Microsoft Exchange Hosted Services (vormals Frontbridge)

Nicht erst seit Microsoft von "Clouds" spricht und Dienste immer mehr in das "Netz" verlagern will, wird Exchange "hosted" betrieben.". Mit BPOS spielt Microsoft hier aktiv eine Rolle als Anbieter von Exchange Postfächern. Exchange Hosted Services ist aber ein anderes Angebot, welches schon länger im Markt ist und Microsoft durch den Zukauf von Frontbridge gestartet hat. Es fasst im wesentlichen die Funktionen Spamschutz, Virenschutz, Wiederherstellung und Journalarchiv zusammen.

Mit dem Zukauf der Firma "Frontbridge" im Juli 2005 hat sich Microsoft einen Hoster für Dienstleistungen für Exchange ins Boot geholt. Es ist offensichtlich, dass Microsoft damit die Dienstleistung für Exchange Kunden komplettieren möchte. Allerdings sollten Sie nicht "Exchange Hosting" mit "Microsoft Exchange Hosted Services" verwechseln. Das Angebot von Microsoft ist kein Exchange Postfach sondern ein Gateway zwischen ihnen und dem Internet.

So funktioniert Microsoft Exchange Hosted Services

Microsoft betreibt an mehreren Datacentern in der Welt entsprechende Server, die Nachrichten an ihre Domains annehmen, nach bestimmten Kriterien verarbeiten und dann zu ihrem Mailserver weiterleiten. Das ganze stellt sich dann wie folgt dar:

Sie leiten ihren MX-Eintrag auf Frontbridge um, so dass alle Nachrichten zuerst dort landen. Wie konfigurieren bei Frontbridge die IP-Adresse ihres Systems, an welches die Nachrichten weiter geleitet werden sollen. Um ihre Sicherheit möglichst hoch zu halten, müssen Sie in ihrer Firewall zwar den Port 25 eingehend öffnen, aber Sie können diese eingehenden Verbindungen auch die bekannten IP-Adressen von Frontbridge reduzieren. Ein direkter Kontakte anderer Systeme oder Angreifer mit ihrem Server ist damit nicht möglich.

Optional können Sie auch ihre ausgehenden Nachrichten über Frontbridge versenden. Damit können ihre Mailserver dann komplett "verborgen" bleiben. Im Bild ist diese Option jedoch nicht eingezeichnet.

Dort werden die Mails auf Spam und Viren gefiltert, optional in ein Archiv abgelegt und für einen Desasterfall vorgehalten. Auch Verschlüsseln ist möglich. EHS sendet diese Mails dann gesichert (TLS) zu ihrem Mailserver, der natürlich nur noch SMTP-Verbindungen von dem Datacenter annehmen sollte.

EHS
Quelle: http://www.microsoft.com/online/exchange-hosted-services/continuity.mspx

Ausgehend senden sie auch alle Mails über EHS in das Internet. Damit kann EHS auch diese Mails in das Archiv ablegen, verschlüsseln und daraus lernen.

Das leistet Microsoft Exchange Hosted Services

Natürlich stellt sich die Frage, warum Sie einen anderen Anbieter in die Verbindung einschleusen sollen und welchen Mehrwert Sie dank Frontbridge erhalten. Dazu müssen wir uns einfach die angebotenen Leistungen genauer anschauen. Die Funktion besteht aus folgenden wesentlichen Komponenten:

Sie müssen sich also einfach überlegen, ob Sie diese Komponenten einfach extern abgeben oder weiterhin selbst betreiben.

Einschränkungen

Der Vorteil ist natürlich, dass Sie in ihrer eigenen Infrastruktur quasi nicht viel ändern oder erweitern müssen. Aber drei Dinge fallen mir sofort ein, die sie berücksichtigen sollten

EHS hat sicher seine Daseinsberechtigung für Firmen, die keinen eigenen Spamschutz bereit stellen wollen. Oft bieten aber auch schon die eigenen Provider solche Lösungen an. Der Versand über EHS ist besonders interessant für Firmen, die z.B. aufgrund dynamischer IP-Adressen oft auf Blacklists landen.

Mittelfristig schätze ich , dass EHS und BPOS aber mehr und mehr verschmelzen und damit auch die Funktion eines Schattenserver darstellen könnten.

Erste Eindrücke

Ich hatte schon mal die Gelegenheit die Verwaltung eines solchen Hosted Services Accounts zu nutzen um die verschiedenen Optionen zu untersuchen. Ich habe bislang jedoch keine Domäne über Hosted Services geleitet. Praktische Erfahrungen fehlen mir daher. Aber vielleicht helfen ihnen einige Details (Stand Sommer 2006) weiter, die nicht direkt in einem Datenblatt stehen

Leider gibt Microsoft nicht wirklich bekannt, welche Produkte, Services und Module dahinter zum Einsatz kommen. So kann ich nur das aufführen, was man offiziell "sehen" kann:

Outlook AddOn

Der Spamschutz von FrontBridge kann natürlich nur so gut sein wie die erkannten Spams. Daher gibt es mittlerweile auch für Outlook ein AddOn, mit welchem Sie eine Spammail, die doch noch bei ihnen ankommt, einfach an abuse@frontbridge.com weiterleiten können.

http://www.microsoft.com/downloads/details.aspx?familyid=53541292-ce94-4c5b-9127-b7d56f11b619&displaylang=en

Dann kann Microsoft diese Spam-Mail "lernen" und seine Datenbank einfach besser machen.

Zusammenfassung

Microsoft bietet mit "Microsoft Exchange Hosted Services" zwar kein Exchange Hosting an, aber immerhin eine Vorverarbeitung von Nachrichten vor ihrem eigenen Mailserver mit einigen pfiffigen Funktionen. So ist der 30-Tage Cache der zuletzt empfangenen Nachrichten sicher eine interessante Option, um diese Nachrichten nach einem Serverausfall einfach wieder zusenden zu lassen. Auch die Filter und Verschlüsselungsfunktionen müssten Sie sonst mit eigenen Mitteln aufwändiger bereit stellen.

Allerdings ist solche ein Angebot natürlich nicht für jede Firma geeignet. Sehr kleine Firmen mit dynamischen IP-Adressen oder gar POP3-Sammelkonten bleiben außen vor. Größere Firmen mit erweiterten Bedürfnissen bezüglich der Verarbeitung von Nachrichten werden weiterhin eigene Produkte, Filter und Schutzfunktionen einsetzen. Eine echte Absicherung von Nachrichten durch Verschlüsselung ist natürlich nur durch eine "Ende zu Ende"-Verschlüsselung gewährleistet.

In wie weit der Spamschutz ausreichend ist, kann ich selbst nicht beurteilen. Allerdings missfällt mir persönlich natürlich die Quarantäne. Auch ist nicht sichtbar, dass Microsoft die ausgehenden Nachrichten (so diese über den Provider gesendet werden) nicht in den Spamschutz als Lernquelle mit einbezieht.

Das Ergebnis ist daher etwas gemischt und kann mir vorstellen, dass jeder gute Provider seinen Kunden einen ähnlichen Mehrwert bereitstellen kann. Die Funktion von "Microsoft Exchange Hosted Services" hat aktuell überhaupt nichts mit Exchange zu tun. Frontbridge kann jeden Mailserver, also auch Notes, Sendmail u.a. bedienen. Vielleicht ändert sich das mit Exchange 2007 und der "E2K7:Edge"-Rolle.

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