Exchange 2013 Sizing

Auf der MSXFAQ gibt es mehrere Artikel zum Thema Sizing von Exchange und schon länger gibt es auch versionsspezifische Seiten wie Sizing 2003, Sizing 2000, Sizing 2007 und Sizing 2010. Da war es klar, dass spätestens mit dem Release der Sizer von Microsoft für Exchange 2013 auch eine Seite zu Exchange 2013 angefangen werden muss.

Zielgruppe

Ehe Sie nun aber in die Tiefen der Excel-Tabellen abtauchen, sollten Sie überlegen, ob Sie überhaupt die Zielgruppe sind. Der Blog-Artikel beschreibt schon die wesentlichen DesignÄnderungen in Exchange und deren Auswirkungen auf den aktuellen Sizer. War bei Exchange 2010 noch das 1 Datenbank pro JBOD-Volume empfohlen, hat Microsoft diese Vorgabe mit Exchange 2013 verändert. Mit der 33% IO-Reduzierung im Vergleich zu Exchange 2010 würde man mit dieser Vorgabe die Disks gar nicht mehr sinnvoll ausnutzen. Stellen Sie sich vor sie bauen 4TB-Festplatten ein und dann würden Sie dort nur genau eine Datenbank ablegen. Würden Sie wirklich eine Datenbank bis zu 4 TB planen und wie lange würde dann ein "Reseeding" dauern, was eine Kennzahl für SLAs (Service Level Agreement) ist? Ich denke eher nicht.

Aber damit sind wir schon beim Kernthema.: Wie groß ist eine Firma, die JBOD-Storage einsetzt, weil sie so viel Speicher vorhalten will, um in einer DAG mehrere dieser Storagepools einzusetzen?. Die meisten meiner Kunden bewegen sich in Größen von 200MB bis 1 GB pro Mailbox im Mittel. Es gibt sicher ein paar Ausreißer mit 3-10 GB aber der Mittelwert ist maßgeblich. Selbst mit 1 GB als Mittelwert für die nächsten 4 Jahre könnte man auf einer einzelnen 4TB Disk (Abzug von Reserve und Platz für Logfiles) mehrere tausend Postfächer betreiben. Da sind auch die "Samples" schon interessant


Quelle: http://blogs.technet.com/b/exchange/archive/2013/05/06/ask-the-perf-guy-sizing-exchange-2013-deployments.aspx

Mit solchen Startwerten kann man zwar gut zeigen, was Exchange leisten kann und wie die Excel-Tabellen funktionieren aber für den klassischen deutschen Mittelstand ist dies natürlich nicht hilfreich.

Da muss man sich schon fragen, wie viel Zeit für die Ermittlung der Ausgangsdaten für ein Sizing (Mailboxgröße, umschlagvolumen etc.) verwenden werden darf. Wer hier viele Stunden vorsieht, könnte diese Kosten auch einfach in einen größeren Server investieren. Wer die Server sowieso virtuell betreibt, könnte auch einfach loslegen und wenn mehr später Ressourcen erforderlich sind, dann müssen diese eben nachkonfiguriert oder nachgekauft werden. Durch ein genaueres Sizing vorab hätte man diese Investitionen vielleicht besser planen aber nicht verhindern können.

Sie sind aber gerne eingeladen das Readme und die Excel-Dateien selbst sich anzuschauen:

Exchange 2013 Server Role Requirements Calculator
Readme: http://gallery.technet.microsoft.com/Exchange-2013-Server-Role-c81ac1cf
Excel: v5.1: http://gallery.technet.microsoft.com/Exchange-2013-Server-Role-f8a61780

Sample Sizing

Zwei Aussagen von Microsoft kommen dem klassischen Mittelstand sogar entgegen:

In the Exchange 2013 architecture, all workload processing für a given user occurs on the Mailbox server hosting the active copy of that user’s mailbox. Therefore, cache utilization is much more effective.
Quelle: http://blogs.technet.com/b/exchange/archive/2013/05/06/ask-the-perf-guy-sizing-exchange-2013-deployments.aspx

Like with Exchange 2010, the recommendation in Exchange 2013 is to deploy multi-role servers.
Quelle: http://blogs.technet.com/b/exchange/archive/2013/05/14/released-exchange-2013-server-role-requirements-calculator.aspx

Wenn ihnen also jemand sagt, sie sollten 2+ CAS Server aufbauen und dahinter 2+ Mailboxserver, dann muss das nicht falsch sein. Aber wenn ein einzelner Server ihre komplette Last tragen könnte, dann würde ein einzelner Server nicht nur aus Lizenzkostensicht günstiger sein, sondern auch eine viel einfachere Umgebung bereit stellen. Wenn Sie in diesem Fall die Verfügbarkeit erhöhen wollen, dann ist ein zweiter identischer Server für eine DAG und ein kleiner Loadbalancer davor die wahrscheinlich beste Wahl.

Welche "Größe" der Server aber haben muss, ist nicht einfach zu bestimmen, da wie bei jedem Sizing die Last der Anwender relevant ist. Sie sollten als Minimalinformationen einsammeln:

Fragestellung Begründung

Summe aller Elemente in den Mailboxen und erwartete Wachstum.

Damit wird die Netto-Kapazität der Festplatten bestimmt, um neben dem Betriebssystem die Datenbanken vorzuhalten.

