Evolution mit Exchange

Schon länger weiß ich, dass mit Evolution (Früher Ximian und dann Novell) ein sehr leistungsfähiger Client für Unix zur Verfügung steht, welcher auch eine Anbindung an Exchange erlaubt. Als ubuntu 0610 veröffentlicht wurde, habe ich wieder einen Versuch gestartet, Evolution mit Exchange zum Laufen zu bekommen und ich muss sagen: "Well done".

Evolution vor Windows.
Die Geschichte von Evolution können Sie sehr einfach auf http://de.wikipedia.org/wiki/GNOME_Evolution nachlesen. Evolution ist ein Personal Information Manager, welcher auf Unix und mittlerweile auch Windows genutzt werden kann und sogar mit Exchange kommuniziert.

Wer in Evolution "Exchange" einstellt, muss wissen, dass Evolution dahinter auf "WebDav" bzw. OWA zugreift, analog wie in Vorzeiten die Homebanking-Tools, die BTX-Seiten "abgelesen" haben. Aber mit "Evolution-MAPI" gibt es mittlerweile wohl tatsächlich einen Weg. Siehe auch
Connecting Evolution Mail Client to Exchange 2010 (and Exchange 2007)
http://www.petenetlive.com/KB/Article/0000378.htm

Persönlich hoffe ich, dass Evolution zukünftig vielleicht einfach "WebServices" spricht. Über HTTPS ist es sicher, gut spezifiziert und Plattformunabhängig. Siehe auch Webservice und EWS.

Scheinbar ist EWS in Vorbereitung, Siehe:
For Microsoft Exchange 2007 and 2010 the package evolution-ews is currently under development and will replace evolution-mapi in the future. It might not be available yet für your distribution
http://library.gnome.org/users/evolution/stable/exchange-connectors-overview.html.de

Wer mit Wem

ich habe mal versucht eine Matrix zu erstellen, die die Zusammenarbeite der Evolution Version mit Exchange darstellt. Da ich selbst kein Evolution benutze, freue ich mich über Hinweise auf Fehler und Aktualisierungen.

Evolution Version 2000 2003 2007 2010 2013

Evolution-2.28.2-1 Windows

Leider kein WebDav
oder EWS Support

Leider kein WebDav
oder EWS Support

Evolution-2.28.2-1 Unix

Natürlich können Sie mit Evolution über POP3 und IMAP4 ebenfalls mit jeder Exchange Version arbeiten und per LDAP das Active Directory befragen, aber die ist nur eine Notlösung-.

Eine direkte Anbindung von Evolution an Exchange 2007 per OWA ist aktuell noch nicht möglich. Ich denke aber, dass die Entwickler sehr bald hier ein Update nachschieben werden. (Stand 07. Jun 09, ubuntu 9.04)

Angeblich soll ubuntu 09.10 mit Modulen mitkommen, damit Evolution mit Exchange 2007 kommunizieren kann. Ich werde das bei Gelegenheit nachstellen.

Eine Anbindung ist aber über "evolution-brutus" möglich, welches aus einem Server besteht, der auf Windows läuft und per MAPI auf das Postfach zugreift und eine CORBA-Schnittstelle anbietet, die Evolution heute schon nutzen kann. Siehe auch http://freshmeat.net/projects/brutus

Über die Webseite von http://www.dipconsultants.com/evolution/ gibt es Evolution auch als Windows Version samt Installer.

Start

Wenn Sie ubuntu 6.10 als CD haben, dann können Sie direkt von der CD starten und damit sogar Evolution direkt nutzen. Ich habe für die folgenden Bilder und Tests VMware auf Windows XP genutzt  und ubuntu 6.10 direkt von CD gestartet. Evolution findet sich direkt im Startmenü unter Internet.

Evolution hat natürlich auch eine Posteingang etc. aber interessanter sind hier die Möglichkeiten, weitere Dienste einzubinden.

Konfiguration

Die Einbindung von POP3.Konten etc. ist natürlich einfach aber auch Exchange steht als Option zur Verfügung.

