CCE für Carrier und Trunk-Provider

Microsoft Office 365 macht Ernst mit der Telefonie aus der Cloud. In 5 Ländern (Stand März 2017) ist Telefonie mit Rufnummern von Microsoft schon verfügbar. Davon sind Spanien und Frankreich schon in Europa. Zwei weitere Länder sind in Preview und die VoIP-Verwaltung ist auch schon auf Deutsch verfügbar. Wer heute noch mit CCE oder Hybrid in der Cloud telefoniert, könnte also alsbald alles von Microsoft bekommen. Diese Seite beschreibt eine Option, mit der Carrier weiter ihre Kunden behalten können und sogar einen Mehrwert anbieten. Denn es gibt mit CloudPBX und PSTN-Calling durchaus ungelöste Anforderungen.

Beispiel Net at Work

Es ist Anfang 2017 und Net at Work nutzt natürlich schon seit OCS2007 die Segnungen der modernen Kommunikation. Instant Messaging, Präsenz, Konferenzen und Telefonie stellt unser lokaler Skype for Business Server bereit: Über den Hybrid-Mode sind einige Personen schon in der Cloud und es könnten viel mehr werden. Der Betrieb in der Cloud hat durchaus seine Vorteile für Reisende, Heimarbeitsplätze und auch die Verfügbarkeit und Aktualität ist dort einfach „mit drin“. Ein lokaler Service muss aufwändig eigenverwaltet werden und das Gateway samt ISDN-S2M-Leitung sind zusätzlich zu betreiben.

Wir nutzen On-Prem auch Response Groups, die aber nicht von Office 365 Anwender angesprochen werden können. Call Queues in der Cloud können aber nicht mit „On-Prem Usern“ bedient werden. Der Hybrid-Mode ist für solche Szenarien also eher eine Übergangsphase der Migration und bei viel größeren Firmen ein Dauerbetrieb.

Allerdings haben wir natürlich auch noch eine Türstation (SIP), ein paar DECT-Telefone (SIP), analoge Modems (Alarmtechnik) etc. Die Welt ist nun mal nicht einheitlich und das dürfte bei allen Firmen so der Fall sein. Lösungen, die analoge Endgeräte oder SIP-Geräte an die Cloud anbinden, funktionieren aktuell nicht, da die von Produkten wie Sip2Lyn und Audiocodes SPS genutzte UCMA-Schnittstelle in der Cloud nicht zur Verfügung steht.

CCE als Alternative ?

Eine heutige Lösung kann hier eine Cloud Connector Edition mit einem passenden Gateway sein, welches statt einer vollwertigen On-Prem-Umgebung lokal bereitgestellt werden kann. Damit sind 100% der Anwender in der Cloud erreichbar und das lokale Gateway kann durchaus noch „normale SIP-Endpunkte“ bedienen. Auch wenn die CCE eine „geschlossene Box“ ist, so ist es ein System, welches „verwaltet“ werden muss. Es ist eine Hardware, die ausfallen kann und Telefonie ist nun mal „wichtig“. Natürlich bleibt im Gegensatz zu CloudPBX mit einer lokalen CCE auch der Audio-Datenstrom „lokal“. Die Lösung kann also schon die meisten Szenarien abdecken, wenn nur nicht das lokale Gateway, der lokale SIP-Trunk bzw. ISDN-Anschluss, und der HyperV-Server mit den vier CCE-VMs wäre.

Hosted CCE

Bei Net at Work ist es aktuell so, dass die Internet-Anbindung über EWE-TEL per Glasfaser bereitgestellt wird. Über die gleiche Leitung kommt mit einem Multiplexer auch noch eine ISDN-S2M-Leitung. Zum Zeitpunkt der Installation hat EWE noch keinen SIP-Trunk angeboten, so dass diese auf beiden Seiten zusätzliche Hardware aufbauen mussten um ISDN und Ethernet über die gleiche Faser zu leiten. Zudem haben wir On-Prem natürlich wieder ein ISDN zu IP-Gateway und die komplette Skype for Business Topologie am Start. Je kleiner eine Firma ist, desto unwirtschaftlicher wird das natürlich.

Auf der anderen Seite haben wir eine sehr schnelle WAN-Leitung zumindest zu unserem Provider, für die er sicher auch QoS bis in sein RZ und vielleicht zukünftig auch mal für Office 365 bereitstellen kann (Siehe auch Express Way). Ich könnte also durchaus auch Rackspace dort mieten und das eigene RZ einfach "umziehen". Aber eigentlich will ich ja in die Office 365 Cloud, da ich mich nicht einmal mehr um Server und Betriebssysteme kümmern sondern nur die Services nutzen will. Mir fehlt nur noch die Telefonie in der Cloud und eventuell zusätzliche Mehrwerte. Und hier könnte mein "City-Provider" ein Produkt schnüren, da Sie WAN-Verbindung und Telefonie bereitstellen können und im Gegensatz zu Office 365 auch andere Clients (SIP-Clients, Fax-Services etc.) effektive betreiben können, als ich es On-Prem will und Office 365 aktuell nicht kann.

Für jeden Office 365 Tenant brauchen wir natürlich eine eigene CCE-Umgebung aber die vier Server werden sicher nicht bei allen Firmen immer voll ausgelastet sein. Man könnte daher durchaus mehrere CCE-Farmen auf dem gleichen Hyper-V Host betreiben und über mehrere Hosts oder Instanzen auch verfügbar halten. Zudem könnte der Provider sich um die ganze Rufnummern und SIP-Trunks kümmern. Alternativ ist es immer noch möglich, dass ich "meinen HyperV" als Managed Service bekomme. So teuer ist ein Pizzablech als Host ja auch nicht.

Eigentlich eine Win-Win-Win Situation:

  • Telefonie wird auch in Office 365 ohne Microsoft möglich
  • Rufnummern müssen nicht portiert werden
  • einzelne Rufnummern können vom CityProvider anderweitig (Fax-Server, ACD, Unteranlagen etc.) ausgeleitet werden
  • Der City Provider hat eine erweiterte Kundenbindung (Telefonie und Internet)
  • Der City Provider hat mehr Know-How für den CCE Betrieb und kann auch 24x7 anbieten
  • Der Kunde hat ein deutlich vereinfachtes und reduziertes System bei sich vor Ort
  • Microsoft kann Skype for Business Online mit Telefonie anbieten ohne selbst sich um Nummern kümmern zu müssen.

Ich bin eigentlich nur mal gespannt, ab wann Provider diese Chance sehen, ihren Kunden nicht nur die nackte IP-Transportleistung in Form eines Internetanschlusses und einer S2M-Leitung anzubieten.

Angebote ?

Es gibt tatsächlich schon erste Firmen, die CCE hosten. Ich sammle aber erst noch ein paar Angebote und warte auf das ein oder andere Feedback, ehe ich eine Liste veröffentliche. Vielleicht hat dieser Artikel aber den ein oder anderen angespornt, ein entsprechenden Hosting zu überlegen

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