ISDN-Installation leicht gemacht

Ich bin nicht der urheber dieser Seite, sondern habe sie schon länger als PDF-Version vorliegen. Eine Suche nach der echten Quelle hat mich aber auch nur mehr auf Kopien und angepasste Versionen geführt. Wer der Autor war, kann ich nicht mehr in Erfahrung bringen. Ich finde die Inhalte aber auch besonders im Hinblick auf die UM-Anbindung wichtig, so dass ich Sie hier als Kopie etwas korrigiert bereit stelle.

All diese Aussagen stimmen natürlich nicht mehr, wenn Sie einen "IP-Anschluss" haben, d.h. die Telekom per VoIP die Telefonleistung erbringt. Dann haben Sie keinen NTBA mehr sondern meist ein DSL-Router, der auch gleich das Modem enthält und der eventuell internen einen S0-Bus bereit stellt.

Allgemeines

Bei ISDN werden grundsätzlich nur digitale Daten zwischen den Endgeräten übermittelt. Die Einteilung des Datenstroms in 4 logische Kanäle ist von der Art der Übertragung, also von den Kabeln, vollkommen unabhängig. Der Datenstrom wird in folgende Kanäle aufgeteilt, und zwar durch zeitlich hintereinander liegende Frames.

Kanalnamen kBit/s Funktion

B1

64

Nutzkanal 1(Sprache, Daten, usw.)

B2

64

Nutzkanal 2(Sprache, Daten, usw.)

C (nur uk0)

16

Equalizing NTBA <-> Vermittlung

D

16

Signalisierung (Rufnummer, ┬┤Dienst,...)

Damit die Sache Vollduplex läuft, muss man die Daten vom und zum Teilnehmer auseinanderhalten. Beim analogen Anschluss macht das noch jedes Endgerät selbst, aber man hat ja auch nur jeweils eins aktiv. Bei ISDN macht das der NTBA stellvertretend für alle. Zwischen Vermittlungsstelle und NTBA laufen alle Daten noch auf 2 Drähten (als uk0 bzw. T0 bezeichnet), Sende- und Empfangsrichtung gemischt, und die beiden Seiten halten das ungefähr wie bei einem Modem mit Echo-Kompensation auseinander (dafür dient der C-Kanal). Der NTBA trennt das dann für alle Endgerate beim Teilnehmer auf und hat daher 4 Adern - zwei für Daten vom Teilnehmer weg und zwei für Daten an den Teilnehmer. Und alle Endgeräte werden dann einfach parallel an die 4 Adern (das ist dann der S0-Bus) angeschlossen. Dabei ergibt sich die angenehme Möglichkeit, zwischen die beiden Adernpaerchen noch eine Gleichspannung zur Versorgung der Endgeräte zu legen. Ferner: Die Rufnummer und die Dienstkennung (z.B. Fax, Sprache, Daten, ...) wird über den D-Kanal übermittelt, und entsprechend programmierte Endgeräte fühlen sich dann angesprochen. Also sind drei Dinge voneinander völlig unabhängig:
  • Die Verkabelung
  • Die Rufnummern und Dienstkennungen
  • Die B-Kanäle

