Azure

Als ich das erste mal "Azure" gehört hatte, habe ich es als "Shared IIS Hosting für Developer" abgetan. Vielleicht auch daher, weil die erste Zielgruppe wohl auch Entwickler waren und auch heute in MSDN-Paketen entsprechende Vergünstigungen enthalten sind.

Alle MSDN-Abonnenten können jetzt monatliche Gutschriften für Windows Azure-Dienste erhalten. Im Folgenden werden einige Beispiele für die Verwendung der in den Premium- oder Plattform-Versionen enthaltenen Gutschrift in Höhe von €75 pro Monat aufgeführt.
Quelle http://www.windowsazure.com/de-de/pricing/member-offers/msdn-benefits/ Dez 2013)

Azure als VM-Host

Aber dann sollte ein Kollege von mir den Lync-Zugang eines Kunden von extern auf seine Leistungsfähigkeit testen. Als Microsoft Gold Partner haben wir natürlich auch ein paar Azure-Guthaben", die lange zeit einfach brach gelegen haben. Niemand wusste so genau, was man damit anfangen sollte, denn der Team Foundation Server und die Test-VMs waren ja bei uns im Gebäude und warum sollte man über eine im Vergleich zu internem Gigabit "langsamen" Internetleitung in Azure arbeiten. Aber nun brauchten wir schon mal einen Rechner "draussen" in einem anderen Datacenter mit guter Anbindung und da kam wieder "Azure" ins Gespräch. Nach einem kurzen Check war klar: Das ist die für diese Aufgabe genau passend.

Das monatlich zugestandene Guthaben war nicht mal angetastet worden und mit wenigen Mausklicks war eine neue VM erstellt. Uns reicht eine "Small" VM mit Windows und die War in wenigen Minuten von Azure fix und fertig angelegt. Passend dazu ganz es eine öffentliche IP-Adresse, unter der diese Serverinstanz per RDP erreichbar ist und wir die erforderlichen Installationsdateien übertragen und installieren konnten. Und schon konnten wir die gewünschte Gegenstelle direkt antesten. Das ging deutlich schneller als erst eine eigene VM zu installieren oder zu clonen und zudem stand diese VM ja "draußen".

Kosten

Nun werden Sie natürlich zuerst mal auf die Kosten schauen. Das hatte ich vor langer Zeit auch schon mal gemacht und heute (Dez 2013) sind die Preise im Gegensatz zu früher noch deutlich gefallen. Die oben beschriebene kleine VM mit Windows 2012, auf dem ich eine PRTG-10-User (Free)-Version für ein zehn Stunden installiert hatte, kostet mich weniger als 1 Euro !

6,8 Cent kostet so eine kleine VM mit 1,75GB Ram, die für kleine Jobs schon ausreicht. Ob ich den Server nun für knapp 50€/Monat oder 600€/Jahr durchlaufen lassen würde müssen sie selbst entscheiden. Microsoft und andere Anbieter können natürlich auch nicht hexen und so viel günstiger sind deren Einkaufsbedingungen nicht.

Einsatzbereiche

Aber wann ist Azure denn interessant?. Bei der Kostenrechnung dürfen sie nicht den Fehler machen, einfach nur den Server anzusetzen. Im Azure Preis ist auch der Platz, Strom, Klima und Windows Server Lizenz enthalten. Und die Hardware kann, da virtuell, sehr einfach verändert und angepasst werden. Auch gibt es viele Optionen, z.B. geografische Verteilung, die zwar wieder mehr kosten aber bei ihnen vor Ort vielleicht noch gar nicht ohne größere Investitionen möglich sind. Denken Sie mal über folgende Aufgabenstellungen nach:

  • Test-VMs, Demo-VMs, Entwickler-VMs
    Solche VMs werden immer nur kurzfristig für bestimmte Aufgaben gebraucht und dann wieder beendet. So kann ein Vertriebskollege einfach eine Demo-Umgebung für den Einsatz beim Kunden starten und danach wieder schlafen legen.
    Ich habe in der Vergangenheit einen Server zuhause mit 32GB RAM, 4x 1TB Disks als HyperV-Host für Testmaschinen genutzt. Die VMs habe ich aber immer nur über kurze Zeit genutzt und habe Sie dann wieder schlafen gelegt. Betriebswirtschaftlich ist hier Azure eine echte Alternative. für die 2000€, die der Server damals gekostet hat, kann ich eine ganze Menge "Serverminuten" in Azure bekommen
  • Dynamische Lasten
    Für Firmen kann Azure interessant sein, wenn Dienste nur temporär viel Last benötigen, z.B. Weihnachtsgeschäft oder ein Startup, das noch gar nicht weiß, wie sich seine Geschäfts entwickeln. Mit Azure können Sie sehr schnell zusätzliche Ressourcen bereit stellen-
  • ErsatzRZ
    Es gibt für Azure auch Angebote z.B. Server in die Cloud zu sichern oder VMs in die Cloud zu spiegeln. Das kostet etwas WAN-Bandbreite und Storage-Ressourcen aber erlaubt ihnen im Notfall sogar Server in Azure zu starten. Das kann durchaus ein Szenario für eine höhere Verfügbarkeit sein.

Das bedeutet nicht, dass Sie nicht auch andere Dienste 24h in Azure betriebswirtschaftlich sinnvoll betreiben können. Wenn Sie dadurch z.B. die Erweiterung eines lokalen Serverraums sparen und die Internetanbindung nicht der limitierende Faktor ist, dann kann auch dies sinnvoll sein. Größere Datenmengen können Sie problemlos in Azure halten, aber kosten natürlich und binden Sie auch daran. Ein eigenes RZ oder einen anderen Hoster wechseln sie aber auch nicht einfach mal so. Und für Dienste wie Exchange und SharePoint gibt es mit Office 365 ja auch passende Ansätze, bei der Sie nur noch die Nutzung bezahlen und die Server und Infrastruktur gar nicht mehr selbst verwalten müssen.

Meinen kleinen Home-Server zuhause, der meine Maschinen sichert und die ein oder andere TV-Aufzeichnung vorhält, wird Azure aktuell nicht ersetzen können. Da wäre dann eher ein Backup2Cloud-Angebot interessant oder der Ersatz des Medienspeichers durch entsprechende Streaming-Angebote. Es gibt ja schon entsprechende Musik-Flatraten und die Mediatheken der Fernsehsender könnten die nächste Stufe sein. Ich denke wir werden in den nächsten Jahren noch einige umbrüche sehen

Azure und mehr

Azure kann aber nicht nur VMs bereit stelle, auch wenn das für Entwickler, Consultants oder Systemingenieure natürlich der erste Kontakt mit Azure sein wird. Sie können sich in Azure ein virtuelles Subnetz einrichten und dieses per IPSec mit einem VPN-Tunnel zu ihrem Firmennetzwerk verbinden. Abgesehen von der Bandbreite des Internets und dem neuen Subnetz sind die Azure-Server damit einfach mit ihrem Firmennetzwerk.

Sie können aber auch große Datenmengen in Azure speichern und in einen HADOOP-Cluster berechnen lassen und natürlich gibt es immer noch das Angebot zum Hosten von ASP.NET-Webseiten. Bei dieser als "Platform as a Service" (PaaS) genannten Technik müssen Sie sich nicht um den Webserver und die darunter liegende VM selbst kümmern, sondern können sich alleine auf ihre Webseite beschränken-

Ein einfacher Überblick zweigen die Hauptüberschriften der Dokumentation:

Schauen Sie sich einfach einmal um und experimentieren Sie damit. Es könnte sein, dass Sie als Consultant, Admin oder Entwickler schon morgen einen neuen Weg gefunden haben, Test-VMs und Demo-VMs effektiver zu nutzen ohne lokal immer neue Server zu fordern. Und wenn es doch ein Irrweg ist, dann sind sie aus Azure ganz schnell wieder raus.

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