Teams auf Linux

Seit Anfang 2020 bietet Microsoft sogar Teams für Linux als Debian (.deb) und Redhat (.rpm)-Paket an. Schon vorher war es möglich, allein mit einem Browser auf Linux mit Teams zu arbeiten aber das war "auf eigenes Risiko". Mit einem offiziellen Client ändert sich das und das ist nicht nur für die Mitarbeiter für Linux Workstations interessant, sondern auch für Thin-Clients, die oft auf Linux basieren.

Download und Installation

Microsoft hat extra einen Kurzlink für die Installation von Teams auf Linux bereit gestellt, auf dem auch die beiden Download-Pakete bereitgestellt werden:

https://aka.ms/get-teams-linux

https://packages.microsoft.com/yumrepos/ms-teams/

Achtung: Es gab schon vorher "Teams Clients" für Linux, die von anderen Entwicklern auf Github bereitgestellt wurden. Sie haben allesamt die Browser-Version quasi in einer Electron-App eingebunden.

Ich möchte nicht behaupten, dass Microsoft viel anders macht. Allerdings haben die anderen Projekte quasi die Entwicklung eingestellt.

Auf die Installation eines DEB/RPM-Pakets muss man eigentlich nicht genauer eingehen. Für die Windows Admins: Das ist etwas das, was Microsoft als MSI-Paket bereitstellt. Es ist quasi ein gepacktes Archiv mit einer Einrichtungsanleitung für den "Paketmanager" auf ihrem Linux-System. Je nach Linux-Derivat müssen Sie das passende Paket herunterladen und installieren.

Paketformat Linux Derivate

RPM

RedHat, CentOS, Fedora, openSUSE, Sailfish, MeeGo, Mandriva
https://de.wikipedia.org/wiki/RPM_Package_Manager

DEB

Debian, Ubuntu, Lubuntu, Edubuntu, freeBSD, OpenSolaris
https://de.wikipedia.org/wiki/Debian-Paket

Nach dem Download per Browser und einem Klick darauf startet sich in der Regel der passende Paketmanager und installiert Teams. Ggfls. müssen Sie die Installation noch mal als Administrator bestätigen.

Blick in den Unterbau

Es gibt zwar in Teams ein Menu "nach Updates suchen" aber Sie werden dann einfach auf den Paketmanager verwiesen.

Die Installation hat die Microsoft Quelle hier zur Muon-Paketverwaltung addiert, so dass Updates darüber erfolgen.

Anders als bei Windows kann Teams auf Unix also kein "Selbstupdate" machen.

Danach sollte sich Teams einfach in ihrem Startmenü auffinden lassen. Ich habe die Installation auf Lubuntu mit dem Debian-Paket durchgeführt.

Interessanterweise Stand bei mit immer noch "Preview", obwohl es schon Version 1.3.00.958 war

Etwas ungewöhnlich ist noch das Icon in der Trayleiste. Ich vermute, dass das einfach noch niemandem bei Microsoft aufgefallen ist

Allerdings sehen Sie auch hier die Option entsprechende Protokolle abzurufen. Unter Linux ist es aber nur eine Protokolldatei, die dann in "/home/username/.config/Microsoft/Microsoft Teams/logs.txt" landet und direkt im Text-Editor geöffnet wird. Weitere Diagnosemenüs über die bekannten 7xLinks+1xRechts-Klicken konnte ich aber nicht ausfindig machen. Das Verzeichnis ist auch ganz schön voll

Einfach nur einmal Teams starten und ein paar Kanäle anklicken ergibt schon einige Megabyte

Ich gehe davon aus, dass hier noch mehr Dateien landen, das der Linux-Client natürlich auch gewisse Daten "cached". Selbst ohne Netzwerkverbindung konnte ich bereits schon mal genutzte Teams und Kanäle samt der Chats anschauen.

Teams hat sich zusätzlich bei meinem Benutzer als "Autostart" eingetragen. Das ist mit Windows ziemlich ähnlich. Auch hier gibt es im Benutzerprofil unter ~/.config/autostart eine Datei "teams.desktop" mit folgendem Inhalt:

Die Installation des Teams Client selbst erfolgt in /usr/bin/Teams. Zusätzlich registriert die Teams-Installation noch einen Mimetype in der Datei ~/.config/mimeapps.list

[Default Applications]
x-scheme-handler/msteams=teams.desktop

Damit können Sie im Browser z.B. folgenden Links anklicken msteams://teams.microsoft.com/ und entsprechende Hyperlinks in Mails etc. funktionieren dann auch

Funktionsumfang

Da gibt es nicht viel zu sagen. Alles, was ich bislang getestet habe, hat funktioniert. Dazu zählten auch Audio und Video als auch Desktop Sharing. Da ich aber nicht regelmäßig mit Linux arbeite, kann ich hier keinen aktuellen Status liefern.