Änderungen durch Mails, Termine und Kontakte

Der zweite Aspekt ist die Menge an Mails, die Sie pro Zeiteinheit versenden und empfangen. Schauen Sie einfach wie viele GB heute pro Tag in ihrem Mailsystem umgeschlagen werden. Mit den Zahlen kann man dann die IO-Last, den Bedarf für Transaktionsdateien und Queues berechnen.

ClientLast

Dann interessiert natürlich noch die Last durch OWA und Pushmail. Outlooks im Cached Mode sind eigentlich nicht sonderlich relevant, mal abgesehen von einer initialen Replikation

Anforderungen an die Verfügbarkeit

Letztlich muss darauf passend eine Lösung gefunden werden. Das kann weiterhin ein Single Server mit Backup sein, ein virtuelle Server auf einer hochverfügbaren HyperV- (o.ä.) Umgebung oder doch eine Exchange DAG mit Loadbalancer.

Fakt ist aber auch, dass die meisten heute käuflich erwerbbaren "professionellen" Server eine Exchange Plattform für sicherlich bis zu 1000 user und vielleicht bis 2 TB bereitstellen können. ein Exchange Standard Server kann bis zu 5 Datenbanken belegen und so können sie 400-500 GB pro EDB-Datei auf Disks legen. Ein Sizing könnte sein

  • Gehäuse
    Finger weg von "Selbstbauservern" oder starken Desktops. Es darf schon ein richtiger Server sein und selbst wenn mittlerweile "Low Energy Server" mi 64bit ATOM-CPUs für <1000€ angeboten sind, so ist das sicher nichts für Exchange. Wenn wir die Kosten für SAN oder externe Speichereinheiten sparen wollen, sollten in das Gehäuse mehr als 2 kleine Festplatten passen. Selbst in 2 HE passen mittlerweile schon 24 Festplatten inkl. CPU und RAM
  • CPU
    Über 64bit müssen wir nicht mehr reden. Aber ein I3/i5/i7 ist und bleibt eine Desktop CPU. für Server sind andere werte als der reine Takt relevant. Es sollte also schon XEON (oder bei AMD vergleichbar) davor stehen und mehrere Kerne kann Exchange und Windows gut nutzen. Aber es muss nicht unbedingt ein System mit zwei Sockets sein. Ein Single Socket mit 4+ Cores dürfte in den meisten Fällen auch reichen.
  • RAM
    Interessanterweise kommen auch beim Exchange Sizer oft Server mit 8-16 GB raus. Bei virtuellen Systemen kann man mit Speicher etwas geizen und bei Bedarf ja einzelne virtuelle GB dazu geben, solange der Host den Speicher hat. Bei physikalischen Servern sind sie mit 16 GB meist ganz gut bedient. Das sollte aber kein VollAusbau sein und natürlich ECC. Das kostet nicht viel mehr aber da Fehler erkannt werden, sind sie leichter zu lokalisieren bzw. kommen sowieso seltener vor. Im Mai 2013 hat ein upgrade auf 32GB aber auch nicht viel mehr als 200€ gekostet.
  • Disk
    Durch die Einsparungen beim IO-Bedarf kann man mit "normalen" Serverplatten arbeiten, Es muss also nicht die SSD oder eine 15k Festplatte sein. Wenn Sie den Server mit mehreren 7500 u/Min SATA Festplatten (Auch hier bitte Server-Modelle, keine Desktopdisks) als RAID1 verschalten, dürften die meisten Anforderungen schnell genug bedient werden.
    Wobei auch die der Preisunterschied zwischen SATA und SAS nicht mehr so groß ist. Ich würde aber immer einen passenden RAID-Controller einplanen und wenn er eine BBU-Option hat, sollten Sie diese weniger 100€ immer dazu buchen.

Beispiele der MSXFAQ Leser

Um einen Eindruck zu erhalten, versuche ich hier eine Liste von Exchange 2013 Servern verschiedener mittelständischen Firmen zu pflegen.

Die Liste ist zugegeben noch nicht sehr lange da viele Exchange 2013 Projekte noch in der Umsetzung sind und Ergebnisse ja eigentlich erst am Ende der Umstellung aussagekräftig sind. Die ganz kleinen Systeme (Bereich Small Business) brauchen eigentlich gar keinen Sizer und die ganz großen Firmen planen meist noch. Der mittlere Bereich (ca. 100-10.000 Postfächer) ist in der Regel immer etwas konservativer mit der Einführung neuer Versionen oder musste eh auf Exchange 2010 SP3 und 2013CU1 warten.

Sie können mir gerne ihre Erfahrungen mitteilen. Ich würde mich freuen diese hier zu veröffentlichen.

Ich hoffe, dass sich diese Liste noch etwas füllt.

Server
CPU
RAM
DISK Benutzer
GesamtGB
Umschlag
Bewertung
Quelle

HyperV VM
2 Core, 2,4GHz
8GB Ram

Physik:2x 500GB SATA 7,2k RAID1
Disk0: 300GB VHD

50
60 GB
500 MB

Passend
Frank Carius

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dem diese "Vereinfachung" nicht gefällt, der kann gerne die offiziellen Anleitungen von Microsoft heran ziehen und selbst rechnen, z.B.

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