Kaizala

Microsoft hat mit Teams, Skype for Business und für Konsumenten mit Skype schon drei Produkte im Portfolio, die Instant Messages, Chat und Präsenz bereitstellen. Auf dieser Seite versuche ich das vierte Produkt in der Gruppe etwas einzuordnen.

Einordnung und Lizenz

Bislang war die Welt für Anwender einfach: Wenn Sie ein Office 365 Konto benötigt haben, dann haben Sie den kommerziellen Bereich für Firmen erwischt und wenn die Anmeldung mit einem Microsoft Konto, auch bekannt als LiveID, Passport etc., erfolgte, waren Sie im Consumer-Bereich. Teams und Skype vor Business sind "Firmenprodukte" während Skype für Einzelpersonen gegen Gebühr bzw. werbefinanziert angeboten wird.

Von einigen Zeiten und in den Kommentaren wird Kaizala als "WhatsApp"-Alternative bezeichnet. Da gibt es aber mit Signal, Threema und Anderen natürlich noch andere Marktbegleiter. Auf der anderen Seite gibt es die Information, dass Microsoft in allen Office 365 Tenants nach und nach die Lizenz für Kaizala addiert und per Default auch zuweist. Nur soll der Benutzer nicht aktiviert sein. Das wäre dann wieder ein Hinweis für den Einsatz in Firmen. Das könnte durchaus interessant sein, wenn Firmen der Umfang von Teams zu mächtig ist.

Kaizala gibt es als kostenfreie Version oder kann als Pro-Version von auch einzeln gekauft werden. Nach dem Start in 28 Ländern wird Kaizala nun aber auch auf allen Office 365 Tenants weltweit ausgerollt. Es kann sich also nur noch im einige Wochen handeln, bis diese Option in ihrem Tenant erscheint. Die "Pro"-Version dürfte an einen Office 365 Tenant gebunden sein, weil es hier auch API-Zugriffe und eine Verwaltung der Gruppen durch den Administrator geben soll.

Auf dem Smartphone (IOS) konnte ich die App installieren und auch noch meine Rufnummer eingeben. Aber die nächste Maske sagt mir, dass Microsoft für Deutschland mein Geburtstag benötigt. Eine Eingabemöglichkeit  war aber weit und breit nicht zu sehen. Noch läuft es zumindest hier noch nicht rund. Wenn ich aber z.B. Afghanistan mit einer willkürlichen Nummer auswähle, dann sendet Microsoft direkt eine SMS zur Verifizierung los.

Wie WhatsApp nutzt auch Kaizala die Telefonnummer als Identifizierungsmerkmal. Eine Telefonnummer wird natürlich erst einmal auf der gesamten Welt verstanden und ist zumindest im Mobilfunknetz eindeutig. Mit dem Rückkanal der SMS kann auch der Inhaber über einen zweiten Weg authentifiziert werden. In Deutschland gilt dies weitgehend auch für Festnetznummern. In vielen anderen Ländern kann dies durch die Funktion "Nachwahl" nicht immer gewährleistet sein. Microsoft nutzt hier also keine Mailadresse oder SIP-Adresse.

Funktionsumfang

Ein Blick auf die beworbenen Funktionen zeigt, wie Kaizala angelegt ist:

  • 1:1 Chat und Gruppenchat
    Das können Teams, Skype for Business und Skype auch
  • Ankündigungen, 1:n
  • Feedback über Umfragen
  • Öffentlichen Gruppen für dauerhafte Zusammenarbeit
    Quasi wie Persistenz Chat oder Teams Channel und anscheinend auch Firmenübergreifend
  • Aufgaben und Tasklisten
    Das wird interessant, denn solche Funktionen gibt es schon als Microsoft ToDo (ehemals Wunderlist) aber auch in Outlook und in Microsoft Planner
  • "einzigartige Kaizala-Funktion"
    Damit beschreibt Microsoft die Möglichkeit nicht nur den einen aktuellen Standort zu teilen, auch mit Bild, sondern auch den Standort von anderen Personen anzufordern. Angeblich um die Arbeit effektiver zu machen.
  • Kaizala-Aktionen
    Ebenfalls im Chat-Fenster soll es möglich sein, bestimmte vordefinierte Aktionen, z.B. Umfragen aber auch Versand von Rechnungen an den Innendienst effektiv auszuführen. Ob ich als Zentrale dann auch eigene Aktionen vordefinieren kann?