Interessant ist auch, dass Teams auch hier den Exchange Online-Kalender anzeigen und verändern kann. Es überrascht mich nicht, da diese Kommunikation ja über das Backend geht aber so habe ich unter Linux mit Teams sogar einen offiziellen Blick in meinen Kalender. Nun fehlt nur mein Postfach. Das geht aber immerhin schon per OWA.

Allerdings sind einige Funktionen etwas verändert. Wenn ich z.B. ein Desktop-Sharing mache, dann minimiert sich Teams bis auf ein kleines Infofenster, welche ich auch noch schließen könnte. Es fehlt auch der rote Rahmen um den Desktop als Hinweis.

Neben dem Desktop kann ich aber auch das Whiteboard und alle PowerPoints nutzen, die ich zuletzt bearbeitet habe. Zumindest solange sie im Team bzw. OneDrive liegen. Da ich diesen Linux-Desktop aber vorher noch nie genutzt habe und lokal keinerlei Daten vorliegen, ist es interessant zu sehen. wie schnell ich auf einem neuen PC produktiv sein könnte.

Benachrichtigungsfenster

Teams möchte ja auch auf Linux die Benachrichtigungen als Fenster anzeigen. Vergleichbar zu Windows gibt es aber auch hier je nach Oberfläche unterschiedliche Wege. Teams scheint auf XFCE hier ein 1x1 Pixel Fenster zu öffnen, damit in der Taskleist etwas" blinkt". Nicht elegant aber wirksam. Je nach Einstellung kann das Popup aber nicht mehr geschlossen werden oder kommt immer wieder. auf XFCE gibt es das Tool "Window Manager Tweaks". Stellen Sie dort die Einstellung bei "When a window raises itself:" von "Bring window on current workspace" auf "Switch to window's workspace", um das Problem zu lösen.

Das Verhalten ist Microsoft bekannt und sollte also irgendwann gelöst sein.

Teams auf Thin Clients

In vielen Firmen werden "Thin Clients" eingesetzt, d.h. kleine Systeme, die nur als Terminal dienen und die eigentlichen Applikationen auf einem Windows Terminal Server oder Citrix Server oder VMWare View o.ä. laufen. All diesen Lösungen ist gemein, dass die Applikation im Datacenter läuft und über die Leitung nur Ein/Ausgaben gehen. Das ist eine super Lösung für einfache Standardanwendungen, bei der Tastatureingaben zum Server und Bildschirmausgaben zum Client übertragen werden. Gerade für Produktion und Office-Arbeitsplätze kann die Verwaltung (Zentrale Update auf dem Terminal Server statt auf vielen Clients) einfacher und günstiger sein. Zudem bleiben die Daten immer in der Zentrale und vor Ort liegen keine Informationen auf lokalen Speichern (Sicherheit).

Für VoIP ist dieses Setup aber negativ, da Audio bestimmte Anforderungen an die Latenzzeit und Video an die Bandbreite stellt und ein zentralistischer Ansatz eher negativ ist. Auch die Verarbeitung auf dem zentralen Server ist ein Problem. Ein Skype for Business Client oder Lync-Client konnte nicht auf dem ThinClient installiert werden. Über VDI und anderen Techniken hatten Microsoft und die Hersteller schon früher versucht, Audio/Video nicht durch den Terminal Server, sondern dran vorbei zu leiten.

Mit Teams auf Unix oder Teams auf Chrome ergeben sich hier aber ganz neue Ansätze, auf dem Thin Client bestimmte Funktionen direkt umzusetzen. Über Office Apps in Teams könnte sogar die Bearbeitung von Office-Dateien auf dem Client erfolgen.

Dann fehlt eigentlich nur noch der Zugang zu den anderen "Apps" als Teams-App oder über einen Browser in einem Teams-Kanal.

Leider habe ich noch keine Teams-Implementierung auf dem ThinClient umgesetzt. Wenn Sie hierzu schon Erfahrungen gesammelt haben, dann bloggen Sie doch darüber und nennen Sie mir den Link.

Weitere Links

https://aka.ms/get-teams-linux