Sennheiser MB660 UC MS

Praxisbericht der Nutzung eines Sennheiser MB660 UC MS als Skype for Business Headset als auch als "Büroberuhigung" zum konzentrierten Arbeiten. Das Gerät wurde mir leihweise zur Verfügung gestellt. Vergleichbare Geräte dürften das Plantronics VOYAGER 8200 UC oder das Jabra Evolve 80 sein.

Ein Akt der Notwehr

Das Headset lag einige Tage auf meinem Tisch, bis ich quasi in einem Akt von Notwehr es ausgepackt, und aufgesetzt habe. Meine Kollegen im Büro haben relativ laut und lange telefoniert und ich wollte einen Artikel fertig schreiben. Einen Einschalter habe ich gar nicht erst suchen müssen. Um den Kopfhörer aufzusetzen, muss man ihn aus der Schutztasche nehmen und die platzsparend eingelegten Muscheln erst zurecht drehen. Und damit schaltet sich das Headset auch direkt ein. Per Sprachausgabe bekommen Sie ein verständliches Feedback. Auf der rechten Rückseite gibt es Schiebeschalter um die Noise Cancelling Funktion in zwei Stufen zu schalten.

Mein erster Eindruck war Verblüffung. Die Geräuschunterdrückung arbeitet so gut, dass ich im ersten Moment den Eindruck hatte, dass ich eine Erkältung haben würde und damit die Gehörgang und Nase dicht wäre. Totale Still darf man natürlich nicht erwarten und die geschlossene Bauweise dämpft natürlich auch schon die Umgebung aber die NC-Funktion macht aus dem "Dumpf" wieder ein "normal und viel leiser". Das war schon mal ein überwältigender Eindruck.

Um für konzentriertes Arbeiten noch mehr "abgeschottet" zu sein, bietet es sich an leise Hintergrundmusik ohne Text einzusetzen. Sennheiser liefert dazu ein 2,5mm/3,5mm Klinkenstecker-Kabel samt Flugzeugadapter mit. Das ist für den Einsatz auf der Reise oder beim Einsatz mit Telefonen vorteilhaft. Sobald das Audio-Kabel eingesteckt wird, wird Bluetooth abschaltet.

Die Kabel und Stecker machen einen hochwertigen Eindruck und sind vergoldet. Über die Haltbarkeit kann ich erst in einigen Monaten etwas schreiben.

Der Tragekomfort ist zumindest für meine Kopfform ideal. Auch nach 4h Dauermusik mit konzentrierter Arbeit an einem Dokument gibt es kein Druckgefühl aber auch keine Unsicherheit dass der Hörer verrutschen könnte. Damit man den Kopfhörer "richtig rum" aufsetzt, ist auf der Innenseite der Bügel ein "R" und "L" eingeprägt, was ruhig etwas sichtbarer sein könne. Aber im Dunkeln kann man ja immer noch die Schalter erfühlen, die nur an der rechten Muschel sind.

Alles kann sicher und platzsparend in der mitgelieferten Schutztasche verstaut werden, die leider keinen Trageriemen hat. Unterwegs sollte Sie also in der Tasche verstauen und kann Sie nicht einfach umhängen. Dafür macht sie einen sehr guten Eindruck und dürfte das Headset auch gut schützen. Der Innenaufbau ist passgenau auf den Kopfhörer ausgerichtet.

PC-Verbindung

Sennheiser liefert dazu einen kleinen kantigen USB-Dongle mit, der die Verbindung per Bluetooth 4.2 mit dem Headset herstellt. Zusätzlich gibt es ein Micro-USB-Kabel, mit dem das Headset direkt am PC angeschlossen und aber nicht nur geladen sondern auch betrieben werden kann. Sollte der Akku also einmal leer oder der USB-Dongle verlegt worden sein, dann hängt man einfach am Kabel. Entsprechend findet Windows mehrere Geräte:

MB660 ist der USB-Dongle, während die anderen Geräte der Kopfhörer selbst und dort enthaltene Steuerfunktionen sind, auf die ich weiter unten noch eingehe. Kaum sind die Treiber installiert, kann das Headset sowohl in Skype for Business als auch den Windows Sound Einstellungen ausgewählt werden.

Hier sehen Sie den gleichen Kopfhörer zwei mal, da der Dongle und das USB-Kabel eingesteckt ist. Das macht man natürlich normalerweise nicht und der Skype Client bricht den Call auch ab, wenn man die aktive Verbindung zum Headset unterbricht. Sie können aber schon mitten im Call in Skype for Business zwischen den beiden Verbindungen umschalten.

Mit 15 Stunden sollte es aber auch kein Problem sein, einen ganzen Büro-Tag Skype zu nutzen. "An der Strippe" hängen Sie damit sicher nicht. Leider gibt es keinen "Platz", an dem das Headset bei Nicht Benutzung standesgemäß geparkt werden kann.

