Network Assessment: Erste Messung

Network Assessment: Erste Messung

Die meisten Menschen gehen zum Arzt, wenn sie sich krank fühlen. Ein Netzwerk ist eher wie ein Wildtier, welches leise leidet um von den Jägern nicht bemerkt zu werden. Sie müssen schon genau nachschauen, um ein Krankheitsbild zu erkennen. Beim Netzwerk Assessment ist es fast immer genau so, dass Firmen entweder erst kommen, wenn auch die Anwender schon den Aufstand proben oder die Symptome anderweitig nicht mehr zu verbergen oder zu übersehen sind.

Wir schauen erst mal...

Ein Netzwerk Assessment ist ein Prozess, der sich über mehrere Wochen hinzieht und für die meisten Netzwerkadministratoren ist es auch eine Lernkurve, da sie sich bislang nicht verdeutlicht haben, was eine Cloud-Strategie für ihren Arbeitsplatz bedeutet. Primär nämlich eine Zunahme an Arbeit und Komplexität. Aber meist werden ja schnelle Lösungen erwartet und um das Problem etwas besser einzukreisen, kann man ja schon mal den aktuellen Zustand messen. Im Hinblick auf Office 365 ist das der Zeitpunkt, wo irgendjemand schon mal mit einem Test-Tenant angefangen hat und schon früh an die Grenzen gekommen ist. Schlimmer ist es, wenn die Migration schon im vollen Gange ist. Dennoch sind wir ja noch nicht einmal sicher, ob es "das Netzwerk" ist.

Für eine erste Messung eigenen sich daher zwei Basistests, die relativ schnell aufgesetzt sind und einige Stunden laufen können. Sie "gefährden" in der Regel nicht das Netzwerk, da die Belastung gering ist. Wenn aber diese Tests schon Probleme zeigen, dann ist das Symptom zumindest bestätigt. folgende Tests nutze ich dabei in erster Linie

  • SfB Online Network Assessment Tool
    Diese einfache Tool simuliert von einem PC im Lan einen VoIP-Call zu einem Office 365 Edge Server. Über entsprechende Parametrisierung kann der Anruf mehrfach wiederholt werden. Wer die Ausgaben aus der CSV-Datei grafisch aufbereiten will, kann das z.B. mit PRTG und SfB Online Network Assesssment erledigen. Das Tool liefert auch gleich Grenzwerte mit.
  • End2End-HTTP
    Mit diesem Werkzeug simuliere ich Zugriffe auf Webserver, z.B.: die Outlook Web Access-Seite. Die Erreichbarkeit ist hierbei weniger wichtig. Interessanter ist auch hier die Latenzzeit und vor allem die Kontinuität. Anders als das Auslesen von Switches per SNMP im 5-Minuten-Takt erfolgen diese Messungen sehr eng und selbst einzelne Ausreißer oder Aussetzer werden berichtet.

Diese Werkzeuge sind in der Regel innerhalb eines Tages aufgesetzt, so dass zum Ende des Tages zumindest für den Messzeitraum ermittelt werden kann, ob es schon knirscht.

Natürlich wird man diese Messungen dann nicht beenden, sondern weiter laufen lassen. In der frühen Zeit eines Office 365-Projekts sind ja nur wenige Personen in der Cloud und die Probleme treten vielleicht nicht kontinuierlich sondern sporadisch auf.

Beispielausgabe

Ich habe hier mal eine Beispielausgabe eines Netzwerks über eine sehr kurze Zeitspanne von 2 Stunden, in der der blaue "Average"-Wert immer unter 200ms geblieben ist, d.h. jeder Request im Abstand einer Sekunden war im mittel so schnell.

Die obere Linie zeigt aber auch, dass die "langsamsten" Request innerhalb einer Periode von 60 Sekunden schon mal 2 Sekunden gedauert haben. Die dunkle Linie gibt aber die "Anzahl" der langsamen Anfragen an. Die Schwelle, ab wann etwas langsam bewertet wird, muss ich natürlich vorgeben. Aber es sind immer nur einzelne Ausreißer und daher keine "Bursts", die auf eine temporäre Überlastung schließen lassen würden.

Wobei man auch hier relativierten muss, dass jede Annahme einer Messung sich auf eine Problemstellung konzentriert aber nicht alle Eventualitäten berücksichtigen kann.

Messen mit Belastung

Noch haben wir keine Definition der Personas erstellt aber wenn die technischen Ressourcen verfügbar sind und die Zeit es erlaubt, dann können wir natürlich den Weg zu Office 365 erst unter Last setzen. Es gibt noch andere Dateien in Office 365, die per PowerShell ohne Limit herunter geladen werden können. So kann zumindest die Empfangsrichtung schon mal temporär "verschlechtert" werden.

Auch wenn das kein vollwertiges Network Assessment ersetzt, so lässt sich damit eventuell erkennen, ob die aktuelle Qualität belastbar ist oder nicht. Diese Phase sollte aber in enger Abstimmung mit dem Helpdesk und Netzwerk erfolgen und alle beteiligten Personen sollten wissen, wo der "Not-AUS"-Schalter ist. Denn dieser Test kann durchaus den Betrieb stören.

Sollte das aber der Fall sein, dann sind sie relativ sicher, dass das aktuelle Netzwerk wohl noch nicht "Ready" ist und ein Network Assessment dringend angeraten ist.

Unabhängig davon können Sie aber die eigentlich nur temporär aufgesetzten Überwachungen durchaus weiter betreiben. Zudem verbietet ihnen niemand ihre aktuelle Monitoring-Lösung umzubauen, um bei den nächsten Schritten des Network Assessment zu unterstützen.

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