Exchange Hybrid Verbindungen

Der Hybrid-Mode zwischen Office 365 und einer On-Prem-Umgebung bedeutet, dass die Identitäten auf beiden Seiten synchron gehalten werden müssen.

Video zu Exchange Hybrid

In 10 Minuten fasse ich die wichtigsten Dinge zum Hybrid Mode zusammen.

Das ersetzt natürlich nicht das Lesen des Artikels.

Exchange Hybrid Verbindungen
https://www.youtube.com/watch?v=B9FN3R315mA

Exchange Hybrid – Was, Warum und Wie (Thomas Stensitzki)
https://www.youtube.com/watch?v=5C2T7oqZGwU

Übersicht

Das "große Bild" kann erst einmal verwirren. Es zeigt aber den "maximalen Vollausbau" eine Hybrid-Umgebung. Allerdings benötigen Sie nicht alle Verbindungen sondern meist nur eine Teilmenge.

Welche Verbindungen letztlich erforderlich sind, hängt von ihrer Exchange Version, der Dauer und dem Umfang der Koexistenz ab. Microsoft unterscheidet mittlerweile zwei Features und zwei Topologien.

Auf dem Bild sehen Sie zwei Verbindungen, die "grau" sind. Diese Funktionen sind nicht erforderlich, wenn Sie "Modern Hybrid" mit dem Agent umsetzen.

Verzeichnisabgleich

Es muss sichergestellt werden, dass Dienste in der Cloud und lokale Dienste die gleiche Sicht auf die möglichen Empfänger haben. Es ist dabei irrelevant, wo die Empfänger physikalisch sind. Exchange Postfächer können „OnPremises“ als auch in Exchange Online liegen. Es gibt aber weitere Empfänger wie Office Groups, öffentliche Ordner, SharePoint Libraries, Teams Channel u.a.

Da für den Hybrid-Mode zwei Exchange Organisationen miteinander verbunden werden, ist ein Verzeichnisabgleich zwingend erforderlich.

  • Exchange GAL
    AADConnect ist für die Pflege der Empfänger in der Cloud zuständig. Es gibt keinen Dienst in Exchange, der ihnen diese Arbeit abnimmt
  • Exchange Weiterleitung
    AADConnect pflegt auch das Feld "TargetAddress" mit dem Empfänger auf einer Seite von der anderen Seite aus erreichbar werden.
  • Anzeige von Verteilern
    Auch Gruppen sind erst einmal AD-Objekte mit Exchange Properties und damit ist es AADConnect, der diese Elemente in der Cloud verwaltet und die Mitglieder aktuell hält.
  • Erreichbarkeit von Verteilermitgliedern
    AADConnect repliziert in dem Zuge auch die Exchange Properties, insbesondere die Mailadressen, damit die Verteiler auch auf beiden Seiten erreichbar sind.
  • Free/Busy-Abfragen
    Der Inhalt des Felds TargetAddress ist maßgeblich, damit die Exchange Umgebung mit ihrem Postfach weiß, wo sie diese Daten beziehen kann.
  • Exchange UM-Information
    Auch die Informationen zur Voice-Mail sind AD-Properties, die AADConnect überträgt
  • Exchange Online Archiv in der Cloud
    Damit Exchange Online weiß, welcher Benutzer sein Archiv in der Cloud hat, müssen auch diese Felder durch AADConnect übertragen werden.

Sie sehen also, dass an AADConnect und einen kompletten Verzeichnisabgleich aller für Exchange relevanten Objekte kein Weg vorbei führt. Prüfen Sie daher auf jeden Fall die Konfiguration des AADConnect, dass er auch Exchange Hybrid unterstützt. Der ADSync ist die Komponente, die Benutzer, Verteiler, Kontakte etc. von OnPremises in die Cloud repliziert. Es reicht aber nicht einfach nur ADSync zu installieren. Sie müssen zwingend auch den Hybrid-Mode dort aktivieren:

Achtung: Der Hybrid Configuration Wizard kontrolliert diese Einstellung nicht!

Der zur Einrichtung von Hybrid nutzte HCW - Hybrid Configuration Wizard prüft diese Voraussetzung leider nicht und es ist mir bei mehreren Kunden schon passiert, dass die Fachabteilung für Identity entgegen meiner Anforderungen und deren Aussagen diese Funktion nicht aktiviert hat. Mittlerweile habe ich ein PowerShell-Script (Compare-GAL), mit dem ich die Synchronisation der GALs prüfen kann.

Optimiertes Mailrouting

Damit Nachrichten zwischen den Welten nicht durch Spamfilter erschwert und vor allem sicher und verschlüsselt übertragen werden, ist ein dedizierter Verbindungsweg zwischen dem Tenant bzw. Office 365/Azure-Diensten und der lokalen Umgebung zu konfigurieren.

Sie können "optional" einen Exchange Edge Server einsetzen da er in dem Umfeld keinen Mehrwert bietet, würde ich darauf verzichten. Wenn Sie einen anderen Spamfilter nutzen, dann muss die Cloud dennoch direkt mit den Exchange Servern kommunizieren. Zur Sicherheit sollten Sie ihren Exchange Server aber nicht "aus dem Internet" erreichbar machen. Eine Filterung auf Source-IP-Adressen von Office 365 macht Sinn.