Wenn Sie die Verbindung zum PC schon hergestellt haben, dann sollten Sie die Gelegenheit nutzen, die Sennheiser Software zum Update zu installieren.

Heute ist quasi in jedem Gerät eine CPU samt Software und Fehler werden durch Updates reduziert.

Ein Update der Firmware ist wichtig um nervige Fehler zu beseitigen. Sie können gerne dazu die Release Notes lesen.

Sensoren überall

"Sichtbar" sind beim MB660 nur der Schalter für die NC-Funktion den "Effekt Mode" (None, Club, Movie, Speech) und zur Abschaltung der Bluetooth-Funktion (Flugzeug). Zudem gibt es neben der Micro-USB-Buchse 5 LEDs die beim Laden den Fortschritt anzeigen. Nicht sichtbar bedeutet aber nicht, dass Sensoren fehlen würden. Sie sind als unsichtbare "Touch"-Flächen auf dem rechten Hörer und erlauben umfangreiche Steuerungen.

Aktion Musik Skype Call

Einfach Antippen

Pause/Fortsetzen

Annehmen/Auflegen

Antippen und 1 Sek halten

Pause/Fortsetzen

Ruf ablehnen oder beenden

Doppelt Antippen

TalkThrough aktivieren

Halten, Zweitanruf anrufen, Umschalten

Horizontal Wischen

Titel vor/zurück springen

Mute ein/Aus

Horizontal nach hinten wischen und halten

Zurück-Spulen

Voice Dial (Smartphone)

Horizontal nach vorne wischen und halten

Vor-Spulen

Wahlwiederholung

Senkrecht Wischen

Lauter/Leiser

Lauter/Leiser

Headset aufsetzen/absetzen

Pausieren/Fortsetzen

Anruf Annehmen/Anruf halten

Es gibt noch ein paar weitere Gesten, z.B.: um Wahlwiederholungen oder auch Sprachwahl mit Smartphones zu steuern. Ohne Sensor funktioniert natürlich die Stummschaltung der Musik bei einem eingehenden Anruf oder aktiven Gespräch. Auf der Linken Seite ist ein NFC-Modul für eine einfachere Paarung versteckt.

Ein Quick Reference Guide liegt dem Headset bei und kann auch bei Sennheiser herunter geladen werden.

Ton beim Telefonat und Musik

Der wichtigste Faktor bei einem Headset für Lync, Skype for Business und Teams ist und bleibt natürlich die Audio-Qualität. Hier ist durch den geschlossenen Aufbau natürlich ein ganz anderes Hören möglich als bei Headsets, die nur "auf" dem Ohr sitzen und vielleicht auch nur ein Ohr bedienen. Beim ersten "Telefonat" habe ich mich schon fast erschrocken, wie "nah" mein Gesprächspartner gewirkt hat. Die Sprachverständigung war absolut klar und deutlich und die Nebengeräusche sind quasi nicht hörbar. DAs ist ein deutlicher Unterschied selbst zu meinem anderen hochpreisigen Headsets.

Neben den vier Mikrofonen auf den Muscheln zum Ermitteln der Umgebungsgeräusche gibt es an der Vorderseite der rechten Muschel eine Öffnung über die meine Sprache aufgezeichnet wird. Ein "Mikrofonarm", wie bei klassischen Headsets gibt es hier nicht. Stattdessen sollen drei Mikrofone die Sprachverständlichkeit gewährleisten. Das funktioniert überraschend gut und selbst in lauten Umgebungen mit anderen Sprechern. Auf der einen Seite ist das ja auch zu erwarten, da es auch "Ohr-Headsets" für Smartphones gibt, die auch ohne Arm auskommen und bei quasi jedem Paketboten und Taxifahrer am Kopf hängen. Im Office-Umfeld sind die Anforderungen aber schon höher, da ein GSM-Codec nicht mit einer Skype Konferenz oder Wideband-Verbindung zu vergleichen ist. Ich kann mich selbst zwar nicht hören, aber meine Gesprächspartner haben eine gute Verständlichkeit attestiert.

Allerdings war es für mich erst mal ungewohnt, dass die eigene Stimme doch etwas gedämpft ist. Bei "offenen" Headsets hört man sich selbst doch ungefiltert, während hier die geschlossene Bauweise auch dieses Signal dämpft. Hier würde ich mir wünschen, eine Rückkopplung über das Sprachmikrofon auf die Lautsprecher zu bekommen und nicht nur als als Own-Voice-Detector für die Gegenseite genutzt wird. Das hilft auch bei der Kontrolle der eigenen Sprechlautstärke. Vermutlich ist das nur eine kleine Softwareänderung.

