Win 8.1 Update

Achtung
Dies ist keine Seite, wie man ein Windows 8.1 korrekt durchführt sondern ein Protokoll eines fehlgeschlagenen Update, bei dem ich aber sehr viel gelernt habe. Und ja, auch etwas Leichtgläubigkeit ist auch dabei.

Die Vorgeschichte

Es hat alles damit angefangen, dass in meinem Umfeld immer häufiger Windows 8.1 zum Einsatz kommt. Langs zeit habe ich Windows XP genutzt und den zwischenschritt "Vista" elegant umschifft. Bei der Neuanschaffung eines Notebook (Lenovo T510) im Mail 2010 habe ich mit Windows 7 gestartet und es war ganz schön aufwändig die Daten vom alten XP-System zu übernehmen. Sicher, die Office-Dateien kann man ja einfach kopieren und selbst das Profil kann mit uSMT oder EasyTransfer übertragen werden. Aber viele Programme haben ihre eigene "Datenablage" die man so gar nicht auf dem Radar hatte. Teils liegen die Daten mit im Programmverzeichnis und werden unter Windows 7 dann nach "ProgramData" umgelenkt. Ich habe aber auch Programme gesehen, die die Daten unter "Public/öffentlich" abgelegt haben. Man sollte also nicht vorschnell den "alten PC" entsorgen, wenn man nicht wirklich jedes Programm gecheckt hat.

Irgendwann 2014 wird es wohl einen neuen Notebook geben und der hat dann gleich Windows 8.1 und vielleicht sogar ein Touchdisplay. Aber in der Zwischenzeit hatte ich mir überlegt, vielleicht einfach in "Inplace Update" durchzuführen. Vielleicht mutig aber einfacher als tagelang eine ArbeitsUmgebung neu einzurichten. Es sammeln sich ja schon einige Tools, AddOns etc. Und leider muss man einige Daten wirklich mühselig übernehmen, z.B.: die VBA-Makros für die MSXFAQ. Warum sollte dann das Update auf Windows 8.1 nicht auch einfach möglich sein? Schließlich ist die Plattform doch sehr ähnlich.

Das missglückte Update.

Zum Glück habe ich das Update nicht "on the Road" mal abends im Hotel angeworfen. Natürlich habe ich erst mal den Windows 8.1. Updates Assistenten" durchgeführt.

Fast alle Programme wurden als kompatibel angezeigt. für einige Programme war ein Update vorhanden (z.B. Zune für das nicht mehr genutzte "Windows Phone 7.5") und andere mussten laut Aussage danach neu installiert werden (Intel Treiber, ManyCam, Net 1.1, Netmon 3.4) und in iTunes sollte ich den autorisierten PC entfernen. Soweit also nichts kritisches und das macht doch Hoffnung.

Dann habe ich natürlich recherchiert, was alles so schief gegen kann. Erst Anlaufstelle war natürlich die offizielle Seite:

Und wenn man genau liest, dann sich nicht in der Spalte der Tabelle auf http://technet.microsoft.com/de-de/library/jj203353.aspx#paths irrt, dann sollte man sehen, das bei einem Inplace Update von Windows 7 auf 8.1 "leider" die Applikationen nicht mitkommen. Darauf weist das Update auch noch mal explizit hin:

Aber vielleicht wollte ich es einfach nicht wahrhaben, dass ich erst nach Windows 8.0 gehen müsste um dann auf 8.1 zu kommen. Sie ahnen sicher, dass nun das passiert ist, was ich bei Exchange und Lync zuverlässig vermieden hätte: Ich hatte danach Windows 8.1 auf dem Notebook aber ohne Applikationen. Das war natürlich ein Schreck und ich wollte auf jeden Fall wieder zurück.

Rollback

Aber eine Recherche ergab, dass es kein "Uninstall" dieses Updates geben kann. Nun gut, ich hatte vom Abend zuvor ein "Backup" und wie ich auf der Festplatte gesehen habe, gibt es auch ganz viele "Schattenkopien". Und natürlich repliziere ich auf dateibasiert einige wichtige Verzeichnisse mit einem Server. Aber irgendwie muss es doch möglich sein den Fehler ungeschehen zu machen.