Da der Zugriff per HTTP erfolgt, muss die URL zu OWA, der Benutzernamen und unter Legitimation natürlich das Kennwort hinterlegt werden.

Die Funktion aus dem Internet ist allerdings eingeschränkt, da die Adressbuchabfrage anscheinend per LDAP erfolgt und nicht per OWA. Eine Nutzung aus dem Internet ist aber auch eingeschränkt, wenn Sie von dort die Anmeldung an OWA zusätzlich abgesichert haben, z.B. per RSA-Token. Aber mit der Formularbasierten Anmeldung von Exchange 2003 kommt Evolution problemlos klar

Aber dass mein Zertifikat nicht vertrauenswürdig ist, wurde mir weder angezeigt noch wurde ich gewarnt. Hier sollten die Entwickler noch mal "Bequemlichkeit" durch Sicherheit ersetzen. Ansonsten kann ein potentieller Angreifer ja einfach über einen Eintrag in der Hosts den Evolution Client an einen anderen Webserver umleiten und das Kennwort abfangen.

Dann noch den Namen als Beschreibung für das Profil eingeben

Und die korrekte Zeitzone auswählen:

Und das war schon die komplette Ersteinrichtung:

Das war auch schon die komplette Einrichtung von Exchange und Evolution

Mail

Nach der Anwendung sehen Sie hoffentlich schon ihren kompletten Outlook Posteingang samt unterordner. Dabei wird das Postfach als "Personal Folder" angezeigt, was aber nicht mit der PST-Datei von Outlook verwechselt werden darf. Auch die Favoriten der öffentlichen Ordner sind sichtbar. Evolution lädt beim ersten Klick auf einen Ordner natürlich per HTTP den kompletten Ordner samt Details herunter. Es entspricht in etwa dem Outlook 2003 Cached Mode, bei der die lokale Kopie genutzt wird und die Daten mit dem Server abgeglichen werden.

Lassen Sie daher Evolution etwas Zeit, bis die Daten auch lokal vorliegen !. Gerade der Kalender muss z.B.: erst repliziert sein, bis Sie die Daten auch sehen. Insofern eignet sich Evolution eher nicht für den Einsatz von unterwegs auf fremden Systemen.

Wenn Sie das Postfach genauer anschauen, dann werden Sie erkennen, dass die Ordner "Kontakte", "Kalender" und Aufgaben nicht vorhanden sind. Diese werden ausgeblendet und als eigene Links angezeigt und auch grafisch anders aufbereitet.

Termine und Aufgaben

Ein Klick auf den "Kalender" schaltet die Ansicht um, damit der Kalender und daneben auch die Aufgaben angezeigt werden. Natürlich können Sie die Ansicht nach "Tag", "Arbeitswoche" etc. anpassen.

Wenn Sie nicht sofort ihre Kalenderdaten sehen, dann haben Sie etwas Geduld. Bei mir dauerte es einige Minuten, bis Evolution die Termine alle repliziert hatte.

Kontakte

Auch die Kontakte sind natürlich eine wichtige Informationsquelle. Eine passende Ansicht zeigt sowohl die eigenen Kontakte an, als auch die Kontakte, die in öffentlichen Ordnern als Favoriten eingepflegt sind.

Auch per LDAP kann nach Kontakten (z.B.: die GAL) gesucht werden. Aber das funktioniert natürlich nur bei direkter LDAP-Verbindung. Die wenigsten Firmen werden ihre DCs auf dem Internet per LDAP erreichbar machen.

Exchange spezifische Einstellungen

Interessant ist, dass auch sehr umfangreich Exchange Funktionen unterstützt werden. So kann ich auch die "Out of Office"-Einstellungen und sogar andere Personen Berechtigen (Delegation).