CapTune

Neben den Sensoren am Kopfhörer lassen sich einige zusätzliche Parameter über die Smartphone-App CapTune einstellen. Primär ist Captune eigentlich als Mediaplayer ausgelegt, über den Sie Musik vom Telefon, von DLNA-Servern oder vom Streamingdienst TIDAL wiedegeben können. Über die gleiche App können aber auch die kompatiblen Kopfhörer konfiguriert werden.

Das Headset muss dazu natürlich mit dem jeweiligen Telefon verbunden sind. Hier zwei Fenster von einem Apple Device:

Die Einstellung der Funktion "NoiseGard" erfolgt natürlich über den Schiebeschalter und wird hier nur angezeigt. Interessanter ist natürlich die Funktion "Sidetone", die per Default auf "0" steht. Damit kann ich einstellen, wie viel meiner Sprache im Telefonat mir selbst über Kopfhörer wiedergegeben wird. Das ist nicht zu unterschätzen, da die Noise Cancelling-Funktion auch meine eigene Sprache sonst deutlich reduziert.

Schade nur, dass es noch noch keine optionale Software für Windows gibt, mit der dies auch eingestellt werden kann. Zwar hat heute jeder Mitarbeiter quasi auch ein Smartphone und die Kopplung mit dem Telefon per Bluetooth ist durchaus sinnvoll, aber ein kleines Icon in der Trayleiste von Windows zum Einstellen und der Anzeige eines Status (z.B. Batterie) wäre ein Vorteil.

Einschätzung

Habe ich am Anfang noch gesagt, dass "Noice Cancelling" nur bedingt mit einem Headset einzusetzen ist, muss ich mich nun wohl korrigieren. Die Unterdrückung von Fremdgeräuschen und die glasklare Verständigung macht das kommunizieren deutlich einfacher. Das gilt insbesondere bei lauten Umgebungen und dichter besetzten Büros. Wenn man dann noch leise nicht störend Hintergrundmusik mitlaufen lässt, dann fühlt man sich wie in einer abgeschotteten Kapsel und kann konzentriert arbeiten oder an Konferenzen teilnehmen. Auch die Telefonie funktioniert sehr gut und nach einer entsprechenden Einstellung mit CapTune über die dumpfe Eigenverständlichkeit kann ich hinweg schauen. Auch nach mehreren Stunden im Sommer habe ich kein unangenehmes Drücken auf den Ohren oder dem Kopf und die Polster erscheinen hochwertig und das Headset ist sicher seinen Preis von ca. 400€ wert. Da kann ich nur hoffen, dass es in einigen Monaten auch Ersatzsteile (zumindest Polster, Ersatz-Dongle, eventuell auch Akku) gibt, damit man auch noch viele Jahre Freude hat oder beim Mitarbeiterwechsel das Headset hygienisch übergeben werden kann.

Etwas unschön ist, dass z.B.: die Einstellung der Sprache der Audiorückmeldung nur über eine Android/IOS-App möglich ist und nicht am MB600 direkt möglich ist. Mich persönlich stört die "Länge der Ansagen". Wenn ich in einer Konferenz die "Mute-Funktion" nutzt, dann ist das angesagt "Stumm aus" und "Stumm ein" mit jeweils 2 Sekunden und der Lautstärke schon übertrieben. Ein einfacher Ton oder kürzere Ansagen würde mir auch reichen. Das Gleiche gilt für den Druck auf die Soundprofiltaste. Aber da kann man drüber hinweg sehen.

Auf der anderen Seite ist es ein Vorteil, dass keine Software auf dem PC installiert werden muss. Wenn man so abgeschirmt ist, wäre ein visueller Indikator von Vorteil, damit auch die anderen Personen sehen, dass ich mich gerade "ausgeklinkt" habe. Denn durch den aufgesetzten Kopfhörer ist auf den ersten Blick nicht erkennbar, ob ein Gespräch aktiv ist. Für das Home-Office fehlt mir nur noch eine Funktion, den Kopfhörer auch drahtlos am Fernseher zu verwenden. per Analog-Kabel geht es natürlich. Ich bin kein HiFi-Freak aber ein guter Kopfhörer ist mir völlig ausreichend und vielleicht "erkennt" mein Fernseher ja auch den USB-Dongle.

Letztlich ist der MB 660 auf jeden Fall ein "Persönliches Headset" für den individuellen Arbeitsplatz, der aber dank NC nun überall sein kann. Dennoch würde ich mir schon eine "Tisch-Ablage" mit Ladefunktion wünschen, damit Kopfhörer und USB-Ladekabel ihren Platz haben. Zeit den 3D-Drucker anzuwerfen.

Vielleicht wäre es bei dem Preis gar keine schlechte Idee jedes Headset mit einer Seriennummer zu versehen und im "Verlustfall" eine Sperrung erreichen zu können. Oder eine PIN, über die man neue Partner freischalten muss.

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