  • Restore vom Server
    Eine Wiederherstellung vom Backup dauert relativ lange. Zuerst muss der Windows 2012 Essentials Clients starten und dann die knapp 700 GB per 100MBit Lan von einem 6 Jahre alten Aspire H340 zu laden und danach die 700 GB wieder mit Bitlocker verschlüsselt werden. Das ist also mein Notnagel
  • Disk Clone
    Ich hatte erst 10 Tage vorher die Daten der 750 GB SATA Disk auf eine SSD übertragen. Die alte HDD ist aber noch da. Ich müsste nur die Änderungen der letzten 10 Tage wieder zusammen bekommen. Das ist Option2
  • VSS-Kopien
    Ich weiß ja, dass mein Windows immer wieder "Schattenkopien" anlegt. Die kann man nutzen um alte Datenbestände über "Vorherige Versionen" zu restaurieren oder das Betriebssystem zurück zu setzen. Vielleicht geht da noch was
  • Windows.OLD
    Das Update hat natürlich nicht das alte Windows 7 komplett "geputzt". Auf der Festplatte fand ich durchaus noch ein paar "Old"-Verzeichnisse. Ein Versuch ist es wert.

Entsprechend bin ich dann die Optionen mit der leichtesten Übung nach oben durchgegangen. Natürlich nicht ohne eine weitere Absicherung der Daten. USB-Festplatten sind einfach zu billig um sie nicht zu nutzen.

Der Weg zurück: OLD-Verzeichnisse

Mit Windows 8 habe ich zuerst mal auf die Festplatte geschaut und siehe da: es gibt OLD-Verzeichnisse wie früher auch bei den verschiedenen Updates.

Da kann ich mir doch nicht verkneifen diese Verzeichnis einfach wieder aktiv zu setzen. Das geht natürlich nicht im laufenden Betrieb. Als Windows runterfahren und von einer Windows 7 CD booten, um über die Recoveryconsole eine CMD-Shell zu haben. Vorher sollte man natürlich Bitlocker "pausieren", da man sonst nicht an die Daten zugreifen kann. Ich habe dann einfach die bestehenden Windows 8.1-Verzeichnisse mit einem ".81" versehen und die ".OLD" zurück benannt bzw. zurück verschoben.

REM Win81 auf WIN7 downgrade mit Windows.old
REM Recovery Shell von Windows 7 DVD booten 
REM Installationslaufwerk suchen. (muss nicht c: sein). bei mir war es D:

d:
ren windows windows.81
ren "Program Files" "Program Files.81"
ren "Program Files (x86)" "Program Files (x86).81"
ren users user.81
ren perflogs perflogsold
attrib programdata äh
ren programdata 
 
cd windows.old
move intepub ..
move perflogs ..
move "Program Files" ..
move "Program Files (x86)" ..
move "users" ..
move windows ..
exit
reboot

Danach habe ich gespannt den Neustart erwartet. Warum auch immer hat Windows sogar mit dem noch vorhandenen Windows 8.1 Bootloader problemlos wieder Windows 7 gestartet. Allerdings mit einer Ehrenrunde über CHKDSK. Aber danach habt mich wieder ein fast wiederhergestelltes Windows 7 begrüßt. Ich konnte mich anmelden aber merkte schon schnell, dass das nicht alles war. Windows 7 bootet aber irgendwie hab ich kein Outlook 2013 mehr, sondern nur noch 2010, der Lync Client läuft nicht, Office will sich aktivieren. Die OLD-Verzeichnisse scheinen wohl noch nicht in jeder Hinsicht eine alte Kopie zu sein.

Das ist mir auf jeden Fall zu unsicher um damit produktiv weiter zu machen.

Der Weg zurück: VSS lokal

Aber wir haben ja noch die Schattenkopien oder auch "vorherige Versionen". Dass man damit alte Versionen einer Datei oder eines Verzeichnisses wieder öffnen oder durch Windows kopieren lassen kann, ist ja bekannt und für Dateien sogar ganz pfiffig:

Damit kann man Nutzdaten wieder holen und Theoretisch auch Windows. Praktisch geht es aber nicht da ACLS auch in den Schattenkopien ausgewertet werden aber vor allem weil der Explorer die Dateien dabei kopiert. Mit einem Betriebssystemverzeichnis kann das aufgrund von  symbolischen Links, ACLs, geöffneten Dateien etc. nicht wirklich gut gehen. Vielleicht ist auch das der Grund warum auf dem Systemlaufwerk selbst das "Wiederherstellen" nicht verfügbar ist.

 

Aber dann gibt es ja noch die Systemwiederherstellung in den Eigenschaften des Computers. Die Funktion können sie, wen der PC gar nicht mehr bootet, auch über die Windows BootCD erreichen.

Aber auch hier sollte einem zu denken geben, dass die Dokumente davon nicht "betroffen" sein sollen.