Alle Empfänger in einer Hybrid-Umgebung bekomme zusätzlich eine "<tenantname>.mail.onmicrosoft.com"-Adresse. Da beim Einsatz von Hybrid die Exchange Properties in Office 365 durch die On-Prem-Installation gepflegt werden, müssen diese Adressen auch On-Premises gesetzt werden. Der Hybrid Konfiguration Assistent ändert dazu die Empfängerrichtlinien und aktualisiert alle Empfänger. Da sind einige Probleme nicht ganz auszuschließen.

  • Objekte mit deaktivierter Richtlinie
  • Objekte mit abweichenden Berechtigungen
  • OAB Generation

Bei kleinen Firmen wird das sicher kein Problem sein, aber größere Firmen mit delegierten Rechten und vielen Domänen sollten hier vielleicht vorplanen.

Hinweis: "Lite-Version mit "Modern Hybrid"

Sie können die Mails auch ohne eigene Connectoren einfach "über das Internet " laufe lassen. Die Mails "zur Cloud" nutzen als Zieldomain ihre "<tenantname>.mail.onmicrosoft.com" ,welches ja extern ist. In der Gegenrichtung sendet die Cloud alles an ihre reguläre SMTP-Domain, die per MX-Record auf die lokale Installation verweist. Allerdings müssen Sie ihren Spamfilter "tunen", damit er die Mails der anderen Seite nicht voreilig in den Spamfilter ablegt, da die eigene "From-Domain" von extern normalerweise als Phising erkannt wird.

Migration

Für den Umzug von Inhalten im Rahmen einer Migration in die Cloud oder auch wieder zurück müssen die geeigneten Wege konfiguriert werden, damit der Zugriff sicher, leistungsfähig und stabil erfolgt.

Beim Hybrid-Mode wird die Migration durch die Cloud betrieben, die dazu über das EWS-Virtual Directory auf den MRSProxy-Service ihrer OnPremises Umgebung. Auch hier können Sie die Zugriffe auf die Microsoft Source-IP-Adressen beschränken und den Zugriff über einen Reverse-Proxy leiten, der SSL aufbricht und die URLs prüft. Er muss aber die Zugriffe wieder zum Exchange Server verschlüsseln, da der MRSProxy nur per HTTPS den Zugriff erlaubt.

Hinweise: MinHybrid
In Verbindung mit einem "MinHybrid" wird diese Verbindung bei einem AzureAD-Proxy terminiert und ein interner Agent startet eine ausgehende Verbindung. Das macht das Setup einfacher.

Federation Exchange 2010

Dieser Abschnitt sollte mittlerweile "veraltet" sein, da hoffentlich die meisten Exchange 2010 Server mittlerweile abgebaut sind. Damit mit Exchange 2010 eine Abfrage von "Frei/Belegt-Zeiten" möglich ist. muss sich der Server ein Ticket vom Microsoft Federation Gateway besorgen.

Seit Exchange 2013 und höher wird dies über Exchange Partner Applications umgesetzt. Die Einrichtung übernimmt der HCW.

Free/Busy u.a.

Wenn Sie nicht vor haben, innerhalb weniger Tage alle Postfächer zu migrieren, dann gibt es eine Koexistenzphase, bei der Mitarbeiter auf der einen Seite die Frei/Belegt-Zeiten der anderen Welt sehen müssen. Eventuell ist sogar ein Zugriff auf freigegebene Postfächer der anderen Welt erforderlich. Das machen die Server per EWS untereinander aus.

Auch "Mailtipps", Messagetracking u.a. fallen darunter.

Hinweis: "Lite-Version mit "Modern Hybrid"
Hier kann ein lokaler Agent eine ausgehende Verbindung zu einem AzureAD Proxy aufbauen, so dass Sie hierfür keine eingehende Verbindung benötigen.

Hybrid Server

Für den Hybrid-Mode benötigen Sie natürlich lokal mindestens einen Exchange Server, der zudem von Office 365 über das Internet erreichbar ist. Abhängig von ihrer lokalen Umgebung möchten Sie vielleicht nicht die vorhandenen Server veröffentlichen sondern einen eigenen "Hybrid Connector Server" aufbauen. Egal wie sie es anstellen, brauchen Sie folgende Funktionen

  • Mailrouting zwischen Office 365 und OnPremise
    d.h. aktuell muss ihr Exchange Server per SMTP (25/TCP) zumindest von Office 365-Servern erreichbar sein
  • EWS für FreeBusy -Informationen, MRS-Migrationen, Mailtipps etc.
    Dazu ist EWS von Office 365 erreichbar zu machen. Seit Juni 2018 können Sie dazu auch den Hybrid Agent nutzen, wenn Sie ihre interne Umgebung nicht direkt aus dem Internet per HTTPS erreichbar machen wollen.
  • Ihr Exchange muss surfen können
    Sonst kann er selbst nicht die Office 365 Dienste für Federation-Anfragen erreichen

Diese umfangreiche Erreichbarkeit führt natürlich beim Thema Sicherheit zurecht immer zu Diskussionen. Hier gilt es dann die Nutzung und das Risiko seriös darzulegen und die Fragen zu beantworten. Dennoch sind natürlich eine statische IP-Adresse und Zertifikate erforderlich.

Weitere Links