Der NTBA hat also nichts mit den Rufnummern, Dienstkennungen oder B-Kanälen zu tun. Er ist auch keine kleine TK-Anlage, an der man intern kostenlos telefonieren kann (sprich: Eine Verbindung von Gerät zu Gerät am S0 z.B. für 2 PC ist nur über das Amt möglich). Er wandelt nur von 2 Adern auf 4 Adern um und trennt dazu Sende- und Empfangsrichtung.
Protokolle: Es gab in Deutschland zwei unterschiedliche Protokolle, und zwar das alte 1TR6, auch nationales ISDN genannt, und das heute übliche europäische Euro-ISDN (E-DSS1). Gerüchteweise hat die Telekom Anfang 1999 alle Anschlüsse auf E-DSS1 umgestellt. Neuanschlüsse gibt es seit mehreren Jahren sowieso nur noch als Euro-ISDN. Spannungen: Der NT wird von der Vermittlungsstelle mit der gleichen Spannung wie analoge Anschlüsse versorgt (ca. 40 - 60 Volt), bei Standleitungen und Sonderfällen sind es ca. 80 bis 100 Volt. Auf dem S0-Bus liegen ca. 40V.
Die Verkabelung: Von der Vermittlungsstelle kommen zwei Leitungen, die der Techniker an den NT an klemmt. Inzwischen gibt es auch fast überall den "steckbaren NT", den der Kunde im T-Punkt abholen oder sich zuschicken lassen kann. Dieser ist mit einem TAE-Stecker ausgestattet und wird zum passenden Zeitpunkt (vereinbarter Termin oder Anruf von der Vermittlungsstelle) statt des bisherigen Telefons in die TAE-F-Dose gesteckt. Die Erkennung des NT dauert dabei unter umständen einige Minuten, also Geduld! Das geht aber nur bei bereits digitalisierten Vermittlungsstellen und auch nicht auf den im Osten üblich gewesenen Zweier-Anschlüssen. Angeblich sind aber alle Vermittlungsstellen bereits digital (Stand Anfang1999). Der Vorteil liegt in einer eventuell schnelleren Realisierung, und man spart die Pauschale für die "Arbeiten in Ihren Räumen". Zumal der Techniker heute auch nur noch mir einem steckbaren NT kommt und den für 100 DM an die Wand schraubt. Der S0-Bus hat je zwei Adern für den Sender (vom NT zum Endgerät) und den Empfaenger (zum NT zurück). Da das Monopol der Telekom am NT beendet ist, kann eine zugelassene Firma den Rest machen (oder man macht es selber)..
Zum Anschluss an den NT kann man entweder die Western-Modular-Buchsen (8p8c, RJ 45) oder 4 Klemmen benutzen. An die Klemmen kommt man nach dem öffnen der kleinen Klappe, die Schraube ist eventuell von einem Gummistopfen verschlossen. Das NT-Gehäuse braucht dazu nicht geöffnet zu werden. Es gab NT's mit vertauschten Klemmen (jeweils a und b), aber das stört nur, wenn auch die RJ45 am NT belegt wird, sollte es also zu Problemen kommen, die verschwinden, wenn entweder der Bus oder das Gerät am NT abgezogen wird, muss man a/b an den Klemmen des NT tauschen. Ich habe auch von Beipackzetteln gehört, die falsch beschriftet waren, entscheidend ist die Beschriftung am NT! Verbindungskabel:

Kabel & Co

Drahtfarben gebräuchlicher Installationskabel:

Anschluss am NT Kabelfarben beim
Fernmeldekabel
Kabelfarben beim
Hausinstallationskabel
Anschluss am Teilnehmer Pin am
RJ-45 Anschluss

1a (RX+)

1a (TX+)

4

1b (RX-)

1b (TX-)

5

2a (TX+)

2a (RX+)

3

2b (TX-)

2b (RX-)

6

Wie man sieht, genügen 4adrige Kabel. Die gerne angebotenen 8adrigen ISDN-Kabel sind einfach nur teurer, benutzt werden nur die inneren 4 Adern, man kann also normales Telefon- Flachkabel in einen RJ45-Stecker krimpen (für kurze Kabel). Die Netzprovider verwenden Kabel, deren Adern im Stern-Vierer angeordnet sind. Beim Sternvierer werden die 2*2 Adern diagonal belegt, bilden somit eine abgeglichene Brückenschaltung die relativ unempfindlich gegen Störungen ist. Es kann normales Telefonkabel verwendet werden, wobei das flache zum Anquetschen der Stecker nicht für feste Installation benutzt werden sollte, weil es eben kein Stern-Vierer ist und außerdem zum Teil Gewebe-Litze, die sich schlecht klemmen lässt. Wer die Kabellänge ausreizen muss, sollte das richtige Telekom- Kabel "J-Y(St)Y 2*2*0,6 St III Bd" nehmen. Die Farben je nach Kabel, Zahlen für RJ45. Nicht verwirren lassen von RJ-45-Dosen mit wilder Verteilung der Nummern, die aufgedruckten Nummern stimmen, sie müssen nicht in der Reihe liegen wie die Kontakte, denn unter den eigentlichen Dosen liegt eine Leiterplatte, deren Layout unterschiedlich sein kann. Es gab auch mal 8-polige TAE-Stecker für ISDN (in der 1TR6-Zeit), die sind aber mittlerweile ausgestorben. Wer sowas noch hat, sollte sie gegen RJ-45-Buchsen/Stecker tauschen.