Es könnte also eine deutlich leistungsfähigerer Plattform als WhatsApp sein, die mit einer guten Anbindung an die Firma für so genannt "Blue collar workers", z.B. Mechaniker, Arbeiter, Fahrer etc. interessant sein kann. Microsoft adressiert hier aber auch Länder oder Umgebungen, in denen vollwertige Windows-PC nicht weit verbreitet sind, z.B. Entwicklungsländer und junge Nationen, die primär per Mobilnetz arbeiten. Das können Sie auch gut an der Liste der 28 Länder sehen, die Kaizala schon länger nutzen konnten:

Argentinien, Bangladesch, Brasilien, Kambodscha, Chile, Kolumbien, Ägypten, Äthiopien, Indien, Indonesien, Israel, Jordanien, Kenia, Libanon, Malaysia, Mexico, Marokko, Nigeria, Philippinen, Ruanda, Saudi Arabien, Singapur, Südafrika, Tansania, Thailand, Türkei, Uganda, Vietnam.

Sie sehen, dass selbst das Heimatland "USA" nicht in der ersten Welle dabei war und auch UK und Deutschland fehlten. Ich habe nun nicht weiter geschaut, seit wann Kaizala in diesen Ländern erreichbar ist. Zumindest bei der "Consumer-Variante" stellt sich natürlich die Frage des Datenschutzes in bestimmten Ländern.

Kaizala Clients: IOS, Android, Web

"Mobile first" war früher mal ein Thema bei Microsoft. Für die Bereitstellung von Kaizala in Entwicklungsländern und Schwellenländern ist natürlich das Smartphone der primäre Client und daher ist es nicht verwunderlich, dass Kaizala als App zum Download angeboten wird.

Allein eine neue App im IOS-AppStore oder Google Play macht daraus aber noch keine Lösung. Die Apps sprechen natürlich über einen von Microsoft betriebenen Service in Azure und wenn die Authentifizierung gegen den eigenen Tenant erfolgt, dann besteht auch Hoffnung, dass die Daten selbst dem Tenant zugeordnet sind. Eine App sollte heute aber auch Steuerungen für BYOD-Umgebungen bieten und ich kann mir nicht vorstellen, dass auch der Innendienst nun jede Kommunikation mit den Arbeitern auf einem Smartphone bedienen sollen.

Aktuell gibt es aber auch ein Version für den Browser:

Consumer-Benutzer melden sich direkt mit ihrer Telefonnummer an und bekommen per SMS ein Zugangskennwort

Aber auch hier konnte ich mich mit meiner normalen Mobilfunk-Rufnummer in Deutschland nicht anmelden.

Versuche ich mich aber als angemeldeter Office 365 Benutzer bei Kaizala Web anzumelden, dann kann folgendes angezeigt werden.

Die Adresse ist natürlich eine Office 365 Adresse und damit unter der Kontrolle der Firma. Um Verwirrungen zu vermeiden, sollte ich also kein Microsoft-Konto mit der gleichen Adresse erstellen. Ich kann hier mich aber abmelden oder in einem neuen Browser natürlich quasi eine eigene Firma starten. Das kennen wir so ähnlich schon von Teams und PowerBI

Ich habe aber nun nicht geprüft, ob ich über den Weg noch einen Tenant anlegen kann.

