Handy müssenger statt SMS

Ich denke, dass diese und ähnliche Programme durchaus SMS/MMS ersetzen aber Lync und andere kommerzielle Dienste sehe ich nicht in Gefahr. Interessant könnte eher eine Verbindung per XMPP in weiter Zukunft werden.

Skype
Auch Skype gibt es für Mobiltelefone und kann Kurzmitteilungen versenden. Allerdings liest auch da Microsoft mit

Wie im Mai 2013 bekannt wurde, liest Skype alle Textmitteilungen mit und prüft darin enthaltene URLs. Laut Datenschutzbestimmungen ist dies als Schutz gegen Phishing- und Malware-URLs ein Service. Einen Beigeschmack hat es natürlich aber zukünftig wird es sicher auch als SPIM - Spam via IM -Schutz sogar zum guten Ton gehören. Gehen Sie aber einfach davon aus, dass jede Kommunikation, die Sie nicht von "Ende zu Ende" Verschlüsseln mitgelesen wird. Das gilt auch für die 99% unterschlüsselt versendeten E-Mails und sogar DE-Mail.

Lange Zeit haben sich die Mobilfunkprovider schon eine goldene Nase an dem Dienst SMS verdient. Bis zu 160 Zeichen lange Meldungen werden über den Signalisierungskanal im GSM-Netz übertragen. Sie belegen also nicht einmal die früher kostbaren Sprachkanäle. Trotzdem waren die Preise für SMS früher exorbitant hoch und selbst 2012 sind 9 Cent/SMS üblich. Bei 34 Milliarden (2009, Quelle: Wikipedia) Meldungen ist das ein stattlicher Betrag. Sicher gibt es auch Volumenpakete und sogar SMS-Flats aber auch dann bleibt es bei 160 Zeichen oder Sie senden mehrere SMS-Meldungen oder sogar die noch teureren Multimedia SMS.

Sicher wissen Sie, das es natürlich schon länger auch für Mobilgeräte alternative müssenger-Dienste gibt und mit der Zunahme der Smartphones und entsprechender Verträge mit Datentarif können diese Programme eine SMS komplett ersetzen. Auch Lync gibt es als "mobile" Variante (Lync Mobile). Dazu ist aber eine Lync Installation in der Firma oder die Nutzung der kostenpflichtigen Office 365-Plattform erforderlich. Die möglichen Gegenstellen sind dann andere Lync Teilnehmer und über die Public Federation natürlich auch Yahoo, MSN, AOL. Allerdings beschränkt sich diese auf Instant Messages. Videos oder gar Sprache ist damit (noch) nicht möglich.

Mobile müssenger für Privatpersonen

Andere kleine und agile Hersteller, die keine Rücksicht auf Firmenbelange nehmen müssen, können hier natürlich ganz anders agieren. Sie können sehr viel schneller Trends folgen und sich auf die Dinge konzentrieren, die eine schnelle Verbreitung erlauben, Dazu zählen:

  • Zielgruppe: Privatanwender
    Es gibt viel mehr Einzelpersonen und Privatanwender, die ein Smartphone besitzen und auch ohne genauere Rückfrage mal schnell eine App installieren. Zumal sind diese Anwender oft nicht sonderlich sensibel, was den Datenschutz betrifft. Dazu später mehr.
  • Preis: Kostenfrei
    Der Abschluss eines Vertrags mit Kosten, die Rechnungsstellung etc. ist erst mal einer schnellen Verbreitung hinderlich. Also ist der komplette Dienst und die App erst mal Kostenfrei oder sehr billig. So ist WhatsApp auf Windows Phone kostenfrei, aber für das iPhone werden (immer noch billiger) 1,79€ aufgerufen. Kostenfrei heißt ja nicht, dass das unternehmen von Anwender nicht doch eine Gegenleistung bekommt. Das können die Kontaktdaten, die Inhalte oder eine eingeblendete Werbung sein
  • Endgeräte
    Natürlich muss ein Anbieter möglichst alle namhaften Plattformen unterstützen. Dazu zählen vornehmlich Apple iPhone und Android. Aber auch Windows Mobile und Blackberry sind lohnende Ziele.
  • Einfache Adressierung
    Mailadresse, SIP-Adressen oder ALIAS-Namen sind schwer zu merken. Die Mobilfunknummer in E.164-Schreibweise ist ein weltweit eindeutiger Identifier und glücklicherweise sind die Kontaktliste im Telefon entweder schon so gespeichert oder eine Anwendung kann mit dem bekannten lokalen Ländercode einfach die "0" ersetzen.
  • Datenschutz
    Alle Anbieter versprechen eine "sichere" Behandlung der Daten. Das dem nicht immer so ist, können sie natürlich der üblichen Presse entnehmen. Oft sind Protokolle und Authentifizierung schnell und "einfach" umgesetzt. Unverschlüsselte Übertragungen, Einfache MD5-Hashwerte von bekannten (MAC-)Adressen als Kennwort u.a. zeigen eher von unfähigkeit oder nicht wollen denn von Seriosität.