S0-Bus Verkabelung

Bei der Installation von ISDN-Bussen werden in der Regel nur noch RJ-45 (Western-) Buchsen verwendet. Dieselben Buchsen werden auch für EDV-Netzwerke (Twisted Pair Ethernet, 10BaseT) benutzt (Aber nicht die Kabel !). Nachfolgende Tabelle zeigt die Anschlussbelegung der RJ-45-Buchsen:

Pin Funktion am S0-Bus Funktion Ethernet (10BaseT)

1

leer

1a

2

leer

1b

3

2a (RX+)

2a

4

1a (TX+)

leer

5

1b (TX-)

leer

6

2b (RX-)

2b

7

leer

leer

8

leer

leer

Die Verdrahtung des S0-Busses erfolgt, wie der Name schon sagt, als Bus. Das heißt, alle Anschlussdosen werden parallel geschaltet. In der Praxis bedeutet das, das man mit dem Kabel von Dose zu Dose 'springt'. Achtung: Am ISDN-Bus dürfen maximal 8 Geräte bzw. 12 Dosen angeschlossen werden !r> Das sieht dann ungefähr so aus:

Beispiel mit 3 RJ-45-Dosen irgendwo im S0-Bus

Und nun zu dem Teil, bei dem die meisten Leute Schwierigkeiten haben:

Die Terminierung des ISDN-Busses

Wie jedes Kabel oder jeder Computerbus, der hochfrequente Signale führt (bei ISDN bis 160kHz), müssen die Leitungsenden mit ihrer spezifischen Impedanz (Telefonkabel: ca. 110 Ohm) abgeschlossen werden, um Reflexionen und Störungen auf der Leitung zu vermeiden. Was in der Theorie recht kompliziert ist, ist in der Praxis aber gar nicht so schwer :
An den Enden des Busses wird jeweils ein 110 Ohm-Widerstand (100 Ohm tun's auch) mit mindestens 0,33W angeschlossen. Und zwar an jedes Adernpaar einer. Zu beachten ist dabei, das der NTBA diese Abschlusswiderstände bereits eingebaut hat. Soll der NTBA in der Busmitte installiert werden, muss man die Terminatoren im NTBA abschalten (meist mittels DIP-Schalter oder Jumper).
Grafisch aufbereitet sieht das so aus:

Beispiel für NTBA am Ende des Busses:

Beispiel für NTBA in der Mitte vom S0-Bus

Kleiner Praxistipp am Rande

Es ist oft ganz praktisch, einen ISDN-Bus komplett zu installieren, mit allen Dosen, beidseitig terminiert, aber ohne den NTBA Den Steckt man dann mit einem normalen RJ-45-Kabel (Standard ISDN-Anschlusskabel) in einen der Anschlussdosen. Auf diese Art kann man den Bus schon vorher installieren, auch wenn man den NTBA noch nicht hat, bzw. noch nicht weiß, wohin er soll..

Kontrollmessung nach dem Verkabeln (NT an 230 V angeschlossen):

  • Pins 4-5 0 Volt
  • Pins 3-6 0 Volt
  • Pins 3-4 ca. 40 Volt (Plus an 3)
  • Pins 6-5 ca. 40 Volt (Plus an 6)
  • Ist der NTBA nicht an 230V angeschlossen, ist die Versorgungsspannung umgepolt. Also Plus an Pin4 bzw. Pin5.

Die Messung kann nicht die Vertauschung von a und b feststellen. Sie stellt nur sicher, dass die ca. 40V nicht zwischen a und b liegen und dass Sender und Empfänger richtigherum sind. Geht die Verbindung nicht, dann ein a/b-Paar (z.B. 4-5) vertauschen. Geht die Verbindung nur, wenn kein zweites Gerät aktiv ist, dann sind irgendwo sowohl a1/b1 als auch a2/b2 vertauscht, das kann auch schon am NT sein, es gibt welche mit falscher Beschriftung. 40 V können bei empfindlichen Personen bereits lebensgefährlich sein, besonders, wenn man vor Aufregung feuchte Hände hat. Neuerdings gibt es auch ISDN-Teststecker, ob die aber auch Adern- Vertauschung bemerken oder auch nur die Spannung wie oben prüfen, weiß ich nicht.

