Parallelanruf / Gleichzeitig Anrufen /SimRing

Der auf englischen Seiten sucht, sollte die Begriffe "Simultaneous Ring", "SimRing" oder "Dual Forking" verwenden.

Lync 2013 Mobile Client braucht kein ParallelCall !

Mit der Einführung von Lync 2013 und dem mobile Client können Smartphones (IOS, Android, WP8) nun auch richtige Voice Clients sein. Sie melden sich am Lync Server per HTTP (UCWA) an und nutzen SIP/ICE über den Edge-Server um Audio und Video auf das Smartphone zu bringen.
In diesem Fall benötigen Sie die Funktion "Gleichzeitig anrufen" nicht, da der Client ein fast vollwertiger Lync Clients ist und selbst den ruf auf das Mobiltelefon per GSM (oder IP) steuert. Die Funktion "Gleichzeitig Anrufen" ist nur für "nicht Lync-kompatible" Telefonendgeräte erforderlich, z.B. einfache GSM-Telefone, klassische Analogtelefone oder DECT-Mobilteile

Was machen Sie, wenn Sie zwar mit Lync telefonieren aber nicht immer am PC sitzen?. Sie leiten das Telefonat auf ein DECT-Mobilteil oder ihr GSM-Mobiltelefon um. Eine solche einfache Umleitung hat aber den Nachteil, dass ihr PC gar nicht mehr klingelt. Daher gibt es in Lync die Funktion "Parallel Call", bei der Sie einfach zusätzlich eine zweite Nummer anrufen lassen können. Allerdings ist nicht der Lync Client die handelnde Instanz um den Anruf an das zweite Gerät zu melden, sondern der Lync Server übernimmt dies. Doch dazu später mehr.

Die Aktivierung der Einstellung erfolgt üblicherweise über das kleine Telefonsymbol in der Fußleiste des Lync Clients.

Lync stellt selbst einige Rufnummern aus ihrer Kontaktkarte bereit. Sie können natürlich auch eine eigene Nummer eingeben.

Parallel Call und Rufnummern

Die Einrichtung eines "Parallelcall" ist nur Personen möglich, die für Enterprise Voice freigeschaltet sind. Ansonsten könnten Sie ja nicht aus dem Telefonnetz angerufen aber vor allem nicht selbst wieder ins Telefonnetz ausrufen. Damit das aber fehlerfrei funktioniert, müssen natürlich drei Dinge korrekt konfiguriert sein

  • Zielnummer als E164
    Ich habe mir angewöhnt, hier immer nur E164 Nummern (also mit der +-Schreibweise (+495251304613) anzugeben, damit ich nicht von Normalisierungsregeln des Lync Servers abhängig bin.
  • Dialplan und Voice Policy
    Natürlich muss ich als Weiterleiter auch die Berechtigungen haben, die Zielnummer zu erreichen. Ich muss also z.B. Mobiltelefone oder die Nummer de Hotelzimmers im Ausland auch anrufen können
  • Source-Nummer mit CLIP
    Wenn ich am Telefon die Nummer des Anrufers sehen will, dann muss der Übergang zum PSTN auch die Funktion "Clip no Screening" unterstützten, d.h. ich muss beliebige Rufnummern als Anrufer senden dürften.

Dann steht der Benutzer aber nichts mehr im Wege. Das Routing übernimmt auch der Lync Server für sie, d.h. er schaut, welche Endpunkte gerade angemeldet sind und wie diese auf den "INVITE" reagiere

Wenn Sie eine Weiterleitung auf eine ungültige Nummer schicken, dann wird das Gateway o.ä. sehr schnell einen "404" Fehler senden und Lync den Anrufer dann auf die Voicemail vermitteln.

Parallel Call, Voicemail und Lync 2013 Mobile Client (Offline)

Mit der Einführung von Lync 2013 Mobile Clients ist mir ein seltsames Verhalten aufgefallen, was ich zuerst auf "Parallel Call" geschoben habe. Meine Anwender haben sich irritiert gezeigt, das das Mobiltelefone gerade mal 1-2 Sekunden klingelt, wenn jemand Sie anruft, obwohl Sie "Gleichzeitig Anrufen" abgeschaltet hatten. Nach eingehender Analyse hat sich folgendes ergeben.

  • Server ist Lync 2013 Server
  • Es ist weder Weiterleitung noch Parallelruf aktiviert
  • Der user hat Exchange UM (per default) aktiv, so dass ein Anruf nach 20 Sek an Exchange gesendet wird.
  • Der eingehende ruf wird vom Anwender NICHT am Arbeitsplatz angenommen, da er z.B.: gerade abwesend ist.
  • Der Anwender hat einen Lync 2013 Mobile Client, der per WiFi oder GSM erreichbar wäre.
    Der mobile Client ist aber in dem Fall "abgemeldet".

Der Anruf kommt also herein und wird von Lync an den PC gemeldet. Der klingelt auch brav aber wenn niemand den Ruf annimmt, dann wird der Ruf nach den eingestellten 20 Sekunden abgebrochen und an Exchange weiter gegeben. In dem Sonderfall aber hat das Mobiltelefone kurz vorher geklingelt, obwohl es eigentlich keine Konfiguration dazu gegeben hätte. In den Logs war es dann zu sehen, dass der Lync Server zwar den PC-Client mit einem INVITE versehen hat, aber nach ca. 10 Sekunden einen parallelen INVITE auf die Mobilfunknummer abgesetzt hat. Der hat natürlich einige Sekunden gedauert, bis es am Mobiltelefon auch geklingelt hat. Allerdings eben nur kurz, da nach 20 Sek die INVITEs es mit einem CANCEL zurückgezogen und der Anruf mit einem INVITE zu ExchangeUM gelenkt wurde.

