SfB Monitoring

Der schöne neue Skype for Business Server ist installiert und beim Test und im Pilot läuft auch noch alles. Aber im Regelbetrieb gibt es schon immer mal wieder den Fall, dass die Gesprächsqualität schlecht ist oder Konferenzen nicht zustande kommen u.a. Nicht selten wird mir dann die Frage gestellt, wie man hier sein System besser aufstellen kann. Auf dieser Seite fasste ich die wesentlichen Überlegungen einmal zusammen. Das ganze entspricht eher einer Werkzeugkiste mit Hammer, Zange, Schraubenschlüssel u.a. und jedes Werkzeug hat seinen Einsatzbereich. Es gibt natürlich das ein oder andere Universaltool in Form einer Wasserpumpenzange oder verstellbarer Schraubenschlüssel (Landläufig „Engländer/Franzose“ genannt)

Basisausstattung

Die folgenden Aussagen gelten, wenn Sie Skype for Business On-Premises selbst betreiben:

  • Performance Counter
    Damit haben sie schon mal Zugriff auf die ein oder anderen Performance Counter
    Die helfen bei der Analyse von Engpässen auf dem Server
  • Skype for Business QoE Service
    Sobald sie einen QoE-Service eingerichtet haben, senden alle Clients an Ende des Calls einen Statusbericht an den Server, die dieser in eine SQL-Datenbank ablegt und die per SQL Report Services ausgewertet werden können
    Diese Reports erlauben eine sehr gute Analyse von vergangenen Calls und deren Qualität
    Siehe dazu Lync QoE (Monitoring und CDR)
  • Call Quality Dashboard
    Diese Zusatzkomponente liest sich die Daten aus den QoE-Datenbank in eine eigene Datenbank um diese „anders“ anzuzeigen.
    Siehe CQD - Call Quality Dashboard
  • SDN
    Man kann mit dem „Software Defined Networks“-Modul sogar „InCallQoE-Daten erfassen. Ein AddOn auf dem Server sagt dem Client Bescheid, dass er diese Daten senden soll. Ein MSPL-Script auf dem Server sammelt die Daten (Lync Dialog Listener) und sendet sie an den „Lync Dialog Manager“-Service, der die Daten verschiedener Quellen zusammenführt und dann an einen der nächsten Stationen sendet. DAs kann ein Netzwerkswitch sein, was die originäre Aufgabe ist. Aber man kann die Daten auch mit anderen Tools verwerten. Interessant ist dabei auch, dass die Client wohl auch „TraceRoute“ machen und man so auch den Weg der Daten ermitteln kann.
    SDN - Software Defined Networks
  • 3rd Party Auslesen der QoE-Daten
    Die QoE-Daten muss man aber nicht per Bordmittel auswerten. Sie können auch mit PowerBI oder PowerShell oder jedem anderen Tool die Daten extrahieren
    Siehe z.B.: https://blogs.msdn.microsoft.com/canberrapfe/2015/12/17/lync-and-skype-for-business-call-quality-script/ und https://gallery.technet.microsoft.com/lync/Powershell-script-5fe0494a
    Kann man auch per Taskplaner regelmäßig laufen lassen und als HTML-Datei dann veröffentlichen

Andere Tools

Alle bisher genannten Quellen sind aber nur „passive“, d.h. lesen Daten von erfolgten Anrufen aus und alle Tools quasi nutzen nur eine Datenquelle. Programm wie z.B. IR UC Assessor gehen hier weiter und werten viel mehr Quellen aus, z.B.:

  • SNMP-Quellen erlauben das Auslesen von Switch, Router und Ports
    So lassen sich PoE-Fehler, Packet-Drop, Überlast, Wackelverbindungen et. erkennen
  • QoE-Datenbank
    Mit dem Zugriff auf die von Skype for Business bereitgestellten Daten können die Aussagen verbessert werden
  • SNMP-Counter und Syslog von Gateways (Audiocodes., Sonus u.a.)
    Damit kommt auch die TK-Seite mit ins Bild
  • SDN - Software Defined Networks-Daten
    Seit Lync können die Clients ihre Daten per SDN an Drittanwendungen ausliefern. Diese Daten sind sogar "RealTime"
  • Windows Performance Counter und andere WMI-Quellen
  • SYSLOG-Quellen
  • CDR-Quellen
  • HTTP-REST-API-Quellen
  • PowerShell-Skripte

Wenn all diese Daten dann zusammengeführt werden, sind sehr gute Aussagen über VoIP-Verbindungen möglich. Diese Programme sind auch nicht auf Skype for Business beschränkt sondern können z.B. auch Cisco Call Manager, Avaya u.a. auslesen.

Aktive Tests

Ein zweiter Bereich ist eine weitergehende Überwachung der Netzwerke durch aktive Probes, d.h. man löst sich von dem Skype Client und der Abhängigkeit der durchgeführten Anrufe und simuliert selbst eine Last.
Über eine geringe aber geeignete Grundlast können Netzwerkteilstrecken individuell überwacht werden. Das ist weit mehr als alle 5 Minuten vom Router die SNMP-Counter für „Paket In/Out“ und „Bytes in/out“ abzulesen.
Aus meiner Sicht ist so eine Überwachung schon einmal essentiell für WAN-Verbindungen. Eine Router und Switches können so etwas sogar schon intern.
Im einfachsten Fall machen Sie das per Ping https://www.msxfaq.de/tools/end2end/end2end-ping.htm

Die Steigerung ist dann natürlich zu den genutzten Anwendungen vergleichbare Daten auf die Leitung zu legen, und die „Anwendungsperformance“ zu messen, z.B. End2End-Ping; End2End-HTTP oder End2End File oder für Skype for Business Online z.B. Skype for Business Online Network Assessment Tool

Und natürlich bieten auch Produkte wie IR UC Assessor, Ixia Chariot, Nectar und andere entsprechende Probes an, die der echten Last sehr nahe kommen. Damit kann man dann aber auch richtig „Lasttests“ fahren, d.h. die erwartete Last vorab schon auf die Leitung legen. Das ist nützlich, wenn man über Personas ermittelt hat, welche Bandbreite gefordert wird und man z.B.: vor der Umstellung eines Standorts genau das sicherstellen muss.

Was kaufen ?

Letztlich stellt sich die Frage, was man umsetzen will und wie viel man „kaufen“ und wie viel man selbst machen will. Es gibt nicht wenige Firmen, die gar keine QoE-Datenbank installiert haben, weil man dazu einen eigenen SQL-Server lizenzieren muss. Wer also nur einen Standard-Server an einem Ort betreibt, spart sich oft diese ansonsten sehr nützliche Option. Aber auch mit installierter QoE-Datenbank ist es sinnvoll eine automatisierte Auswertung zu erreichen, die Probleme auch eskaliert. Da wäre dann die Frage, wie sie heute schon Kennzahlen ermitteln, Systeme überwachen etc. und ob man solche Probleme, die in den QoE-Daten auslesbar sind, dort integriert.

Es gibt aber keine fertige Lösung für das Überwachung von Skype for Business, die für jede Umgebung ohne Anpassungen angewendet werden kann. Der Blick darf also nicht nur auf die bereits geführten Anrufe und den davon bekannten Qualitätsdaten beschränkt werden. Es gibt immer eine Überlappung zum vorhandenen Netzwerkmanagement. Zumindest solange Daten und Sprache die  gleichen Übertragungswege nutzen.

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