Sonstiges

Man kann a und b vertauschen, aber dann bei allen Geräten, sonst löschen sich die Signale aus! Wenn am NT in der RJ45-Buchse ein Gerät angeschlossen ist, geht das nicht mehr. Sender/Empfänger dürfen natürlich nicht vertauscht werden.

Häufiger Fehler ist die Vertauschung von einem oder gar beiden a/b-Pärchen in einer Dose oder einem Kabel. Das hat meistens folgendes Fehlverhalten zur Folge: Jedes Gerät alleine arbeitet korrekt. Beide arbeiten korrekt, wenn sie direkt am NT angeschlossen werden (es sei denn, das eine Kabel ist schuld). Wird das zweite über eine Dose dazu gesteckt, fällt beim ersten die Verbindung zusammen (ev. auch erst nach dem Aktivieren des 2. Gerätes). Oder aber auch: Es arbeitet immer nur ein Gerät, und zwar das, das zuerst aktiv wurde. Eine gewisse Zeit nach dem Auflegen geht dann auch das andere, aber dafür das erste nicht mehr.

Die Leitung von der Vermittlungsstelle hat rund 50 bis 100 V, Plus an b. Notspeisung/NT-Netzstecke. Wer nur Geräte am S0 hat, die selbst mit Strom versorgt werden, also über ein Netzteil oder die Rechnerspannung, braucht den Netzstecker vom NT nicht in die Steckdose stecken. Das wurde einigen sogar von der Telekom empfohlen, weil es die Lebensdauer der NTs erhöht (weniger Wärmeentwicklung). Geräte ohne Netzteil (Telefone) bekommen ihre Energie aus den 40 V vom NT.

Nicht jeder Telekom-Mitarbeiter ist ISDN-Spezialist, und so gibt es auch Gerüchte, die besagen, dass einige TK-Anlagen nur liefen, wenn der Stecker drin sei, andere nur, wenn er nicht drin sei. Das ist aus meiner Sicht unsinn, weil die Gleichspannung auf dem S0-Bus für TK-Anlagen völlig ohne Bedeutung ist. Sie haben eh ein eigenes Netzteil.

Die Elektronik des NT wird immer vom Amt mit Strom versorgt. Das Netzteil des NT speist nur den S0-Bus. Dieser wird für Notfälle auch durch den NT von der Vermittlungsstelle versorgt, kann dann aber nur eine begrenzte Leistung (410 mW) aufbringen. Damit ein Telefon dann funktioniert, muss es notspeisungsberechtigt sein, das geht über einen Jumper oder ähnliches. Dabei werden die Funktionen eventuell eingeschränkt, z.B. kein Freisprechen und kein Display während des Gesprächs. Es darf sich nur ein notspeisungsberechtigtes Gerät am Bus befinden. Nicht jedes Telefon ist notspeisefähig, verfügt also über den erwähnten Jumper.

Wenn's nicht funktioniert, ist man nicht immer selber schuld ! . Auch die Telekom baut mal Mist (und das leider gar nicht mal so selten ...). Im Zweifelsfall da anrufen mit der Bitte, den NTBA in der Vermittlungsstelle mal zurück zu setzen. Das hat schon oft seltsame Fehler beseitigt (Typ. Fehler: meistens geht's Telefon, aber andere Dienste spinnen).

All diese Aussagen stimmen natürlich nicht mehr, wenn Sie einen "IP-Anschluss" haben, d.h. die Telekom per VoIP die Telefonleistung erbringt. Dann haben Sie keinen NTBA mehr sondern meist ein DSL-Router, der auch gleich das Modem enthält und der eventuell internen einen S0-Bus bereit stellt. Dann gibt es z.B. keinen "Notbetrieb" mehr.

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