Aufreger: Team ersetzt Skype for Business!

Auf der Ignite 2017 hat Microsoft angekündigt, dass Skype for Business ersetzt und natürlich wurde diese Meldung durch alle Kanäle verbreitet und wiederholt. Es hat schließlich einen "Aufreger"-Status und verunsichert Skype for Business Kunden und Interessenten. Hier meine Einschätzung dieses Themas

Fakt ist, dass ...

  • ...Skype for Business Online, d.h. die "Cloud-Version" der Plattform für "Präsenz, Instant Messaging, Konferenzen und Telefinie" wird irgendwann durch Microsoft Teams abgelöst. Auch wenn es keine öffentliche Roadmap (Stand Sep 2017) gibt, dürfte das noch viele Monate dauern. Bis Skype for Business Online nicht mehr zur Verfügung steht, würde ich eher Jahre ansetzen.
  • ..Das sagt aber nichts über die OCS, Lync 2010, Lync 2013 und Skype for Business Server Systeme aus, die lokal bei Kunden installiert sind oder gerade installiert und geplant werden. Skype for Business "OnPremise" gibt es und wird es noch viele Jahre geben.
  • .. Microsoft im gleichen Atemzug Skype for Business 2019 als nächste Version angekündigt hat.
    mit einer neuen Version zum Jahreswechsel 2018/2019 zzgl. 5 Jahre Support ist eine Mindestlaufzeig bis 2024 möglich. Bis dahin ist noch viel Wasser den Rhein runter geflossen.

Also alles wie gehabt und weiter so ?

So sah die Microsoft-Welt vor Teams aus

Schauen wir uns doch mal das Angebot von Microsoft vor dieser Ankündigung an:

  • Skype for Business OnPremise
    Ein robustes stabiles System, welches viele Firmen erfolgreich einsetzen und auf eine lange Vorgeschichte (Siehe OCS Geschichte). Es gibt das Produkt also schon viele Jahre in der ein oder anderen Form und erst mit dem Wechsel auf Lync 2010 gab es einen grundlegenden Wechsel der Services. Trotzdem konnten auch diese Server mit der "alten OCS-Welt" kommunizieren und selbst die Clients waren kompatibel. Beim Meeting hat sich natürlich etwas geändert.
    Es gibt mittlerweile ein umfangreiches Spektrum ans 3rd Party Produkten und  Dienstleitern.
  • Skype Consumer
    Vor vielen Jahren hat Microsoft ja auch "Skype" für Endanwender gekauft. Dies ist eine "Cloud Only"-Lösung und in 2014 wurden angeblich 38% aller Gesprächsminuten weltweit über Skype geführt. Dieses Angebot existiert lange und über geplante Änderungen kann ich nichts berichten. Sie sollten aber auch wissen, dass Outlook.com (Das kostenfreie Postfach für Konsumenten) und Exchange Online die gleiche Plattform nutzen. Die URL zum Verwalten von Exchange Online per PowerShell lautet https://ps.outlook.com. Skype Consumer ist meines Wissens eine anderen Plattform aber ich bin sicher, dass TK-Strukturen heute schon gemeinsam genutzt werden. Skype Consumer lebt sicher weiter.
  • Skype for Business Online
    Die "Cloud Version" teilt sich, soweit man das extern beurteilen kann, einen größeren Anteil der Code-Basis mit Skype for Business OnPremise. Wer aber schon mal Skype for Business OnPremise für 50.000 Benutzer plant, kann sich vorstellen, dass dies für Millionen von Anwendern zum Horror werden kann. Cloud-Dienste haben ganz andere Anforderungen sowohl an die Server als auch die Clients. Da wird Microsoft mit Skype for Business Online verschiedene Klimmzüge machen müssen. Wenn Sie schon ein Hindernis sehen können, würden sie dann nicht auch schnell die Spur wechseln?