Irritierend ist dabei, dass der Lync Server den mobilen Client bedient, obwohl der Client korrekt abgemeldet wurde. Ich habe zusätzlich sogar alle Lync Dienste und den IIS mit "Stop-CSWinService, Start-CSWinService" durchgestartet, was aber keine Besserung gebracht hat. Aktuell schlage ich daher zwei Möglichkeiten vor:

  • Lösung1:Timeout 10Sek oder kleiner
    Wer im Lync Client den Timeout für Voicemail auf 10 Sek stellen. Dann klingelt es nicht mehr am Telefon
  • Lösung2: Timeout 30Sek oder mehr
    In Lync den Timeout für Voicemail auf 30 oder mehr Sek stellen, dann klingelt es lange genug am Mobile Phone zum annehmen

Ich habe noch keinen Weg gefunden, wie man dem Lync 2013 Client auch  bei der Abmeldung sagen kann, das Lync Server den Parallel Call per GSM nach 10 Sekunden unterlassen soll !!!

Administrative Steuerung per Voice Policy

Für einen Administrator sind beim Einsatz von "Parallel Call" zwei Dinge wichtig:

  • Erlauben und Verbieten
    Bei Lync kann über die Voice Policy gesteuert werden, welche Anwender überhaupt die Berechtigung zum Einsatz diese Funktion haben

Set-CsVoicePolicy `
   -Identity "VoicePolicyName" `
   -AllowSimulRing $False

  • Einstellung auf dem Client
    Leider ist es nicht einfach per PowerShell möglich, diese Einstellung als Administrator zu ändern. Der Anwender selbst muss diese Einstellungen vornehmen. Allerdings gibt es mit SEFAUtil bei Lync 2010 ein Programm um die ein oder andere Einstellung zu ändern. Bei Lync 2013 könnte Export-CSUserData ein Weg sein, die Einstellungen des  Benutzers zu exportieren, die XML-Datei zu ändern und wieder zu importieren.

In OCS 2007R2 und Lync 2010 wurde für die Weiterleitung immer auch die Berechtigung des Anwenders verwendet. Das hat natürlich z.B. verhindert, dass Anwender ohne Berechtigungen für Mobiltelefone auch einen Parallelanruf auf ihr Mobiltelefon leiten konnten.

Seit Lync 2013 kann in der Voice Policy nicht nur der Parallelanruf ein und ausgeschaltet werden, sondern auch eine eigene PSTN-Usage zugewiesen werden.

Parallelruf und Mobiltelefon

Das Einrichten eines "Parallelcall" auf ein Mobiltelefon ist die klassische Konfiguration dieser Funktion. Kann ein Anwender so doch einen Anruf auf die Büronummer auch per GSM annehmen, z.B. wenn der Mitarbeiter nicht am Computer ist. Ich nutze diese Funktion auch:

Technisch wird der Anruf quasi zeitgleich an die verschiedenen Endpunkte gesendet aber natürlich klingelt ein Lync Client hier meist etwas früher als das Mobiltelefon, welches erst "gefunden" werden muss. Aber auch in anderer Hinsicht gib es Dinge, die vielleicht "unerwartet" sein können.

Ablehnen am Lync Client

Auf eine Besonderheit beim Parallelanruf wurde ich durch einen Kunden aufmerksam gemacht. Ein Anwender hatte folgendes eingestellt.

  1. Parallelanruf auf Mobiltelefon (Sofort)
  2. Unbeantwortete Anrufe auf Mobiltelefon weiterleiten

Wenn dann ein Anruf auf der Lync-Rufnummer ankommt, dann klingt der Desktop unddas Mobiltelefon. Wenn dann der Anwender aber den Ruf auf dem PC "ablehnt", dann leitet Lync das Telefonat als "unbeantwortet" noch mal auf das Mobiltelefon. Da das Mobiltelefon aber schon durch den ersten Ruf "belegt" ist, sendet dann der Carrier ein "BUSY HERE" zurück, was den Lync Server dazu bringt, auch dem Anrufer ein Busy zu melden. Wenn der Anwender also nicht schnell genug bei der Annahme am Mobiltelefon ist, dann ist der Anrufer mit einem Besetzt abgewiesen worden. Dies ist sicher ein seltener Fall, da er nur in Verbindung mit einer aktiven Aktion des Anwenders in einer speziellen Konfiguration auftritt. Aber oftmals sind es diese Tücken, die Zeit bei der Analyse kosten.

Zu schnelles Annehmen am Mobiltelefon mit Avaya gegen Anrufbeantworter

Eine anderes seltsame Verhalten wurde mir in Verbindung mit einer Avaya TK-Anlage zugetragen. Wenn hier ein weiter geleiteter Anruf an das Mobiltelefon "zu schnell" vom Teilnehmer angenommen wird, geht die Anlage davon aus, dass dort wohl ein Anrufbeantworter sich gemeldet hat und beendet das Gespräch!. An sich ist das eine pfiffige Funktion, denn wenn ein Mobilfunkteilnehmer einen Anrufbeantworter im Mobilfunknetz nutzt und eingehende Rufe bei "nicht Erreichbarkeit" sofort auf dem AB des Mobilfunkproviders landen, dann könnte der Anwender auch am Lync Client den Ruf oft nicht schnell genug mehr annehmen.

Allerdings umgeht man diese Problematik, indem dieser weitergeleitete Rufe als "Secondary Call" gekennzeichnet wird. Das ist auch sinnvoll, um z.B. eine weitere Weiterleitung beim Ziel auf ein drittes Ziel nicht zu aktivieren.

Sie sehen aber, dass Telefonie nicht nur ein "A ruft B"-Szenario abdecken muss.

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