All diese Fakten mögen den Einsatz einer SMS-Alternative für Privatpersonen interessant erscheinen lassen. Aber können Sie sicher sein, dass nur Privates damit übermittelt wird ?

Datenschutz

Ehe ich im folgenden Kapitel ein paar Beispiele aufführe, möchte ich ihr Augenmerk auf jeden Fall auf das Thema Datenschutz lenken. Der Einsatz der App auf einem Mobiltelefon unterliegt nämlich einigen kritischen Fragen, die sich leider viel zu wenig Anwender stellen. Hinzu kommt, dass die meisten Hinweise sich schon als Printversion auf >10 DIN-A-4-Seiten erstrecken und auf einem Mobiltelefon eher nicht durchgelesen werden

Wenn Sie per "Messenger" mehr als nur ein paar Floskeln kommunizieren, dann sollten sie schon genau die Datenschutzbestimmungen und das "Kleingedruckte" lesen. Auch wenn der Dienst "kostenfrei" ist, so sollten Sie wissen, dass auch ihre Informationen einen "Wert" haben. Achten Sie daher zumindest auf:

  • Übertragung SSL statt Klartext
    Das Internet ist ziemlich offene für jedermann und mit TLS/SSL gibt es entsprechende Hilfsmittel, um die Daten zu verschlüsseln. Leider nutzen einige Dienste keine oder nur schwache Verschlüsselungsverfahren.
  • Nutzung der Daten
    Schauen Sie genau hin, was der Anbieter mit den Daten anstellen darf, die er zwangsläufig erhält. Denn alle müssenger arbeiten über zentrale Server. Eine direkte Kommunikation zwischen Clients ist fast immer unmöglich, so dass der Betreiber des müssenger-Dienstes als "Relay" agiert. Und damit landen natürlich alle Meldungen, StatusÄnderungen und letztlich sogar ihr Bewegungsprofil und ihre Kontakte auch beim Betreiber
  • Standort der Daten
    Damit kommt der Ort in den Fokus, an dem die Server stehen. Ich kann nicht bewerten, ob Server in den uSA, Europa oder Asien nun sicherer sind als anderswo. Ausland ist aber immer ein anderes Rechtssystem und eigene Rechte durchzusetzen ist dann nicht einfach. Es gibt zwar nicht mehr die Zweiteilung von "guter" NATO und "böser Ostblock" aber auch heute verfolgen Staaten primär ihre Interessen.
  • Beziehungen
    Sicher sind Menschen in Zeiten von Facebook, Twitter, Google+, LinkedIn, OpenBC, StudiVZ u.a. leichtfertiger mit dem umgang ihrer Daten und vor allem "Beziehungen" geworden. Viele der müssenger nutzen aber die Telefonnummer als Schlüssel und damit ist ein Rückschluss auf die Person sehr viel einfacher möglich als mit einem anonymen Konto mit Mailadresse. ändert jemand seine Telefonnummer und meldet sich "natürlich "wieder an, so ist es für einen Betreiber sehr einfach, diese Änderungen zu erkennen. Die Frage ist, ob Sie wollen, dass ihre "Buddy-List" so bekannt und verwertbar wird.
  • Vertrauen
    Letztlich müssen Sie sich einfach fragen, ob Sie so viele Informationen einem unbekannten Betreiber zur Verfügung stellen wollen, mit dem Sie, abgesehen von einem Anmeldekonto, keine sonstige Geschäftsbeziehung haben.