Zusammenfassung

Wenn Sie Linux oder Unix einsetzen, dann ist Evolution aus meiner Sicht der Client für den Einsatz mit Exchange, zumindest solange sie an "ihrem" PC arbeiten. Wenn Sie öfters den Arbeitsplatz wechseln, dann kann die Funktion des lokalen Speichern natürlich genauso wie beim Outlook Cached Mode störend sein. Aber wenn Sie die Wahl zwischen dem "Classic mode" des Outlook Web Access und Evolution haben, dann gewinnt Evolution in jeder Hinsicht.

Zu Bemängeln habe ich eigentlich nur das blinde Vertrauen in ein SSL-Zertifkat, dessen StammCA nicht bekannt ist. Zudem ist für einen Outlook Anwender die GUI doch etwas gewöhnungsbedürftig und könnte Platzsparender aufgebaut sein. Einige Anfragen scheinen das Programm komplett zu blockieren.

Das einzige was jetzt noch fehlt ist ein Synchronisationsprogramm, welches die GAL als Kontakte in einen öffentlichen Ordner ablegt. Dann können Sie per Evolution sogar aus dem Internet nur per HTTP arbeiten. Aber das Problem kann ich mit einem einfachen VBScript lösen, wenn ich mal etwas Zeit finde.

Da Evolution über HTTPS noch keine GAL abfragen kann, wäre eine Serverfunktion ganz nützlich, die die GAL einfach in einen Kontaktordner repliziert. Entsprechende Überlegungen für ein Skript gibt es schon.

Evolution mit EWS

Als ich mal wieder eine aktuellere Linux-Version (Hier ubuntu 1304) installiert habe, habe ich doch tatsächlich ein AddON für Evolution  mit EWS-Support gefunden. Sowohl Evolution als auch das EWS-Modul sind schnell über den ubuntu Appstore installiert

Entsprechend erscheint bei der Einrichtung des Kontos nun auch Exchange Web Services als mögliche Verbindung.

Und wie nicht anders zu erwarten, können Sie hier die HTTPS-URL für die Exchange Web Services einrichten.

Exchange 2007

Ich versuche immer mal wieder einen neuen Build von Evolution gegen Exchange 2007. Mittlerweile ist es ja so, dass Exchange 2007 sehr einfach und offiziell per Webseite (EWS) erreichbar ist und die Entwickler daher gar nicht mehr "OWA" und WebDav zweckentfremden müssten. Dennoch ist auch mit ubuntu 9.04 noch keine direkte Verbindung von Evolution an Exchange 2007 möglich.

Evolution an Exchange 2007

Die Fehlermeldung möchte dem Anwender sogar glauben machen, dass es sich um einen Exchange 5.5 Server handeln würde. Das stimmt natürlich nicht. Wenn Sie neue Hinweise haben, wie Evolution an Exchange 2007 direkt genutzt werden kann, dann freue ich mich über einen Hinweis. In Newsgroups fand ich

Quelle: http://mail.gnome.org/archives/evolution-list/2008-January/msg00057.html
We call it Evolution 2.22 and not 2.14 (Versions are synced with GNOME).
There is a Exchange MAPI connector work in progress that can work
against Exchange 5.5/2000/2003/2007. The plugin would be usable against
2.22 but won't be part of 2.22 release though. Since it might arrive a
bit late than the actual 2.22 release

http://mail.gnome.org/archives/evolution-list/2008-January/msg00064.html
Sources are at http://svn.gnome.org/viewvc/evolution-data-server/branches/EXCHANGE_MAPI_BRANCH/ and http://svn.gnome.org/viewvc/evolution/branches/EXCHANGE_MAPI_BRANCH/
It is based on OpenChange's libmapi and will work against 5.5, 2000, 2003 and 2007.

Anscheinend wollen die Entwickler eine Zwischenschicht nutzen, die ihrerseits per MAPI auf Exchange 2007 zugreift. Ich würde hier eher auf Webservices setzen und nicht mehr so viel Aufwand in die Unterstützung von Exchange 5.5 und 2000 stecken.

