Cloud - Abruptes Ende

Nicht erst seit Office 365 redet die ganze Welt von der Cloud. Eigentlich wird schon die MSXFAQ selbst seit über einen Jahrzehnt quasi "in der Cloud" betrieben. Nichts anderes ist ja das Hosten von Anwendungen bei einem Provider. Auch ihr Postfach bei web.de oder GMX ist eine Cloud-Anwendung. Insofern ist das nichts neues. Interessant wird das ganze aber, wenn man Begriffe wie langfristige Verfügbarkeit und die sicher zukünftig erforderliche Migration betrachtet. Es gibt nämlich auch einige Dienste, die es schon heute nicht mehr gibt, obwohl diese vielversprechend gestartet sind.

Bitte missverstehen Sie meine Aussage nicht als "Miesmacher" oder Berufsskeptiker. Es ist ein Unterschied, ob eine Dienstleistung mit Vertrag "gekauft" wird oder kostenfreie Dienste genutzt werden. Aber die Einführung einer neuen Plattform, sei es nun selbst betrieben oder in der Cloud ist nur der Anfang. Die Frage nach einem späteren Wechsel, also Migration zu einem anderen Ziel, muss durchaus gestellt werden.

End of Cloud

Ich selbst habe schon mehrere Dienste persönlich "verloren", die ich gerne weiter genutzt hätte. Bislang haben sich die Dienste zumindest per Mal 1-3 Monate vorher angekündigt. Ich hoffe, dass zumindest die "Firmenangebote" hier eine deutlich längere Vorlaufzeit gewähren.

Bilderrahmen, die keine Konfiguration der URL zulassen sind zukünftig nicht mehr auf meiner Liste J

Migration

Die Wege einer Überführung der Daten in solchen Fällen sind wohl sehr individuell. Bei Privatkundenangeboten wird man vielleicht noch die Change habe, seine Daten zu exportieren. Wobei auch hier die Zeitfenster oft erschreckend kurz sind. Zwischen der Meldung von Framechannel und der Abschaltung des Dienstes lagen gerade mal 2 Monate. Und wenn ein kleinerer Wettbewerber quasi aus dem Markt geht, dann werden die großen Anbieter eher keine Migrationsunterstützung leisten. Ein Move zum Wettbewerber lohnt sich für einen Anbieter immer nur wenn genug Masse bei der Quell da ist. Selbst Microsoft hat mit Exchange 2007 die Migration von GroupWise und mit Exchange 2010 sogar die Notes Transporter Suite abgeschafft.

Cloud für ...

Aber ich möchte die Cloud nicht generell schlecht reden. Sie hat ihre Daseinsberechtigung und ich denke es gibt sogar ein perfektes Beispiel, wo eine Cloud-Lösung für alle Beteiligten interessant sein kann. Ich befürchte nur, dass diese Lösung noch viel zu lange benötigen wird bzw. von verschiedenen Lobby-Organisationen verzögert oder torpediert wird.

Deutschland ist ja ein Lande der "Mittelständler" und "Kleinfirmen", die alle regelmäßig ihrer Buchführungspflicht nachgehen und Steuererklärungen abgeben müssen. Aber auch jeder Arbeitnehmer, der etwas "Nebenbei" macht oder absetzbare Ausgaben hat, muss zumindest einmal im Jahr seine Lohnsteuererklärung bzw. Einkommensteuererklärung abgeben. Dazu kommen jede Menge Selbständige wie ich, die eine recht überschaubare Buchführung machen aber auch hier jeden Monat ihre Umsatzsteuervoranmeldung erstellen. Wer das nicht mit Papier und Bleistift und der Formulareingabe mit Elster macht, wird auch hier eine Software einsetzen, die regelmäßig zu aktualisieren ist.

Das unser Finanzamt und Steuerbehörden eh sehr tiefe Einblicke in alle Buchungsvorgänge nehmen dürfen könnte man das Notwendige doch gleich mit dem Nützlichen verbinden und das Finanzamt als "Hoster" für die Buchhaltung auftreten lassen. Als Steuerzahler stelle ich mir das so vor, dass ich mich auf einem Portal per Browser anmelde und einfach meine Belege erfasse, wann diese eintreffen. In der ersten Stufe könnte das also für die Einkommensteuer/Lohnsteuer passieren. Mehr oder minder auf den Tag genau könnte jeder seine Belege erfassen. Das Formular müsste dann einfach eine Auswahl zur Klassifizierung vorgeben. Ich müsste am Ende des Jahres also gar keine Steuererklärung mehr abgeben, weil das Finanzamt alle Daten schon hat und aktuell berücksichtigen kann. Es könnte sogar anhand der Daten gegenprüfen, dass die Belege korrekt zugeordnet sind.

In der zweiten Stufe könnte diese Funktion sogar die Buchhaltung für Selbständige und kleine Betriebe übernehmen. Ich erwarte nicht, dass das Portal gleich Komponenten wie Warenwirtschaft, Lagerverwaltung, Angebotswesen etc. beinhaltet. Das bleibt sicher noch ganz lange "lokal" aber wenn ich alle "Eingangsrechnungen" direkt an das Finanzamt einstelle (Sei es per Browser für wenige Belege oder meine Buchhaltungssoftware bei größeren Volumen), dann müsste ich gar keine Umsatzsteuervoranmeldung mehr abgeben, da auch hier das Finanzamt schon alles weiß. Und es könnte sogar direkt Ausgangsrechnungen des Lieferanten mit der Eingangsrechnung beim Abnehmer abgleichen. Für meine 0-50 Belege/Monat wäre das ein elegantes Angebot.

Wenn wir schon dabei sind, sollte auch das Thema Reisekosten hier gleich mit erschlagen werden. Auch hier will das Finanzamt ja sowie so sehr viel wissen wie die genauen Hotelkosten (bitte getrennt nach Übernachtung, Frühstück etc.) und auch beim Fahrtenbuch gibt es immer wieder Verstimmungen. Würde ich meine "Bewegungen" einfach in einem Portal eingeben, dann wäre eine "Veränderbarkeit" nicht mehr gegeben. Und vielleicht könnte es ja sogar eine entsprechend App für Mobilgeräte geben.

Ob ein Steuersystem dadurch aber gerechter würde sei mal dahin gestellt. Solange es "Gestaltungsmöglichkeiten" und "Verhandlungsspielraum" gibt, werden die, bei denen sich "Finanzoptimierer" bezahlt machen, letztlich günstiger weg kommen, als der Durchschnittsbürger. Für ein gerechtes Steuersystem ist dies in guter Indikator. Aber ich schweife ab und warte neugierig, ob die Cloud auch unsere Finanzverwaltung erfassen wird. Hoffentlich werden wir Steuerbürger als Anwender auch gefragt. Und vielleicht ist diese Anwendung ja die erste richtige Anwendung für den neuen Personalausweis als Identifizierungsinstanz.

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