Hier mal ein aus meiner Sicht extremes Negativbeispiel. Wenn ich mit meinem Englischkenntnissen das richtig übersetze, dann ist das ein Freibrief alles mit den Informationen machen zu können.

Die Server, die den Dienst betreiben, stehen nach Aussage des Anbieters in Südkorea. Auf der anderen Seite nehmen Sie die Anbieter natürlich heraus, dass Sie ein Konto ohne Angabe von Gründen sofort blockieren oder sperren können, dass der Dienst von heute auf morgen eingestellt werden kann oder bei Ausfällen kein Schadenersatz möglich ist.

Ich finde es schon seltsam, wie unvorsichtig Anwender solche "Verträge" durch die Installation der Software quasi durchwinken.

Der Wettbewerber WhatsApp legt hier ein weniger aggressives Verhalten an den Tag und, vielleicht auch weil die Server in den uSA stehen, beschreiben ausführlich, was sie wie lange speichern und was sie explizit nicht speichern. Aber natürlich gewähren Sie sich auch verschiedene Rechte, die man nicht mögen muss.

Natürlich funktioniert ein Produkt immer erst ab einer kritischen Masse. Der Anbieter muss also möglichst viele Teilnehmer in kurzer Zeit erreichen und dazu sind zumindest am Anfang natürlich viele Mittel recht. Und wenn er die Rufnummern oder gar Mailadressen aus den Kontakten des Smartphone hat, dann kann er natürlich auch diesen "Kandidaten" ja schon mal einen Hinweis geben, dass seine Freunde schon lange "drin" ist.

Produkte im Markt

Wir können alle die Sprüche wie "Was nichts kostet, kann auch nichts sein", oder "per billig kauft, kauft zweimal". Dennoch sollten Sie genau prüfen, wozu Sie das entsprechende Programm benötigen und wie sensibel ihre Daten sind.

Produkt WhatsApp KakaoTalk Joyn

Firmen

USA

Südkorea

Lokal
GSM-Provider

Kosten

Kostenfrei ohne Werbung (Sep 2012)
Datenverbindung zum Internet Voraussetzung

Kostenfrei ohne Werbung (Sep 2012)
Datenverbindung zum Internet Voraussetzung

Teils Kostenfrei, 

Client

Samsung

Andere geplant
http://www.joynus.com/devices/

Funktion

Status
Standort
Textnachrichten (1:1 und 1:N)
Fotoversand
Videoversand
Sprachnachrichten
URL-Links
Kontaktkarten

Status

Textnachrichten (1:1 und 1:N)
Fotoversand
Videoversand
Sprachnachrichten
URL-Links
Kontaktkarten
VoIP-Call

Status
Standort
Textnachrichten (1:1 und 1:N)
Fotoversand
Videoversand
VoIP-Call
VideoCall

Primäre Adresse

E.164-Rufnummer

E.164-Rufnummer

Rufnummer

Freunde-Suche

Abgleich der lokalen Kontakte mit Server

Abgleich der lokalen Kontakte mit Server

Abgleich der lokalen Kontakte mit Server

Datenschutz

http://www.whatsapp.com/legal/

http://www.kakao.com/talk/en/terms.html
http://www.kakao.com/company/
en/operation_policy

http://www.joynus.com/

Federation

Nein

Nein

Nein

Sicher gibt es noch sehr viel weitere Produkte. Ich habe eine willkürliche Auswahl getroffen, die mir besonders oft aufgefallen sind. Hinweise auf andere relevante Produkte nehme ich gerne an.

Weitere Links