Evolution Windows

Auch wenn es für Windows natürlich Outlook gibt, so ist dieses seit Exchange 2007 nicht mehr Bestandteil der Exchange CAL, so dass Firmen nun Outlook getrennt lizenzieren müssen. Besonders wenn Firmen OpenOffice oder kleine Office-Versionen einsetzen, dann ist natürlich Outlook nicht mehr einfach so mit drin. Auch gibt es Firmen, die vielleicht Evolution auf Unix einsetzen und einfach aufgrund der Einheitlichkeit auf allen Desktops das gleiche Programm einsetzen wollen. Evolution für Windows wird parallel zu Unix bereit gestellt.

Ich installiere mit immer mal wieder die aktuelle Version, um zu die Kompatibilität mit aktuellen Exchange Versionen zu testen. Leider ist auch die Version Evolution-2.28.2-1 Windows noch nicht direkt mit Exchange 2007/2010 kompatibel. nachdem ich Evolution beendet hatte und es deinstallieren wollte, ist mir aber aufgefallen, dass die Deinstallationsroutine einige Prozesse anmeckerte.

Scheinbar stoppe Evolution beim Beenden diese zusätzlichen Dienste nicht mit, d.h. die verbleiben im Speicher. Das kenne ich so nur von stümperhaft geschriebener Freeware. Hoffentlich besser sich das zukünftig. Selbst Outlook schafft es mittlerweile beim einem Ende seine MAPI-Subsysteme fast immer sauber zu beenden, auch wenn dies vielleicht ein paar Sekunden länger dauert.

Evolution und Brutus

Das Projekt schon schon länger nicht mehr aktualisiert worden zu sein. Eventuell ist es nicht mehr aktiv.

Gerade auf der Unix-Seite ist es nicht einfach, eine direkte Verbindung über RPC mit Exchange herzustellen. Outlook nutzt z.B.: MAPI als Schnittstelle auf dem Desktop und der MAPI-Treiber spricht dann RPC mit Exchange (Siehe auch MAPI-Profile). Auf Unix und Evolution generell kann nicht darauf aufbauen, dass es auf Windows mit installierter Exchange MAPI läuft. Daher haben ein paar Entwickler das Projekt "Brutus" gestartet, welches als Middleware zwischen Evolution und Exchange dient. Auf einem Windows Server wird quasi die Exchange MAPI (CDO) und ein Brutus-Server installiert. Auf der Evolution-Workstation landet dann ein Connector, damit Evolution über diesen Brutus-Server auf Exchange zugreift.

Durch die Veränderungen in Exchange zu offenen Standards wie z.B. Exchange Web Service, könnte diese Komponente Überflüssig werden. Schon neuere Versionen von Evolution haben auf die Exchange-Schnittstelle WebDAV aufgesetzt, die aber beim Wechsel auf Exchange 2007 verändert wurde, so dass Evolution erst angepasst werden müsste. WebDav ist mit Exchange 2010 entfallen, so dass neuere Evolution-Versionen besser direkt gegen die WebServices entwickelt werden sollten. Sobald dies passiert ist, gibt es für Brutus keine Aufgabe mehr. Vielleicht ist dies auch ein Grund, dass das Projekt schon länger nicht mehr weiter entwickelt wird. Leider sehe ich aber auch noch keine Anpassungen von Evolution Richtung WebServices.

LibMAPI

Schon seit längerer Zeit gibt es eine MAPI für Unix, die auf einem Unix-System eine MAPI-ähnliche Schnittstelle zur Verfügung stellt, die direkt mit dem Exchange Server per RPC kommuniziert. Allerdings scheint die aktuelle Version nur der Versand und Empfang von Mails per MAPI und den Zugriff auf das Adressbuch zu erlauben. Weitergehende Funktionen wie den Zugriff auf Kalender und Kontakte sind wohl nicht implementiert. Ich denke dass auch diese Entwicklung mit der weiteren Verbreitung von Exchange 2007/2010 einschlafen wird, da die WebServices ein vollwertiger und vor allem plattformunabhängiger Ersatz sind.

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