Wenn ich bei Microsoft zu entscheiden hätte, hätte ich schon viel früher überlegt, diese drei Plattformen zusammen zu führen um Ressourcen zu sparen. Landläufig wird das als Synergie verkauft. Allerdings hat Microsoft nun einen anderen Weg gewählt und mit "Microsoft Teams" ein ganz neues Produkt gestartet. Ein Stück weit wird man natürlich beobachtet haben, wie Menschen ihre Kommunikation verändern und sicher wird auch der schnelle Erfolg von "Slack" hier den Druck erhöht haben, ein vergleichbares Angebot  zu haben. Aber nur weil eine kleine Zielgruppe von einem Produkt profitiert, muss man ja nicht gleich alle Anwender auf die neue Plattform zwingen. Viele Firmen stehen ja noch am Anfang ihres Umstiegs vom "Tischtelefon" auf eine "PC-Kommunikation".

So geht es OnPremise weiter!

Ja, es geht natürlich weiter. Microsoft hat ja im gleichen Vortrag auch verkündet, dass es mit Skype for Business 2019 die nächste Version des Servers für den Eigenbetrieb entwickelt wird und vielleicht Ende 2018 sogar schon verfügbar sein könnte. Nun ist 1 Jahr noch lange hin und wer Software entwickelt, sollte sich hier nicht immer so genau festlegen. Wir haben ja schon bei Exchange festgestellt, dass hier jedes Update immer eine Vollinstallation ist und genau genommen es immer eine neue Version ist. Das Marketing und das Lizenzmanagement drängen hier wohl eher alle drei Jahre auf eine neue Nummer,. damit die Update-Lizenzen und CALs für frische Einnahmen sorgen, wenn die Kunden nicht eh schon auf ein Mietmodell umgestiegen sind.

Für mich heißt das aber zugleich, dass mit dem üblichen Wartungsversprechen (5 Jahre) noch bis 2024 ein Betrieb von Skype for Business im eigenen LAN nicht nur möglich sondern sogar gesichert sein wird. Das ist ganz schön lange hin und auch wenn die früheren TK-Anlagen gerne auf 10-20 Jahre projektiert wurden, gilt dies für moderne Kommunikationsmittel schon lange nicht mehr. Für viele ist es normal ein Smartphone alle 2 Jahre zu wechseln und viele TK-Anlagen Verträge laufen heute auch nur noch 5 Jahre.

Natürlich bin ich nicht super glücklich mit der Art wir Microsoft durch die Veröffentlichungen viele Personen verunsichern. Aber wir wissen doch alle, dass Marketing nun mal mit lauten Aussagen am besten funktioniert. Das Echo in den sozialen und Printmedien hat ja wieder gezeigt, dass die Aufmerksamkeit erreicht wurde. Nun ist es aber wieder an der Zeit die Fakten zu untersuchen, um die Zukunft von "Skype for Business" zu bewerten.

Was mit Skype for Business 2019 aber wohl entfallen wird ist der "Persistent Chat"-Service. Ich kenne nur sehr wenige Installationen und auch hier gibt es mit Office Groups, Yammer oder auch Teams sogar mehr als einen Ersatz. Die meisten Firmen werden diesem Verlust vermutlich nicht einmal nachtrauern.

Online geht es so weiter

Der Weg in der Cloud ist hingegen auch schon vorgezeichnet. Jetzt, wo Microsoft mit Teams den Nachfolger von Skype for Business Online beim Namen genannt hat, können Sie die Monate zählen, ab wann neue Tenants gleich mit Teams starten und bestehende Tenants von Skype for Business auf Teams umgestellt werden. Aktuell werden aber beide Plattformen parallel nebeneinander betrieben und automatisch umgestellt wird auch nicht.

...merging the Skype for Business client in Office 365 into Teams client over time‘
Quelle: https://social.technet.microsoft.com/wiki/contents/articles/40263.microsoft-teams-replacing-the-skype-for-business-client.aspx 

Es obliegt also dem Kunden, ab wann er Teams nutzen will. Daher gibt es auch Skype for Business Online Lizenzen weiterhin zu kaufen. Das ist auch gut so, weil viele Dinge in Teams noch nicht möglich sind, z.B. die Telefone von Audiocodes, Polycom und Yealink sprechen aktuell nur Skype for Business Online oder OnPremise und selbst das Surface Hub ist noch nicht "Teams"-Ready. (Stand Sep 2017).