 

Wenn Sie die Funktion von VSS können, dann wird hier wohl auch nicht die komplette Disk zurück gesetzt. ich bin also keinen Schritt weiter

Der Weg zurück: VSS an anderem PC

So schnell geben ich aber nicht auf. Über die Recovery Console kann man leider auch nicht mit VSSADMIN oder DISKSHADOW arbeiten aber immer noch in der Hoffnung ein Rollback auf den vorhandenen Wiederherstellungspunkt machen zu können, habe ich die Disk ausgebaut und an einen Windows 2008 Server per USB angeschlossen. Dort musste ich zwar erst noch die Bitlocker-Unterstützung installieren aber dann war ein Zugriff auf die Daten problemlos möglich. Ich konnte in den Eigenschaften sogar die Schattenkopien sehen und unter Windows 2008 gibt es auch in der GUI Optionen um eine Schattenkopie zu restaurieren.

Aber auch hier "kopiert" der Explorer die Dateien. Besser ist es hier den Weg über das Kontextmenü der Festplatte im Explorer zu gehen und die Schattenkopien anstell von "Vorherige Version wiederherstellen" auszuwählen:

Wird auf der entsprechenden Festplatte dann die gewünschte Schattenkopie ausgewählt, dann gibt es auch hier einen "Revert"-Button.

 

Der funktioniert aber gänzlich anders. Hier wird wirklich die Festplatte dismountet und ein Rollback auf die ausgewählte Schattenkopie gemacht. Das ist z.B. auf HyperV eine Option um z.B. VMs zu sichern und wieder zurück zu holen, wenn man nicht mit VM-Snapshots arbeitet.

Aber auch hier hatte ich kein Glück.

Damit komme ich aber auch nicht weiter. Das ist kein "Rollback" der Partition. Also weiter mit der Kommandozeile. Im Gegensatz zu Windows 7 kennt Windows 2008 das Programm DISKSHADOW, welches den Befehl "REVERT - Revert a shadow copy." unterstützt. Also erst mal schnell die Liste der Schattenkopien geholt. Hier nur ein Auszug:

DISKSHADOW
LIST SHADOWS ALL

       * Shadow copy ID = {ebeaa2d5-fe29-44ab-8028-584fe1d84c57}               <No Alias>
               - Shadow copy set: {84c2df02-16a8-4b6a-8887-e65237ae3fea}       <No Alias>
               - Original count of shadow copies = 1
               - Original volume name: \\?\Volume{33d5c5db-82e2-11e3-93f4-f04da2db0671}\ [L:\]
               - Creation time: 1/22/2014 7:47:35 AM
               - Shadow copy device name: \\?\GLOBALROOT\Device\HarddiskVolumeShadowCopy26
               - Originating machine: NAWNBFC.netatwork.de
               - Service machine: NAWNBFC.netatwork.de
               - Not exposed
               - Provider ID: {b5946137-7b9f-4925-af80-51abd60b20d5}
               - Attributes:  No_Auto_Release Persistent Client_accessible Differential

       * Shadow copy ID = {a801ca8e-0981-4e27-a6bd-6070ab1ad76a}               <No Alias>
               - Shadow copy set: {68413a69-1c59-4a35-bc50-c8455e32404b}       <No Alias>
               - Original count of shadow copies = 1
               - Original volume name: \\?\Volume{33d5c5db-82e2-11e3-93f4-f04da2db0671}\ [L:\]
               - Creation time: 1/22/2014 10:27:18 AM
               - Shadow copy device name: \\?\GLOBALROOT\Device\HarddiskVolumeShadowCopy27
               - Originating machine: NAWNBFC.netatwork.de
               - Service machine: NAWNBFC.netatwork.de
               - Not exposed
               - Provider ID: {b5946137-7b9f-4925-af80-51abd60b20d5}
               - Attributes:  No_Auto_Release Persistent Client_accessible Differential

Die Schattenkopie mit der ID "{a801ca8e-0981-4e27-a6bd-6070ab1ad76a}" interessiert mich. Also versuche ich eine "Wiederherstellung

DISKSHADOW> revert {a801ca8e-0981-4e27-a6bd-6070ab1ad76a}
Reverting to shadow copy ID {a801ca8e-0981-4e27-a6bd-6070ab1ad76a} on volume \\?\Volume{33d5c5db-82e2-11e3-93f4-f04da2db0671}\ from
provider {b5946137-7b9f-4925-af80-51abd60b20d5}. Shadow copy attributes: [0x0042000d]...
Could not revert the shadow copy. Shadow copy ID: {a801ca8e-0981-4e27-a6bd-6070ab1ad76a}

The last operation failed.
        - Returned HRESULT: 8004230f
        - Error text: VSS_E_UNEXPECTED_PROVIDER_ERROR

Alternativ habe ich noch mal VSSADMIN verwendet aber auch hier ohne Erfolg- DISKSHADOW ist aber deutlich einfacher zu verwenden. Es ist mir nicht gelungen eine früheren Stand der kompletten Festplatte zurück zu holen. Das ist dann schon etwas ernüchternd, da eine manuell unter Windows 2008 angelegte Schattenkopie auch wieder zurück gerollt werden konnte. Es mag sicher noch einige tricks geben, aber allzu lange wollte ich mich da dann auch nicht festbeißen.

