dieser per Push auch "wach" werden darf. Zudem muss das Mobiltelefon angemeldet und mit dem Internet verbunden sein. Vielleicht gibt es auch noch Vorbehalte, das so eine App ja auch den Standort des Anwender melden muss, damit nur die Personen in einem bestimmten Radius benachrichtig werden. Was mit diesen Daten noch angefangen werden kann, ist eine andere Sache. Wenn ich keine Reisekostenabrechnung mehr machen müsste, dann könnte ich mir das schon eher vorstellen.

Die Zielgruppe

Wir richten den Fokus nun aber wieder auf Firmen und Organisationen. Auch hier gibt es einige einige Gruppen zu zu betrachten sind. Die erste die die Festlegung welche Quellen ich für eine Alarmierung anzapfen möchten

Organisatorischer Bereich Geografischer Bereich Beispiele
In der Firma Ein Standort

Beispiele für so eine Klassifizierung sind:

  • Feuer, Wassererschaden
  • Bombendrohung
  • Überfall, Einbruch, Wachmann-Alarm
  • Systemausfall (z.B. Produktionsmaschine steht)
  • "Totmannschalter" ausgelöst, z.B. weil sich ein
In der Firma Alle Standorte

Beispiele für so eine Klassifizierung sind:

  • Virenanschlag
  • Hackerangriff
Extern Lokaler Ort, Stadtteil

Beispiele für so eine Klassifizierung sind:

  • Hochwasseralarm
  • Feuer im Umfeld mit z.B. Luftverschmutzung
  • Sturm und Unwetter
  • lokale Unruhen
Extern Kontinent, Weltweit

Beispiele für so eine Klassifizierung sind:

  • Kriege

Sicher fallen ihnen noch mehr Beispiele ein.

Die zweite Zieldefinition orientiert sich an den Empfänger so einer Nachricht. Auch hier gibt es ganz unterschiedliche Kriterien.

  • Active Directory Konto
    Wer mit der "IT-Brille" an die Fragestellung herangeht, wird schnell an AD-Konten denken, die angemeldet sind. Früher gab es bei Novell ein "BRAODCAST" und selbst Microsoft hatte lange einen "NET SEND"- Funktion um ein Popup auf einem Bildschirm zu erzeugen. Das war aber nur eine "One Way"-Kommunikation ohne die Möglichkeit einer Statusabfrage. Und man musste einen PC haben
  • Mailadresse (z.B. Exchange Postfach)
    Exchange Administratoren bringen hier natürlich ihr System in Stellung. Es ist sehr einfach per API und CODE eine Mail auch an eine gerichtete Personengruppe zu senden, die in der Regel auch zeitnah gelesen wird. Das funktioniert sogar auf mobilen Geräten, man kann per "Einschreiben" die Zustellung absichern. Aber es ist nicht "Echtzeit" und sie wissen überhaupt nicht, wer gerade wo ist und Urlauber sehen solche Mails erst nach der Rückkehr. Hier steckt viel Störpotential, wenn es zu viele Meldungen werden
  • Skype für Business Account
    Diese Plattform hat doch auch alles: Es ist Realtime, man kann erkennen, wer gerade online ist, vielleicht sogar den Ort und es "poppt" direkt auf, selbst auf Mobilgeräten. Sogar eine Gruppenchat-Funktion ist möglich um darauf zu antworten

In allen Fällen stellt sich die Frage, wie Sie Besucher oder externe Mitarbeiter (also auch mich, wenn ich bei ihnen arbeite) mit einbinden. Was ist mit Mitarbeitern, die gerade nicht an ihrem PC sind oder sich in der Werkhalle bewegen, wo sie keine Netzwerkverbindung haben. Es gibt sicher auch Personen, die gar keinen PC oder ein AD-Konto haben, weil Sie in der Produktion eingesetzt sind. Die bekommen dann nicht mit, wenn es brennt ?

Je nach Alarmsituation ist zudem zu prüfen, ob die Plattform in dem Fall überhaupt noch funktionsfähig ist. Wenn z.B. das Netzwerk durch die Störung selbst gestört ist oder die Clients ohne Strom gar nicht mehr eingeschaltet sind, dann hilft die schönste Meldung nichts. Sie kommt einfach nicht an. Beim Einsatz in der Produktion müssen z.B. bestimmte Arbeiten immer von zwei Personen durchgeführt werden. Wenn Wachleute oder Wartungstechniker natürlich auch aus Lohnkosten alleine unterwegs sein sollten, dann sind in bestimmten Bereichen automatische Alarmgeber vorgeschrieben, z.B. ein Telefon, welches die Bewegung erkennt und bei Inaktivität selbst Alarm auslöst. Idealerweise mit einer Standortangabe und vielleicht sogar mit einem automatischen Verbindungsaufbau zu einer Notrufstelle. Hierfür gibt es ganz klare Vorgaben. Auch die "Nicht Erreichbarkeit" eines Geräts ist dabei ein Kriterium für eine Alarmauslösung.

Andere Meldungen sollen gar nicht an die große Glocke gehängt werden. Gerade der "Stille Alarm" ist z.B. in sensiblen Bereichen wichtig. Ich habe von Schulen gehört, in denen die Lehrer so über Vorfälle informiert werden und dann ohne Panik entsprechende Maßnahmen einleiten sollen. An anderen Orten sollten z.B. Geräte wie das SNOM PA1 eingesetzt sein, um mit Lync eine Durchsagen machen zu können. Andere Firmen haben eigene Durchsage-Anlagen, Blinklichter, Sirenen u.a.

Wir führen bei eigentlich allen Firmen bei einem Skype für Business Projekt die Diskussion über "Notrufe" und schon hier ist die Antwort nicht immer allgemein zu geben. Hier helfen aber oft natürlich die Mobiltelefone als legitime (und bessere) Option für einen Notruf, solange es die Funkabdeckung erlaubt.

Noch ein Fall für die IT ?

Erst wenn Sie diese Fragen für sich abschließen beantwortet haben, können Sie dann überlegen, welche Plattform in ihrer Umgebung für die Integration in Alarmsysteme genutzt wird. Bislang ist es aber eher so, dass dieses Spezialthema immer noch mit eigenen Geräten und eigener Infrastruktur bereit gestellt wird aber eine Kopplung an die IT natürlich möglich ist.

Ich habe aber schon gesehen, dass verschiedene Firmen ihre eigene Lösungen entwickelt haben, seit dem Microsoft das "NET SEND" abgeschaltet hat und Novell NetWare quasi nicht mehr präsent ist. Sie lösen das aber mit einem Windows Dienst oder einer Desktop App im Tray, die eine Verbindung zu einem Server aufrecht erhält, der entsprechende Meldungen bereit legen kann. Die Meldungen werden dann in Form eines "Tickers" am Bildschirmrand angezeigt. Das ist quasi die moderne Version eines RSS-Feed mit passender Anzeige und sehr schneller Aktualisierung.

Wenn man so ein Programm und den passenden Service im Backend schon etabliert hat, kann dieses Programm bei Alarmsituationen natürlich auch z.B. die Bildschirmfarbe ändern oder sogar den Bildschirm sperren.

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