Teams ist aber sowohl das modernere Backend als auch Frontend, wie in den beiden Zitaten auch deutlich wird

built on a new, modern Skype infrastructure for enterprise-grade voice and video communications. Our next generation, cloud-born architecture is already powering communication experiences in Teams, and is evolving rapidly. We are excited about this new infrastructure because it will provide both speed of innovation as well as higher quality communication experiences.​
Quelle: https://blogs.office.com/en-us/2017/09/25/a-new-vision-for-intelligent-communications-in-office-365/

Teams will evolve as the primary client for intelligent communications in Office 365, replacing the current Skype for Business client over time.
Quelle: https://blogs.office.com/en-us/2017/09/25/a-new-vision-for-intelligent-communications-in-office-365/

Insofern ist es sinnvoll schon heute sich Teams anzuschauen, insbesondere wenn Sie Skype for Business Online kaum oder gar nicht nutze. Teams könnte schon heute der bessere Client für ihre Kommunikationsanforderungen (IM/Chat/Presence/Konferenz) sein und 

Ich bin sicher, dass Microsoft die Bereiche, wo der Skype for Business Client noch Teams schlägt, sehr schnell in Teams stärken wird, so dass Teams auch hier Skype for Business überholt und die Online Kunden schon von sich aus wechseln wollen. ein Mischbetrieb von Skype und Teams ist heute schon möglich und eine lokale TK-Anbindung wie es die CCE für Skype for Business Online bereitstellt, wird es in irgendeiner Form auch wieder geben genauso wie eine Hybrid-Umgebung mit einer OnPremise-Installation von Skype for Business

Ähnlich wie beim Wechsel damals von OCS (Office Communication Server) als Lync2010 ist aber auch beim Wechsel von Skype for Business zu Teams ein größerer Bruch vorhanden, wenn es um Meetings geht. Die Plattform des Organisators bestimmt das Format. Wenn ein Teams-Benutzer ein Meeting startet und ein Anwender ohne Teams dran teilnehmen will, dann kann er das z.B. per Webbrowser machen. Auch umgekehrt kann ein Teams Client noch nicht in einem Skype for Business Meeting als Teilnehmer beitreten.

Allerdings ist zu merken, dass Microsoft an Teams gerade sehr intensiv entwickelt und quasi wöchentlich neue Funktionen dazu kommen und Clients aktualisiert werden. Das geht auch daher einfach, weil der Teams-Client nicht durch einen Administrator installiert wird sondern als Benutzer unter %appdata%\Local\Microsoft\Teams zu liegen kommt. Das kann ein Anwender ganz ohne zentrale IT installieren und nutzen, zumindest wenn kein Applocker die Ausführung von Code aus dem Benutzerverzeichnis unterbindet.

Ich selbst kann (Stand Sep 2017) über einen Tenant in den USA und PSTN-Calling (Preview) sogar schon mit einem Teams-Client "telefonieren" und angerufen werden. Technisch ist Microsoft hier schon ziemlich weit aber noch ist der Weg lang und steinig aber die Marschrichtung ist klar vorgegeben. Es werden interessant und spannende Monate. Teams dürfte die Kommunikation ähnlich umkrempeln wie das Mobiltelefon die Telefonanrufe oder WhatsApp die SMS-Nutzung und Smartphones das Arbeitsleben.

Die Vision

Im Vortrag "BRK2035 - Plan your UC refresh correctly - Skype for Business on-premises vNext" auf der Ignite 2017 wurde aber auch eine interessante Folie gezeigt.:

In Verbindung mit Informationen zu Skype for Business 2019 wurde hier zumindest der Wunsch deutlich, den Microsoft hegt: Natürlich können Sie auch zukünftig noch einen Skype for Business 2019 Server installieren, der aber in Verbindung mit dem Hybrid-Mode noch leistungsfähiger wird und letztlich alles in Teams münden kann. Bis dahin gehen aber sicher noch einige Jahre ins Land und in Stein gemeißelt ist so eine Aussage natürlich nicht.

Weitere Links