 

Final Step

Ich musste einsehen, dass ich entweder bei den Wiederherstellungsversuchen was falsch gemacht habe, was übersehen habe oder ein Windows 8.1 Update so einfach nicht mehr rückgängig zu machen ist. Anstatt nun einen langwierigen kompletten Restore zu versuchen, der durch eine Bitlocker-Session eine weitere Verzögerung bedeutet hätte, habe ich die a10 Tage alte Festplatte wieder ausgekramt und in Betrieb genommen. Und schon hat mich meine "gewohnte Umgebung" wieder angelacht.

Dann habe ich die andere Festplatte über einen USB-Adapter an den PC angeschlossen und mit den letzten VSS-Stand vor dem versuchten Update zu holen und dann alle in den letzten 10 Tagen geänderte Dateien wieder geholt. So viel waren es ja nicht. Das meiste waren Office-Dokumente. Ich habe mir aber auch die 1,7GB Große OST-Datei kopiert, denn Outlook meinte, dass die 10 Tage alte Kopie zu Alt für eine weitere Verwendung ist und ich diese Löschen und eine neue Synchronisation starten sollte. Das wollte ich selbst trotz DSL16000 dann doch vermeiden.

Was ich draus lerne

Lesen, prüfen, Absichern, auch wenn man sich relativ sicher ist. Auch als "Windows Profi" hält Microsoft so die ein oder andere Überraschung parat. Und wenn die Daten wirklich wichtig sind, dann sollten Sie diese auch regelmäßig sichern. Und vielleicht klemme ich doch vor größeren Umstellung en eine externe 1TB HDD per USB3 oder sATA an, um sehr schnell ein volles "Image" zu ziehen. Nicht immer ist ein XCOPY/ROBOCOPY eine vollwertige Wiederherstellung von Datenstrukturen.

Ob ich noch mal ein Update auf Windows 8.1 wage? Vielleicht und dann über Windows 8. Eine Neuinstallation auf einem 3,5 Jahre alten Notebook starte ich nicht mehr. Dann warte ich lieber auf das nächste Notebook. Vielleicht ist ein 5 Jahre lange im Betrieb mit vielen Installationen, Deinstallationen, Updates und Patches gehaltenes Windows 7 auch keine gute Basis mehr. So langsam kann ich verstehen, dass Microsoft nun auch mit "Apps" arbeitet oder Application Virtualization. Das kann schon interessant sein so reibungslos Komponenten auch wieder los zu werden.

Hier noch mal als Kurzform

  • Inplace Update Windows 7 auf Windows 8.1
    Nimmt keine Programme mit. Wenn man das möchte, muss man den Zwischenschritt über Windows 8.0 machen. Ist aber, wenn man genau liest, bei Microsoft auch beschrieben.
  • Rollback Versuch über OLD geht nicht.
    Auch wenn es „windows.old, user.old, program files.old“ gibt, so bekomme ich ein bootendes Windows 7 mit zweifelhaftem Datenstand.
  • Rollback über VSS
    Schön, dass es VSS gibt aber anscheinend ist es wirklich nur dazu da, als Anwender eine vorherige Version einer Datei zu holen oder das Betriebssystem auf einen vorherigen Stand zu stellen. Der Versuch aber die komplette Disk auf den „vorherigen Stand“ zu bringen war nicht möglich. Weder per GUI noch per DISKSHADOW noch VSSAdmin. Auch nicht mit einer Windows Recovery CD noch am Windows 2008 Server per USB.
  • Restore Versuch Das Win2012 Essentials Backup braucht fast 1h, bis die Recovery CD endlich alle Treiber etc. zusammen hat, um ein Restore zu starten. Das habe ich mit dann auch geschenkt. 1T über 100Mbit von einem 7 Jahre alten Homeserver.  Irgendwann muss man ja mal arbeiten.
  • Disk vom 12. Jan retour Das war dann Glück, dass ich gerade mal 10 Tage vorher die komplette Partition offline auf eine SSD kopiert habe. Also alte HDD wieder rein und. Voila ich kann arbeiten. Von der SSD dann noch alle Dateien geholt, die „neuer“ warten (MSXFAQ-Web, Buchhaltung, Tagebuch, etc.) und nun bin ich wieder  „Safe“.

Noch habe ich die Festplatte mit den VSS-Kopien. Wenn jemand einen heißen Tipp für ein "Rollback" hat, kann ich es immer noch einmal ausprobieren.

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