Verwaltung

Das entsprechende Portal ist unter https://manage.kaiza.la schon auf Deutsch erreichbar. Wer sich anmelden will, wird auf die Office 365 Anmeldeseiten geleitet um dann im Portal zu landen. Das können auch Administratoren. Als Administrator sehe ich folgendes:

Bei Benutzern fehlt natürlich der untere Abschnitt zum aktivieren oder deaktivieren. Der Link zum aktivieren verweist auf der Seite https://docs.microsoft.com/en-us/Office365/Kaizala/enable-disable-kaizala. Dort findet sich dann auch die Lösung zum Aktivieren von Kaizala für Office 365 Administratoren.

Microsoft Kaizala Pro is now commercially available in 28 countries. If your organization is in one of these 28 countries, Kaizala Pro is enabled by default for your organization. For all organizations that are not in one of these countries, Kaizala Pro is disabled by default. The Office 365 administrator can choose to enable or disable Kaizala Pro regardless of the default state.
Quelle https://docs.microsoft.com/en-us/Office365/Kaizala/enable-disable-kaizala

Bei der Aktivierung erhalten Sie noch eine Rückfrage.

Die Abfrage einer Rufnummer können Sie abbrechen.

Wenn Sie später Kaizala nutzen, müssen Sie natürlich eine PIN anfordern, die per SMS zugesendet wird und so nachweisen, dass Sie im Besitz der Rufnummer sind.

Offen:
Aktuell gibt es wohl noch keine PowerShell, um die Verwaltung zu automatisieren.

Die Funktion wird also nicht im normalen Office 365 Portal aktiviert, sondern im Kaizala-Management-Portal. Dies kann nur der Office 365 Administrator machen. Die URL https://manage.kaiza.la/Settings/Settings ist aber die gleiche Adresse. Nur erscheint beim Administrator die Option Kaizala global zu aktivieren bzw. zu deaktivieren.

Es macht mir den Eindruck, dass Kaizala noch nicht wirklich in Office 365 integriert ist, sondern als eine eigenständige Lösung sich nur dem AzureAD und der Authentifizierung bedient. Aber das kann ja noch werden.

API

Es muss hier doch eine Möglichkeit zur Integration in vorhandene Systeme geben. Das ist ja ein Defizit, welches ich WhatsApp schon lange ankreide. Zumindest in der Pro-Version, die auf einem Office 365 Tenant aufbaut, gibt es auch eine API, mit der Firmen eigene Lösungen entwickeln können. Ob diese Lösung dann aber auch die eigenen Kaizala-Anwender beschränkt sind, oder auch andere Kaizala Nutzer in anderen Tenants ansprechen kann oder sogar die Consumer-Version nutzbar ist, kann ich noch nicht sagen.

Federation/Integration

Eine Federation im klassischen Sinne wird es in Kaizala wohl nicht geben, da Microsoft alle Services selbst betreibt. Sie können also gar keine eigenen lokalen Server installieren und per Federation gegenseitig verbinden.

Interessant wäre aber schon eine Federation oder Integration in Teams, Outlook oder andere Backend-Systeme. Alle Office 365 Anwender sind ja irgendwie namentlich bekannt und der Tenant ist über den Vertrag auch authentifiziert. Wenn ein Administrator also bei seinen Anwendern eine weltweit eindeutige Rufnummer hinterlegt, könnte Kaizala durchaus eine Verbindung zu einem Teams-User oder auch Kanal herstellen. Das könnte aber auch für Teams interessant sein, wenn Ein Anwender nicht den UPN des Partners aber seine Telefonnummer kennt.

Einschätzung

So ganz kann ich noch nicht ermessen, welchen Einfluss Kaizala auf meine Projekte und Kunden haben wird. Wenn es denn einmal verfügbar ist, werde ich sicher damit erste Erfahrungen sammeln. Vielleicht ist aber auch ein Kunde oder Interessent schneller und fragt ein entsprechendes Projekt an. Ich werde die Seite aktualisieren, wenn ich weitere Informationen habe.

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